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Streit um Stadionbau wird heftiger

Nürnberger und Fürther setzen schwere Duftnoten - 24.07.2012 13:00 Uhr

„Bei Ostwind stinkt’s von Nürnberg rüber nach Sch...!!!“: Das auf diesem Gelände geplante Fußballstadion der SpVgg erregt die Menschen schon lange, bevor es gebaut ist. © Aslanidis


Oberbürgermeister Thomas Jung ist schon lange Kommunalpolitiker, die Entwicklung beim Stadionbau, sagt er, könne ihn deshalb nicht überraschen. „Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Selbst der Bau einer Garage in einem Wohnviertel löst heutzutage Proteste aus.“

Etwas größer als eine Garage, genau genommen ein 35-Millionen-Euro-Projekt mit Platz für 20.000 Menschen, soll die Fußball-Arena an der Johann-Zumpe-Straße werden. Umso heftiger fällt der Widerstand aus — vor allem auf Nürnberger Seite. Die Stadtgrenze ist nur ein paar hundert Meter entfernt, Peter Büttner, Vorsitzender des Bürgervereins Nürnberger Westen, empfindet bereits Fürther Spielhallen und die Ausdünstungen einer großen Backfabrik („Es riecht nach Butterhörnchen“) als Belästigung. Sollte zudem alle 14 Tage in nächster Nähe die SpVgg ihre Heimspiele austragen, prophezeit er große verkehrstechnische Probleme. „Die Zufahrt dort (zum Stadion, die Red.) würde in kürzester Zeit alles verstopfen — auch in Fürth bis in die Stadtmitte.“

OB Jung sieht das ganz anders. Er hält die rund sieben Hektar große Fläche am Main-Donau-Kanal weiter für die beste derzeit denkbare Option, für den Verkehr und für die Umwelt. Wie mehrfach berichtet, wurden auf dem Baugrundstück seltene Vogelarten entdeckt, für die bis März Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen. Andernfalls darf nicht mit dem Stadionbau begonnen werden. So wie momentan geplant werde, betont der OB, sei keine einzige neue Straße notwendig, also kein zusätzlicher Flächenverbrauch. „Bauen wir im Grünen“, stellt Jung mit resigniertem Unterton fest, „regen sich die Naturschützer auf — bauen wir im Gewerbegebiet, tun sie es auch.“ Ob die Beschwerdeführer Erfolg haben, entscheidet sich im Raumordnungsverfahren, das die Regierung von Mittelfranken durchführen wird. Jung gibt sich optimistisch: „Wenn’s den Gesetzen entspricht, wird’s genehmigt, egal, ob es den Nachbarn freut.“

Sepp Körbl, Chef der SPD-Fraktion im Fürther Stadtrat, feuert mit einer schriftlichen Stellungnahme schon mal kräftig über die Grenze. „Wenn der (Büttner, die Red.) sich darüber aufregt, dass bei einer bestimmten Windrichtung der Nürnberger Westen mit Butterhörnchenduft erfüllt wird, sollte er darüber glücklich sein, denn bei Ostwind stinkt’s von Nürnberg rüber nach Sch...!!!“

Allerdings sollten die Fürther ihren großen Nachbarn nicht zu sehr provozieren. Das Gelände an der Ecke Rothenburger Straße/Gebersdorfer Straße, auf dem SpVgg-Fans ab 2014 ihre Autos abstellen sollen, gehört nämlich der Stadt Nürnberg. Und die muss den Parkplatz erst noch vermieten.

KURT HEIDINGSFELDER

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