Dienstag, 12.11.2019

|

Tipps zum neuen Jahr: „Dem zeig ich’s!“

Fürther Expertin Ute Herzog erklärt, wie man gute Vorsätze umsetzt — Nicht „weg von“, sondern „hin zu“ - 31.12.2016 16:00 Uhr

Die guten Vorsätze halten oft nicht lang — aber es geht auch anders. © Foto: Arno Burgi/dpa


Ute Herzog. © Foto: privat


Frau Herzog, was ist eigentlich so schlimm an schlechten Angewohnheiten?

Herzog: Entscheidend ist, wofür andere mich kritisieren und was mir selbst nicht behagt an mir. Klassisch ist das beim Rauchen. Ich weiß, das ist nicht gut für den Körper und es stört andere, ich hätte längst aufhören sollen. Und dann zünde ich mir die nächste Zigarette an und habe ein schlechtes Gewissen dabei. Das ist das, was uns zu schaffen macht!

 

Und wenn man’s nicht lassen kann?

Herzog: Dann sollte man dazu stehen. Man macht sich Vorteile und Nachteile klar, entscheidet sich und vertritt diese Entscheidung bewusst. Dann ist Ruhe im Gehirn. Denken Sie zum Beispiel an Helmut Schmidt: Der rauchte mit Überzeugung. Ich glaube sogar, das ist einer der Gründe, warum er so alt geworden ist – obwohl er Kette geraucht hat.

 

Wenn Wagemutige nun trotzdem beschließen, sich von einer ungeliebten Angewohnheit zu trennen oder ihrem Leben eine neue Richtung zu geben: Ist Silvester ein guter Zeitpunkt dafür?

Herzog: Zum Jahreswechsel haben wir das Gefühl, es schließt etwas ab, etwas Neues beginnt. Ich selbst setze mich am Silvestertag hin, blättere den Terminkalender des vergangenen Jahres durch, lasse es Revue passieren und verabschiede mich davon. Das ist eine besondere Stimmung. Ich glaube, wenn man etwas ändern möchte, ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür.

 

Nicht mehr rauchen, weniger Alkohol, häufiger Sport, auf die Kalorien achten . . . Gibt es Vorsätze, die sich leicht umsetzen lassen, und andere, die man nie schafft?

Herzog: Grundsätzlich können Menschen alles realisieren, was sie sich vornehmen und wirklich wollen – außer vielleicht „Ich kann fliegen“. Für mich ist es eine Frage der Formulierung, ob ein Vorsatz eine Chance hat, Wirklichkeit zu werden. Wenn ich zum Beispiel denke: „Ich will abnehmen“, das ist kein Ziel.

 

Was wäre ein echtes Ziel?

Herzog: Ein Ziel kann sein, in einem Jahr 15 Kilo weniger zu wiegen. Das braucht natürlich Zwischenschritte. Die können heißen: In drei Monaten fünf Kilo weniger und in einem halben Jahr noch einmal drei und so weiter. Das kann man schriftlich fixieren, das lässt sich überprüfen, wenn man eine Art Erfolgstagebuch führt. Das mache ich selbst übrigens auch. Dazu wähle ich einen ruhigen Moment, schließe die Augen und stelle mir mit allen Sinnen vor, wie es ist, wenn ich das Ziel erreicht habe: Wie fühlt sich das an, was sehe ich, wie riecht das? Damit überliste ich mein eigenes Gehirn: Genau diesen Zustand will es dann haben.

 

Gibt es Rückschläge?

Herzog: Immer wenn ich einen Durchhänger habe – und der kommt sicher – schlage ich das Buch auf. Es ist hilfreich, zurückzublättern und zu schauen, wo war ich vor drei Monaten und wie stehe ich jetzt da. Das pusht einen weiter.

 

Bei der Silvesterparty wird bestimmt über die Pläne fürs nächste Jahr gesprochen . . .

Herzog: Genau! Da sagt bestimmt einer, ich gehe häufiger ins Fitnessstudio – und alles lacht. Auch so ein Klassiker.

 

Was tun?

Herzog: Damit muss man rechnen. Man kann es einfach an sich abperlen lassen. Oder man wandelt solche Kommentare in eigene Motivation um. Motto: Dem zeig’ ich’s!

 

Und wie gelingt das?

Herzog: Ein Beispiel, wieder klassisch: weniger Stress. Ein abstraktes Ziel. Wer es erreichen will, muss überlegen, wie sich das konkret umsetzen lässt. Es hilft, Ziele positiv zu formulieren. Also nicht „weg von“, sondern „hin zu“. Hin zu „jeden Tag eine Stunde für mich“, hin zu „zweimal Sport pro Woche“, hin zu „einmal im Monat mit Freunden ins Kino“. Das ist messbar, das kann ich verfolgen.

 

Es klingt so, als ließe sich auf die Schnelle wenig erreichen.

Herzog: Stimmt. Wir sind alle Gewohnheitstiere. Neue Verhaltensweisen müssen wir mühsam lernen. Unser Gehirn braucht genügend Zeit, um neue Synapsen dafür zu bilden. Es dauert mindestens sechs bis acht Wochen, bis sich „Autobahnen“ gebildet haben und sich Gewohnheiten verfestigen. Das ist eine harte Zeit. Man darf nicht vergessen: Wir haben Angewohnheiten auch, weil sich unser Gehirn belohnen will. Eine Zigarette beim Telefonieren oder immer zur Pause gehört für viele dazu. Auch wenn ich dann eine neue Gewohnheit etabliere und in der Pause um den Block laufe, wird das Gehirn immer mal wieder anfragen: Eine Zigarette wäre doch nett, wie wär’s denn?

 

Bedeutet das, dass wir Silvester 2017 die gleichen Vorsätze fassen müssen?

Herzog: Dann ist irgendwas schiefgelaufen. Wenn im Februar wieder alles ist wie im Dezember, kann man natürlich warten bis zum nächsten Silvester. Besser ist aber, einfach an der Stelle weiterzumachen. Gute Vorsätze umzusetzen, ist nicht frei von Anstrengung.

 

Interview: GABRIELE KOENIG

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth