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Samstag, 24.08.2019

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TV-Serie: Ein Fürther bringt die Römer nach Finnland

Die Firma Telefilm arbeitet an einer Produktion fürs skandinavische Fernsehen - 13.08.2019 06:00 Uhr

Mit einer unerschrockenen Gruppe von Freizeit-Legionären aus der Gegend von Ingolstadt wurden Szenen für die Serie gedreht. © Foto: Telefilm


Die Römer sind ganz schön rumgekommen. Ihr Reich war von sorgfältig ausgebauten Straßen durchzogen, die sich über tausende von Kilometern erstreckten. Finnland blieb allerdings ein weißer Fleck auf der Karte. Bald wird sich das ändern. Daran beteiligt ist Peter Ponnaths "Telefilm" aus Fürth. In der Produktionsfirma mit Sitz im Golfpark Atzenhof nämlich wird fürs finnische Fernsehen eine Serie gedreht, in der Moderatorin Ella Kanninen den Spuren der Römer folgt.

Der Auftrag für Peter Ponnath kam direkt von YLE, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Finnland. Dort ist Redakteur Ilkka Saari beschäftigt, mit dem der Telefilm-Chef schon oft zusammengearbeitet hat. Gemeinsam reisten die beiden zur Recherche und Motivsuche zunächst nach Italien. Die ersten sieben Folgen der TV-Serie beschäftigen sich mit der Via Claudia Augusta, einer der wichtigsten Römerstraßen, die Norditalien mit Süddeutschland verband und über die Alpen führte.

Die Dreharbeiten mit der finnischen Fernseh-Moderatorin Ella Kanninen führten zu malerischen Festen und historischen Aufführungen, bei denen mitten im Geschehen gefilmt werden durfte – unter der Voraussetzung, dass das gesamte Team in Kostüme schlüpfte, um möglichst unauffällig zu bleiben. Zu Fuß ging es später zum Beispiel durch den Forggensee bei Füssen, der zu diesem Zeitpunkt trockengelegt war. Deshalb ließ sich das Original-Kiesbett der römischen Fernstraße erkennen, die einst durch den heutigen Stausee führt.

Die Zuschauer lernen aber auch eine Toga-Schneiderin kennen, die klar macht, dass bis zu acht Meter Stoff für das Original-Wickelgewand benötigt wurden. Die Legio III Italica Pia Fidelis, eine unerschrockene Gruppe von Freizeit-Legionären aus der Gegend von Ingolstadt, wagt sich in detailgetreuer Ausrüstung auf den Nachbau eines Römerboots und rudert im Gleichtakt über die Donau.

In Mertingen bei Ingolstadt tischt eine Spezialistin für altrömische Köstlichkeiten ein sechsgängiges Menü auf, dessen Rezepte von Feinschmecker Marcus Gavius Apicius stammen. Er schrieb das älteste erhaltene römische Kochbuch. In den Genuss, der Moderatorin bei ihren Abenteuern zu folgen, kommen übrigens nicht nur die Zuschauer in Finnland. Ponnath freut sich: "Mittlerweile haben auch Norwegen, Schweden und Dänemark die Staffeln bestellt."

Das Gewand muss historisch stimmig sein. Deshalb reiste das Produktionsteam auch eigens zu einer Toga-Schneiderin in Verona. © Foto: Telefilm


Für die Serie, die auf Finnisch "Ellas Matkassa" heißt – sprich: "Ellas Reisen" – wurden mittlerweile weitere Folgen in Auftrag gegeben. Teile davon werden von 17. bis 25. August im Rheinland gedreht. Jetzt geht es auch um den Limes, den römischen Grenzwall, dessen Länge zwischen Rhein und Donau rund 550 Kilometer betrug. Die Filmcrew reist unter anderem an die Mosel und schaut sich in Wintrich im Weingut Romanushof um, in dem der Winzer den Rebensaft nach römischer Methode macht – inklusive Lagerung in tönernen Amphoren.

Die Via Claudia Augusta ist heute übrigens an vielen Stellen als Fernradweg gekennzeichnet. Nicht nur deshalb radelt Ella Kanninen in den verschiedenen Folgen immer mal wieder ein Stück ihrer Tour. Das Fahrrad wird, wenn es nicht vor der Kamera in Aktion ist, in Fürth bewegt, verrät Ponnath: "Das gehört Heike Leipold, die bei der Telefilm alle Fäden zieht, wenn wir unterwegs sind."

Ausgestrahlt wird "Ellas Reisen" beim TV-Sender YLE ab Anfang des kommenden Jahres. 

SABINE REMPE

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