Trotz Protest: Sechsfach-Halle wird am HLG gebaut

Wolfgang Händel
Wolfgang Händel

Leiter Lokalredaktion Fürth

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15.4.2020, 06:00 Uhr
An Stelle der alten HLG-Halle und des Parkplatzes soll die neue Sechsfach-Sportstätte entstehen. Anwohner wenden sich gegen das Ausmaß des Baukörpers und protestieren gegen den Verlust der Bäume.

© Foto: Wolfgang Händel An Stelle der alten HLG-Halle und des Parkplatzes soll die neue Sechsfach-Sportstätte entstehen. Anwohner wenden sich gegen das Ausmaß des Baukörpers und protestieren gegen den Verlust der Bäume.

Die aktuellen Zahlen, die die Regierung von Mittelfranken unlängst nach Fürth schickte, brachten Gewissheit: Es bestehe, so die Prognose der Schulexperten, nicht nur der Bedarf für die ohnehin schon geplante Sechsfachturnhalle im Osten der Stadt; zusätzlich sei auch noch eine Dreifachhalle nötig, um künftig ausreichend Kapazitäten für den Sportunterricht zu haben.


90 Millionen Euro: HLG wird Fürths neue Rekord-Baustelle


Fragt sich nur: Was wird wo gebaut? Denn Anwohner gehen gegen das Vorhaben auf die Barrikaden. Die Sechsfachhalle, ein "Turnhallen-Monster", wie es abschätzig heißt, will keiner vor seiner Haustür haben. Weil es den Charakter des von historischer Bausubstanz geprägten Viertels zerstöre und weil es zu viel Verkehr anziehe.

Inzwischen, so der für das Projekt zuständige Bürgermeister und Sportreferent Markus Braun, gebe es nicht mehr nur die Unterschriftensammlungen gegen den von der Stadt favorisierten Standort an der Jakobinenstraße, im direkten Anschluss ans Helene-Lange-Gymnasium. Auch gegen den von dortigen Anwohnern als Alternative empfohlenen Standort um die Ecke, auf dem Gelände mit der alten Humbser-Sporthalle an der Dr.-Mack-Straße, habe sich bereits Widerstand formiert.

Kurzum: Die Sechsfachhalle werde hier wie dort abgelehnt – doch ihre Notwendigkeit stellt unter den Kommunalpolitikern niemand in Abrede. Die machten deshalb nun die Bahn frei für weitere Planungen, und zwar an der Jakobinenstraße.

Dort, mit unmittelbarer Anbindung an das Schulzentrum, so argumentieren die Befürworter, mache die große Sportstätte am meisten Sinn. Auch für Vereinssportler, die die Halle zusätzlich zu den Schülern nutzen sollen, sei diese Lösung gut – könnten sie dann doch die Tiefgarage mitbenutzen. Deren Zufahrt liege zudem an der Otto-Seeling-Promenade, dort belaste der Verkehr die Anwohner in der Jakobinenstraße kaum.

100 Millionen Euro

Die Dreifachhalle soll unterdessen an Stelle der maroden Humbser-Halle entstehen, die abgerissen wird. Auf rund 90 Millionen Euro werden die Kosten für die Sechsfachhalle und den  Neubau am HLG  taxiert, Baubeginn könnte Ende des nächsten Jahres sein. Mit noch einmal rund 10 Millionen wird wohl die kleinere Halle zu Buche schlagen.

Den protestierenden Anwohnern, so Markus Braun auf Nachfrage der FN, sei man bereits in verschiedener Hinsicht entgegengekommen. So wird die Halle auf dem Gelände an der Jakobinenstraße rund dreieinhalb Meter tiefer ins Erdreich versenkt, damit sie weniger mächtig aufragt. Und für die Bäume, die zum großen Leidwesen der hier lebenden Menschen – und entgegen früherer Verlautbarungen – der Axt zum Opfer fallen werden, pflanze man neue Exemplare.

In der jüngsten Sitzung des sogenannten Ferienausschusses, der in der momentanen Krise den Fürther Stadtrat ersetzt, stellte sich Oberbürgermeister Thomas Jung mit Nachdruck hinter das Konzept. Allein für die Tieferlegung der Halle wende man schließlich zusätzliche Millionen auf, so Jung.

Und Braun gab zu Protokoll: "Mir fehlt die Fantasie, um andere Lösungen zu finden."

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