Türkei-Referendum in Fürth: Andrang ist gewaltig

4.4.2017, 05:36 Uhr
Die Volksabstimmung als Familienausflug: Viele Türken machen sich nicht alleine auf den Weg nach Fürth. In der ersten Woche waren es etwa 14.000 Menschen.

Die Volksabstimmung als Familienausflug: Viele Türken machen sich nicht alleine auf den Weg nach Fürth. In der ersten Woche waren es etwa 14.000 Menschen. © André De Geare

Noch was frei? Natürlich. Der türkische Ordner mit der leuchtend gelben Weste winkt das Auto mit einer lässigen Handbewegung durch. Ein Blick auf die Kfz-Kennzeichen am Parkplatz an der Flößaustraße verrät, dass ihre Besitzer bis nach Fürth ein paar Kilometer fahren mussten: Sie kommen aus Regensburg, Bamberg oder Würzburg, um in der Grünen Halle ihre Stimme abzugeben.

Derweil trudeln auf der anderen Seite des Südstadtparks weitere Wähler in großen Gruppen ein. Allein am Sonntag zählt die Fürther Polizei rund 20 Reisebusse, die zum Teil auf dem Areal der Hans-Böckler-Schule parken, zum Teil auf dem Gelände eines Discounters. Organisiert werden die Fahrten zum Wahllokal in Fürth von türkischen Vereinen, Parteien, aber auch von Privatpersonen.

Nach einem verhaltenen Auftakt brachte das Wochenende die erste Belastungsprobe für die Grüne Halle und die Anwohner. Fazit der offiziellen Stellen: Das befürchtete Verkehrschaos ist ausgeblieben, alles verläuft reibungslos und ohne Zwischenfälle.

"Das Konzept hat sich bewährt"

Wie berichtet, hatte die Stadt Fürth vorab Bedenken gegen den Wunsch des türkischen Generalkonsulats angemeldet, die Grüne Halle als Wahllokal zu nutzen. Der kleine Parkplatz und die schmale Zufahrt zu dem derzeit leerstehenden Gebäude gaben den Ausschlag. Als das Auswärtige Amt den Antrag der Türken trotzdem genehmigt hatte, versuchte das Rathaus, das Beste aus der Situation zu machen.

Das gemeinsam mit dem Generalkonsulat ausgetüftelte Konzept sieht vor, dass nur Mitarbeiter des Konsulats und Wahlhelfer den Parkplatz direkt an der Halle nutzen dürfen. Die schmale Krautheimerstraße bleibt somit weitgehend vom Verkehr verschont. Den Wählern werden andere Stellflächen in Laufweite angeboten: an der Ecke von Flößau- und Ullsteinstraße, ein paar Meter weiter bei der Freien Christengemeinde sowie bei ditib in der Steubenstraße. An den Wochenenden steht zusätzlich das Gelände der Böckler-Schule zur Verfügung. "Das Konzept hat sich bewährt", resümiert Fürths Ordnungsreferent Mathias Kreitinger.

"Das ist alles sehr gut organisiert von den Türken"

Das Generalkonsulat gibt zwar offiziell noch keine Zahlen preis, lässt aber durchblicken, dass sich für das Referendum eine höhere Wahlbeteiligung abzeichnet als bei den Parlamentswahlen 2015. Nach Meinung von Beobachtern kamen in der ersten Woche bereits 14 000 Menschen aus ganz Franken, der Oberpfalz und Thüringen, um in Fürth abzustimmen. Eine Briefwahl sieht das türkische Wahlrecht nicht vor. Der größte Andrang herrschte am Sonntag. Kreitinger zufolge hat sich das Straßenverkehrsamt an diesem Tag mehrfach ein Bild von der Lage gemacht, von Chaos könne keine Rede sein.

"Das ist alles sehr gut organisiert von den Türken", lobt auch Peter Messing. Der Fürther Polizeichef war am Wochenende selbst über längere Zeit vor Ort. Wegen der großen Zahl angekündigter Reisebusse hatte die Polizei vorbeugend mehr Präsenz gezeigt, eingreifen musste sie nicht. "Es lief reibungslos, Ärger gab es nicht", sagt Messing. Die Stimmung unter den Wählern sei keinesfalls aufgeheizt, sondern sehr gelassen.

Für die zweite Woche – türkische Staatsbürger dürfen in Deutschland noch bis 9. April wählen – wird in der Grünen Halle mit mindestens noch einmal so vielen Menschen gerechnet. Danach werden die verschlossenen Umschläge in die Türkei gebracht. Erst wenn auch dort am 16. April abgestimmt wird, werden sie geöffnet.

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