Mittwoch, 19.05.2021

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Travelling Playmates: Uns kriegt ihr nicht!

Die Band servierte ihren Fans ein lang vermisstes Gefühl namens Ausgelassenheit - 19.04.2021 15:46 Uhr

Tex Gagarin alias Bernd Galsterer (vorn) stürzte sich mit seiner Band kopfüber in die siebziger Jahre und in fränkische Coverversionen großer Hits. Via Bildschirm hielt die Fürther Band Direktkontakt zu ihren Fans.

18.04.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Und das muss man Tex Gagarin, Jacques de Pressaque, Roberto Rubato und den weiteren Musikern mit ihren sprechenden Künstlernamen lassen: Sie krachen los, als gäbe es kein Morgen mehr. Kein Wunder, erkennt man doch durchs Fenster des Humbser-Brauhauses den Schriftzug eines gegenüberliegenden Bestattungsunternehmens. Das hat fast etwas Sinnbildliches, nach dem Motto: So schnell kriegt ihr uns nicht.


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"Bewech dei Ärschla" heißt die aktuelle, 2018 erschienene CD der Playmates, wir bekommen aber vor allem Altbewährtes zu hören, nämlich die Mischung aus Zydeco, Rockabilly, Polka und Fürther Dialekt – sowie natürlich verfränkelte Coverversionen von Hits der glorreichen siebziger Jahre. Etwa "Papa Was a Rolling Stone" von den Temptations oder "Fire" von den Pointer Sisters.

Fans sind live dabei

Aus der Hymne "I love you Baby" wird eine nicht minder frenetische Liebeserklärung an den Gerstensaft. Und von da ist es nicht mehr weit bis zur Gustavstraße sowie dem "zugezogenen Zipfl", der das schöne Einvernehmen dort einige Jahre lang trübte.

Doch das soll nicht auf der Fürther Seele liegen. Also wird der Stadt wie der Spielvereinigung gehuldigt, stets atemlos und im Polka-Affentempo. Optisch ist das Konzert – von den schrillen Klamotten abgesehen – weniger fesselnd, die Kameras wechseln in schöner Regelmäßigkeit zwischen Gesamtschau und Großaufnahme. Immerhin, ein Großbildschirm im Hintergrund zeigt Bilder von den Zuschauern daheim, die einsam auf dem Sofa lauschen oder im Familienverband mitgrooven. Bei jeder kleinen Atempause oder Ansage läuft dieselbe Bilderschleife ab: Ansicht des Humbserhauses, eine Kamerafahrt entlang der Sudkessel und natürlich der Schriftzug der Lokalität, auf dass keiner vergesse, wem wir den Auftritt zu verdanken haben.

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Dass als Zugabe die mit weitem Abstand vom Publikum gewünschte Hymne "Freibier" ertönt, versteht sich ja von selbst. Also: Dieser Samstagabend mit den Travelling Playmates bescherte den darbenden Fans und der kulturell brachliegenden Stadt ein deutliches Sendezeichen der Spaßkultur und des Überlebenswillens. Das mag an dem Tag, als die Zahl von 80 000 Coronatoten in Deutschland erreicht wurde, sehr makaber klingen. Aber es zeugt von Lebensmut und Durchhaltewillen. Und nicht von "Nach uns die Sintflut".

Reinhard Kalb

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