Tauziehen um Fürther Woolworth

4.11.2014, 21:00 Uhr
Dominant: Der Woolworth-Komplex (früher Bilka) prägt den Eingang zur Fußgängerzone an der Maxstraße. Was an dem Bau schützenswert ist, will vielen Fürthern nicht eingehen.

Dominant: Der Woolworth-Komplex (früher Bilka) prägt den Eingang zur Fußgängerzone an der Maxstraße. Was an dem Bau schützenswert ist, will vielen Fürthern nicht eingehen. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Das Verhältnis zwischen Landesamt und Fürther Rathaus ist – gelinde gesagt – belastet. Spätestens die emotional geführte Debatte um den Abriss des denkmalgeschützten Park-Hotel-Festsaals ließ die Fronten verhärten. Rathauschef Thomas Jung nahm wohl auch deshalb kein Blatt vor den Mund, als er vor einer Woche die Entscheidung aus München, das Woolworth-Kaufhaus auf die Denkmalliste zu setzen, scharf kritisierte. Damit mache sich die Behörde „lächerlich“, schimpfte Jung und klagte, dass sie die Einwände der Kommune „völlig ignoriert“.

Jedoch: Wie Generalkonservator Mathias Pfeil jetzt der Presseagentur dpa sagte, hatte die Stadt zwar drei Monate Zeit, beim Landesamt Stellung zu nehmen, doch dort sei „definitiv nie etwas eingegangen“. Er habe daher mit dem Fürther OB telefoniert und nun der Stadt – trotz abgelaufener Frist – erneut Gelegenheit gegeben, sich zu äußern.

Jung bestätigte auf FN-Anfrage den Anruf des Generalkonservators, der ihn „positiv überrascht“ habe. Und: Er muss tatsächlich einräumen, es gebe „keinen Nachweis“ dafür, dass irgendwann ein entsprechendes Schreiben aus dem Fürther Bauamt nach München gegangen ist.

Allerdings sagt Jung auch: „Die sollen dort mal nicht gar so überrascht tun.“ Schließlich sei die Empörung im Fürther Rathaus „durch alle Medien“ gegangen, nachdem die FN im Sommer 2013 zum ersten Mal über die Absicht des Landesamts geschrieben hatten, das Woolworth-Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Darüber hinaus habe er dem Generalkonservator bei dessen Antrittsbesuch im Juni dieses Jahres die Meinung der Stadt zu diesem Thema in einem Gespräch mehr als deutlich gemacht.

Wie berichtet, bewertet das Landesamt das Gebäude, das nach Plänen des Architekten Hans Paul Schmohl entstanden ist, als seltenes Beispiel für die Kaufhausarchitektur der Nachkriegszeit. Es dokumentiere „die Entwicklung weg vom Stahlbeton hin zur Vorhangfassadenästhetik“. Die Stadt hingegen sieht in dem Bau der Firma Bilka einen „städtebaulichen Fehler“, der korrigiert werden müsse – sei es durch Veränderungen oder sogar durch einen Neubau. Schriftlich hat das die Stadt dem Landesamt aber offenbar nie mitgeteilt.

Das wurde am Montag nachgeholt. Jung zufolge hat die Stadt den Beschluss des Bauausschusses, der sich im Juli 2013 mit 13:0-Stimmen dagegen ausgesprochen hatte, dass Woolworth Baudenkmal wird, nach München geschickt. Außerdem schrieb er einige persönliche Zeilen an den Generalkonservator mit der Bitte, die „Bedenken der Stadt aufzugreifen“. Denn: „Will in Zukunft jemand das Gebäude den umliegenden Sandsteinfassaden und der Formensprache der Umgebung anpassen, ist das bei einer zugedachten Denkmaleigenschaft nicht mehr möglich.“

Vor einem Jahr hatte die Eigentümerin des Gebäudes, eine niederländische Investorengruppe, mit einem Umbau geliebäugelt. Inzwischen, so ist von der Fürther Innenstadtbeauftragten Karin Hackbarth-Herrmann zu hören, werde auch ein Verkauf geprüft. Beides, so Hackbarth-Herrmann, werde mit der Denkmaleigenschaft nicht einfacher.

Generalkonservator Pfeil will jetzt den Einwand der Kommune prüfen: „Wir schauen uns das an, und wenn es ein Dissensfall bleiben sollte, muss sich der Landesdenkmalrat damit befassen.“ Eine Aussage, die Thomas Jung wenig Hoffnung schenkt. Er kennt das Gremium aus der Diskussion um den Festsaal des Park-Hotels. Sein Urteil: „Eher wählt das Bischofskonzil einen weiblichen Papst, als dass der Landesdenkmalrat ein Zugeständnis bei einem Denkmal macht.“

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