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Traum von der Markthalle ist geplatzt

Aus für den Ladenbetrieb: Künftig bleibt die Grüne Halle geschlossen — Nur noch Veranstaltungsort - 14.06.2011 16:00 Uhr

Bei der Eröffnung 2004 lockte die Neugier viele Fürther in die Grüne Halle. Doch bald versiegte das Interesse. © Hans-Joachim Winckler


Die Grüne Halle am Südstadtpark war noch keine zwei Jahre geöffnet, da wurde schon spekuliert, dass der Abschied von den Feinkosthändlern wohl bevorstehe und aus der Halle ein reiner Veranstaltungsort werden würde. Wer selbst dort einkaufte, konnte die Vermutungen nicht für ganz abstrus halten. Denn tatsächlich lockten die hübschen Läden keine Scharen an, selten musste man Schlange stehen.

Die Gerüchte kamen 2006 auch Jürgen Schulz, dem Geschäftsführer, zu Ohren. Zwar gab er damals gegenüber den FN zu, dass es nicht zufriedenstellend laufe. Doch am Konzept einer Markthalle, die mit ihrem Charme hin und wieder Kulisse für Veranstaltungen sein sollte, wollte er festhalten.

Wer heute in der Grünen Halle einen besonderen Wein, einen ausgefallenen Käse oder frischen Fisch besorgen will, steht allerdings vor verschlossenen Türen — im Mai 2011 sind die Gerüchte wahr geworden. Die Halle, einst Sportstätte der US-Soldaten und von einem Investorenteam um den Nürnberger Steuerberater Schulz aufwendig saniert, ist jetzt „nur noch Eventlocation“, wie Schulz auf FN-Nachfrage bestätigt. Von der Homepage ist der Werbespruch „Einkaufen. Essen. Erleben“ verschwunden. 

Vorbilder in Portugal, Frankreich und Spanien

Schulz sagt, dass er sich das anders gewünscht hätte. Eine lebendige Markthalle wie im portugiesischen Funchal, im französischen Dijon oder im spanischen Barcelona hatte er sich anfangs vorgestellt und war optimistisch: Auch im schwäbischen Stuttgart „funktioniert so etwas. Dort brummt die Markthalle einfach“.

In Fürth war das anders. Seit den Anfangstagen im Jahr 2004 sei der Ladenbetrieb ein Draufzahlgeschäft geblieben, sagt Schulz. Schnell habe sich gezeigt, dass es sich nicht lohnte, Gemüsehändler einzuladen, die ihre Stände im Mittelteil der Halle aufbauten. Die Läden an den Längsseiten immerhin überlebten; keiner sei Konkurs gegangen, betont Schulz. Dem Fischladen sei es sogar gelungen, Kunden „bis aus Greding“ anzuziehen.

Doch insgesamt blieb es in der Halle zu leer, findet Schulz. Die Energiekosten, die wegen der hohen Decke von Anfang an beträchtlich waren, indes stiegen. Hinzu kamen laut Schulz Anwohnerbeschwerden. Sie störten sich daran, dass der frische Fisch oder die Brötchen für die Bäckerei bereits vor sieben Uhr angeliefert wurden. Irgendwann, sagt er, machte sich Frust breit. 

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Grüne Halle: Der Traum von der Markthalle ist geplatzt

2004 ist die Grüne Halle mit großen Erwartungen gestartet, doch sie erfüllten sich nicht: Als Markthalle mit frischen Produkten lockte sie zu wenig Kunden an, der Verkauf wurde im Mai 2011 eingestellt. Als beliebter Veranstaltungsort blieb die frühere US-Turnhalle jedoch erhalten - und scheiterte im Sommer 2016 zum zweiten Mal.


Als Veranstaltungsort für Firmenfeiern indes wurde die Halle immer begehrter. Immer mehr lukrative Anfragen aus dem Großraum trudelten ein, immer wieder musste Schulz wegen des Ladenbetriebs absagen — oder die Firmen mussten die Händler ausbezahlen, wie er sagt. Die Hürde hat Schulz nun beseitigt. Die Läden sind geschlossen, die Halle wird nur noch für Veranstaltungen aufgesperrt. Weiterhin geöffnet haben Bäckerei, Espressobar und Thai-Restaurant, die von außen zu erreichen sind. Ein Wiedersehen mit dem Fischhändler immerhin gibt es bei den regelmäßigen Jazz-Veranstaltungen.

„Schade“ sei es, sagt Schulz, dass die Markthalle keine Zukunft habe. „Schade“, sagt dazu auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung: „Über das Leben von Läden aber wird nicht im Rathaus entschieden, das übernehmen die Kunden.“

„Offenbar brauchen die Fürther so was nicht“, vermutet denn auch Schulz. Eine kleine Hoffnung hat er aber noch. Einen „echten“ Markttag pro Woche fände er reizvoll. Selbst jedoch möchte er das nicht mehr auf die Beine stellen, „aber wenn eine größere Initiative dafür da wäre, würden wir das unterstützen“. 

Claudia Ziob

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