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Täuschend: Fotorealismus in der Sparkasse

Die Arbeiten von Norbert Madsius beeindrucken durch ihre Prägnanz - 21.04.2019 16:00 Uhr

Wie Fotografien muten die Gemälde in der Kundenhalle der Sparkasse Fürth an. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sie ihre künstlerische Potenz. © Thomas Scherer


Man muss schon zwei Mal hinschauen: Kahl ragen die Äste des Baumes in den stahlblauen Himmel. Interessante Perspektive. Die Farben nicht bunt, aber doch intensiv. Das Foto hat Tiefe. Es strahlt Ruhe aus. Der Denkfehler? Es ist kein Foto.

Nicht Pixel, sondern Acryl und Lack lassen das Motiv so plastisch und realistisch aussehen. Fotorealismus nennt man das.

Es ist eine spannende Mischung aus älteren und neuen Werken, die unter dem Titel "Schatten im Licht" noch bis 17. Mai im Kundencenter der Sparkasse (Maxstraße 32) zu sehen sind. Norbert Madsius, 1956 in der Kleeblattstadt geboren und "seitdem da", mag die Abwechslung.

So zeigt die Schau eine Art Best Of seiner früheren Bilder, aber auch neue Motive. Sonnenblumen haben es ihm in jüngster Zeit angetan. Hier lohnt es sich, den Blick auf das großformatige dreigeteilte Bild zu richten und mit ein paar Metern Abstand wirken zu lassen. Stängel und Blätter sind in Schwarz-Grau-Weiß gehalten – dafür knallen die Blütenblätter gelb hervor. Auch hier stimmen die Proportionen bis ins kleinste Detail, das Bild wirkt wie eine kolorierte Schwarz-Weiß-Fotografie.

Überhaupt hat es dem freischaffenden Künstler die Natur angetan. Und das kommt nicht von ungefähr. "Mein Vater war Bergsteiger und Wanderer", blickt er zurück, "daher war ich schon als Kind oft und viel in den Bergen unterwegs." Von Wanderungen in den Dolomiten hat er eindrucksvolle Motive mitgebracht und eigenwillig und raffiniert mit Öl auf Leinwand in Szene gesetzt: Beim ersten Hinsehen meint man, nur willkürlich aufgetragene Farbklekse zu erkennen. Und auch hier lohnt sich der zweite Blick: Es sind geschickt ausgewählte Fragmente von Gebirgszügen, Wiesen und schneebedeckten Gipfeln.

Weitere Inspiration holt sich Madsius bei Spaziergängen durch seine Heimatstadt, zum Beispiel im Stadtpark, oder den Besuchen in seinem Wochenendhaus in der Hersbrucker Schweiz. "Den Fuchs sehe ich da quasi wöchentlich", erklärt er dieses Motiv, das er mit Tusche auf Papier gebannt hat. Auch zu den beiden eher nostalgisch wirkenden Bildern hat er eine Geschichte zu erzählen. "Mann auf dem Mond" zeigt seinen Bruder Rudi (bekannt als Musiker) als Kind beim Skifahren. "So habe ich ihn tatsächlich als kleiner Junge gesehen", verrät er.

Und weil es keine Computer und Handys gab, als er ein Bub war, guckte er eben unter Gullideckel und entdeckte dort Salamander, Käfer oder Kröten, erklärt er schmunzelnd den Titel "Mein Laptop". Fast reinbeißen möchte man dagegen in die Brombeeren oder Birnen, die den Betrachter in Großaufnahme anlachen. 

Claudia Wunder

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