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Streitkultur im Stundenplan

Der Schülerwettbewerb "Jugend debattiert" ist am Gymnasium fest in Frauenhand - 03.02.2020 06:00 Uhr

Zuhören, mitschreiben, eigene Argumente formulieren und gezielt kontern: Die Finalistinnen Carolin Schwarz (von links), Anna Schiller, Stella Gruber und Annabelle Witte bei der Debatte in Aktion.

31.01.2020 © Marion André


Soll es in der Schule ein Fach "Ökologisches Verhalten" geben? Carolin und Anna sagen dazu "Ja" und untermauern das mit Grünen: Fridays for Future wolle ernst genommen werden, was durch ein solches Fach zum Ausdruck käme. Es gehe darum, Fakten weiterzugeben und junge Menschen an ein ökologisch vertretbares Verhalten heranzuführen. Es solle wie ein Nebenfach behandelt und beispielsweise von dafür ausgebildeten Geografie-Lehrern unterrichtet werden.

Ihre Kontrahentinnen Stella und Annabelle erinnern dagegen daran, dass dieser Schritt mehr Stress für Schüler bedeute, in mehreren Fächern ohnehin über das Thema gesprochen werde und Projektwochen am Ende des Schuljahres vermutlich eher Lust auf die Beschäftigung damit machen würden als Notendruck.

Um Entscheidungsfragen, also solche, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können, kommt niemand herum. Eine Position zu einem Thema einzunehmen und nach außen vertreten zu können, setzt eine ausreichende Sachkenntnis voraus. Um sie zu erwerben, sind gute Debatten von unschätzbarem Wert. Allerdings sollten sich die Teilnehmer dabei an gewisse Regeln halten.

Wer debattiert, betrachtet ein Thema von allen Seiten, bewertet Argumente und hilft so den Zuhörern, Stellung zu beziehen. Weil das gerade in Demokratien außerordentlich wichtig ist, debattiert man beispielsweise in der Politik auf allen Ebenen.

Bei "Jugend debattiert" üben das bundesweit jedes Jahr 135 000 Schülerinnen und Schüler. Allein in Bayern beteiligen sich 134 Schulen an dem Wettbewerb, den die Kultusministerkonferenz ausdrücklich empfiehlt – eine davon ist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach.

Koordinatorin Angelika Blendinger-Weiß richtet das schulische Event, unterstützt von zwei Kolleginnen, seit mehreren Jahren aus. "Auch dieses Mal war alles wieder sehr knapp", erzählt sie, gerade bei den Finalistinnen gehe es bei der Bewertung oft nur um Nuancen.

Der Jury gehören neben zwei Lehrern Jugendliche der gleichen Altersstufe an. "Sie unterziehen sich vorher einer Jurorenschulung und erhalten dafür eine Bescheinigung, die bei Bewerbungen durchaus vorteilhaft sein kann", so die Oberstudienrätin. Sachkenntnis, sprachliches Ausdrucksvermögen und Gesprächsfähigkeit des Redners werde von ihnen ebenso unter die Lupe genommen wie seine Überzeugungskraft und die Stichhaltigkeit der Argumente.

Die Schlussrunde war in Oberasbach dieses Mal fest in weiblicher Hand: Carolin Schwarz, Anna Schiller, Stella Gruber und Annabelle Witte stellten sich als "Siegerinnen der Sieger" dem Rededuell. Nachdem sie sich in der Vorrunde bereits zu verpflichtenden Bundesjugendspielen und einer Helmpflicht für Elektroroller-Fahrer positioniert hatten, gingen sie in der abschließenden Podiumsrunde dann der eingangs erwähnten Frage nach: Sollte in der Schule das Fach "Ökologisches Verhalten" eingeführt werden.

Am Ende hatten Anna und Carolin, die Befürworterinnen, die Nase vorn – sie treten im Februar in Neustadt/Aisch beim Regionalwettbewerb an. Wer diese Hürde nimmt, darf sich auf Landesebene und anschließend in der Schlussrunde im Bundestag mit den Besten Deutschlands messen.

Marion André

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