Donnerstag, 27.02.2020

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Taubenhäuser lösen kein Taubenproblem

Die Fürther Stadtverwaltung grübelt über Maßnahmen gegen die Überpopulation - 13.02.2020 11:00 Uhr

Ein Problem für das Eindämmen der Taubenscharen sind leerstehende marode Altbauten. Hier finden die Vögel massenhaft Rückzugs- und Brutmöglichkeiten. Die Stadt hat keine Handhabe, diese Quartiere sperren zu lassen. © Foto: Günter Distler


Das in Fürth verhängte Fütterungsverbot von 1996 wird immer noch oft ignoriert. Und die Überwachung gestaltet sich schwierig. Turmfalken, die Jagd auf Tauben machen und das Nisten in historischen Baudenkmälern unterbinden sollen, können dem Massenphänomen ebenso wenig beikommen, wie Netze und Drähte. Immer wieder finden die anpassungsfähigen Stadttauben Schlupflöcher zur weiteren Vermehrung.

Bereits mehrfach wurde in der Vergangenheit das Aufstellen von Taubenhäusern angeregt, um die Vögel unter Kontrolle zu bekommen. Hier sollen ihre natürlichen Eier systematisch entnommen und durch künstliche ersetzt werden. So ließe sich die Vermehrung eindämmen, ohne die Natur der Tiere allzu sehr zu strapazieren. Das zumindest glauben die Befürworter. Sie verweisen auf Augsburg, wo es schon seit längerem vom örtlichen Tierschutzverein betreute Taubenhäuser gibt.

In Fürth haben jetzt die Grünen einen neuen Vorstoß für solche Quartiere zur Geburtenkontrolle unternommen. Allerdings ohne Erfolg, denn die Verwaltung stellte den Taubenhäusern ein vernichtendes Urteil aus. Es sei bekannt, dass solche Quartiere, in denen gefüttert wird und die Eier ausgetauscht werden, aus verschiedenen Gründen letztlich zu einer Erhöhung der Population führen, heißt es in der Stellungnahme.

Die Befürworter der Taubenhäuser wollen mit gesundem Futterangebot Krankheiten von den Tauben fernhalten, die schließlich auch zu aggressiven Ausscheidungen führen. Doch durch gezieltes Füttern werden nach Ansicht der Verwaltung nur noch zusätzliche Tauben von weither angelockt. Die Tiergesundheit leide zudem durch Stress. Weil Tauben nach 19 Tagen erfolgloser Brut die künstlichen Ersatzeier verlassen und unverzüglich nachlegen, könne dies zur völligen Erschöpfung führen. Nur mit dem Einschränken der Fütterung lässt sich das Problem nach Ansicht der Stadtverwaltung in den Griff bekommen.

Denn dann seien die Tiere länger mit der Futtersuche beschäftigt und könnten sich in dieser Zeit nicht auf die Brut konzentrieren. Aus der Sicht der Verwaltung können nur die konsequente Überwachung der Einhaltung des Fütterungsverbots, der Entzug von Nistmöglichkeiten und begleitende Vertreibungsmaßnahmen zum Erfolg führen.

Vergebliche Suche

Mehrfach schon wurde trotz negativer Einschätzung nach möglichen Standorten für Taubenhäuser Ausschau gehalten. Allerdings hat sich dabei gezeigt, dass die Stadt selbst über keine geeigneten Gebäude oder Grundstücke verfügt. Schließlich scheiden dafür zentrale innerstädtische Freizeit- und Erholungsanlagen aus.

Alternativ zu den Taubenhäusern haben die Grünen eine stärkere kommunale Unterstützung von Falknern gefordert, um das Problem der Überpopulation auf natürlichem Wege zu lösen. Doch Ordnungsamtsleiter Jürgen Tölk gibt zu bedenken, dass die Falken nur einen sehr begrenzten Nahrungsbedarf hätten und sich nicht ausschließlich von geschlagenen Tauben ernährten.

Ein Problem sieht SPD-Stadträtin Michaela von Wittke in leerstehenden Altbauten, die massenhaft Tauben Unterschlupf bieten. Die Stadt hat nach Angaben von Rechtsreferent Mathias Kreitinger keine Handhabe, gegen die Hausbesitzer vorzugehen. Nur, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr sei, könne man Abhilfe fordern. Mit verstärkter Aufklärung über den Sinn des Fütterungsverbots und Informationen über sogenannte Vergrämungsmaßnahmen will die Stadt auf die Taubenproblematik reagieren.

Volker Dittmar

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