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Totenstille im Herzen der Gustavstraße

Hunderte demonstrieren für eine lebendige Kleeblattstadt — Neuer Verein „Wir sind Fürth“ wird aktiv - 12.11.2012 13:00 Uhr

„Das deutlichste Zeichen“: Schweigend zog die Menge durch die Gustavstraße. © Günter Distler


Der Schweigemarsch war der emotionale Höhepunkt einer sonst sehr fröhlichen Demonstration: Nachdem sich die Menge, begleitet von Partymusik, von der Freiheit aus durch die Fußgängerzone bewegt hatte, sollte es im Herzen der Altstadt, zwischen der Gaststätte „Grüner Baum“ und dem „Alten Rentamt“, ganz still werden — „als Zeichen dafür, wie es wäre, wenn es die Gustavstraße nicht gäbe“, sagte Felix Geismann, Vorsitzender des Vereins „Wir sind Fürth“.

Schlagartig verstummte also Bob Marley’s „Buffalo Soldier“, der Motor des vorausfahrenden Kleinlasters wurde ausgeschaltet, der Wagen geschoben: „Dass alle schweigen, das ist das deutlichste Zeichen. Bitte haltet euch alle daran“, bat Geismann. Nicht nur er bangte, ob sich einzelne dazu hinreißen lassen würden, die große Stille mit Protestrufen zu durchbrechen. Doch das wagte keiner. Alle schwiegen, nur die Glocken von St. Michael läuteten. Ein Gänsehautmoment, in dem spürbar wurde, dass die einstige Unbeschwertheit aus der Straße gewichen ist: „Das war jetzt wie ein Totenmarsch“, stellte eine Frau fest.

Die Stadt hatte für die Demo, mit der der Verein erstmals öffentlich in Erscheinung trat, klare Spielregeln vorgegeben: Es dürfe keine schmähenden Transparente, Gesänge und Rufe geben, die sich gegen einzelne Anwohner richteten. Das sei aber auch im Sinne des Vereins, sagte Schatzmeister Kamran Salimi, der zu den 23 Gründungsmitgliedern gehört. Der Verein wolle nämlich nicht „gegen“, sondern „für“ etwas sein: für eine lebendige Altstadt — unter anderem.

„Wir sind Fürth“, dem bisher rund 40 Mitglieder angehören, wurde im September gegründet, als Reaktion auf den Streit in der Gustavstraße. Wie berichtet, liegt eine Gruppe von Anwohnern, die mehr Ruhe in der Altstadt fordert, im Dauerclinch mit einigen Wirten, Gästen und anderen Bewohnern des Viertels. Es sei ein Konflikt, der jeden betreffe, wie Geismann findet.

Die Gustavstraße ist aber nicht das einzige Anliegen: „Wir haben schnell festgestellt, dass es an vielen Ecken an kommunalpolitischer Information und Bürgerbeteiligung fehlt.“ Der Verein sei eine Gemeinschaft von Fürthern, die ihren „Lebensraum“ mitgestalten möchten. Ebenfalls Thema war auf der Demo dann auch der geplante Einkaufsschwerpunkt: Mit einem Bürgerbegehren werde man für den Erhalt des Park-Hotels kämpfen, versprach Salimi. Angeprangert wurden ferner die Folgen des Sparkurses der Stadt für den Kulturbereich, doch Hauptthema war die Gustavstraße.

„Wir wollen die Stadt ermutigen“, sagte Geismann, „keine weiteren Einschnitte“ zulasten der Wirte und Gäste zu beschließen. Es gebe Forderungen, so Gründungsmitglied Peter Stutzmann bei der Kundgebung am Grünen Markt, die Bewirtung im Freien weiter einzuschränken. Unerwähnt blieb dabei zunächst, dass die Stadt genau das selbst ausgeschlossen hat — der Verein also für etwas kämpft, das längst allgemeiner Konsens ist in den Reihen der Kommunalpolitiker: Mehrfach haben Rathauschef Thomas Jung und Rechtsreferent Christoph Maier deutlich gemacht, dass mit dem zuletzt im Stadtrat beschlossenen Kompromiss das Ende der Fahnenstange erreicht sei und weitreichendere Forderungen vor Gericht erstritten werden müssten.

Was also will der Verein? „Wir möchten die Stadt an ihr Versprechen erinnern“, sagt Geismann. Das schien gar nicht nötig: OB Jung beteuerte bei seiner Ansprache erneut, dass man die Gustavstraße „in dieser Form“ verteidigen werde: „Was jetzt festgezurrt ist, bleibt.“ Er sehe keinen Dissens zu seiner Meinung — in puncto Park-Hotel allerdings schon: Hier bat er, „uns im Rathaus zu unterstützen“.

Bilder unter www.fuerther-nachrichten.de. Einen ausführlichen Bericht zum geplanten Bürgerbegehren in Sachen Park-Hotel lesen Sie in der morgigen Ausgabe.

Claudia Ziob

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