U18-Wahl: Fürther Jugendliche empfehlen Jamaika-Koalition

16.9.2017, 10:20 Uhr
145 Stimmzettel steckten am Ende in der Wahlurne in den Malzböden in Fürth.

145 Stimmzettel steckten am Ende in der Wahlurne in den Malzböden in Fürth. © Hans-Joachim Winckler

Erste Stunde Sozialkunde im neuen Schuljahr. Seine Schüler hat Sandy Putler noch gar nicht richtig kennengelernt. Für den Lehrer der Hans-Böckler-Wirtschaftsschule steht trotzdem fest: Es geht raus aus dem Klassenzimmer, rüber in die Malzböden. "Man kann gleich einsteigen ins politische Handeln", sagt er, das sei toll. "Durchs Tun verstehen sie viel besser, was da passiert."

Was da am 24. September passiert, ist nichts weniger als die Entscheidung über den Weg, den Deutschland einschlagen soll. Wer unter 18 Jahren ist, kann ihn eigentlich noch nicht mitbestimmen. Dank der U 18-Wahl aber vielleicht doch ein bisschen: Die bundesweite Aktion verschafft jungen Menschen Gehör. Mit mehreren Wahllokalen in der Region haben die Nürnberger Nachrichten sie unterstützt.

Der Zeitpunkt, kurz nach den Ferien, war für Bayern eher ungünstig. Nicht jeder Lehrer ist so spontan wie Sandy Putler. Wichtig aber war es, dass die Ergebnisse vor der Bundestagswahl vorliegen: "Wenn die Erwachsenen sehen, wie wir denken, beeinflusst es sie vielleicht", sagt Paul, der die zehnte Klasse der Hans-Böckler-Schule besucht. Genauso wie seine Mitschüler Tom, Lena und Daniel findet er es "cool", die Chance zu haben, ihre Sicht zu zeigen.

Wem sie ihre Stimme geben, wissen manche schneller als andere. Im Sozialkundeunterricht haben sie die Parteien durchgenommen, erzählt Tom. Im Internet und Fernsehen bekommt man auch einiges mit. Paul und Tom aber haben den besten Zugang zu den Parteien, die auch ihre Eltern wählen.

Merkel ist "ziemlich ok"

Sabina, Lucia und Mattis aus der zehnten Klasse des Hardenberg-Gymnasiums sind aus freien Stücken nach dem Unterricht ins Wahllokal gekommen. Ihre Lehrerin hatte sie auf die Aktion hingewiesen. Für Sabina und Lucia war gleich klar, dass sie mitmachen wollten. Umweltschutz und die Flüchtlingspolitik interessieren Sabina besonders, und Lucia wünscht sich ein Umdenken in der Bildungspolitik: Die Trennung in Gymnasium, Mittel- und Realschule sei "nicht so geil": Die, die es nicht aufs Gymnasium schaffen, "fühlen sich schlecht, obwohl sie es nicht sind und andere Sachen können".

Kanzlerin Angela Merkel finden beide "ziemlich ok". Während sie das Wahlalter gerne auf 16 Jahren herabgesetzt sähen, sind die vier Hans-Böckler-Schüler skeptisch. Mit 18, meinen sie, habe man doch noch einmal mehr Einblick in die Konsequenzen, die das Kreuzchen habe.

Mit seinen zehn Jahren zählt Fünftklässler Lorenz Bischoff zu den jüngsten Schülern im Fürther Wahllokal. Sein Vater, der ihn begleitet, ist SPD–Marktgemeinderat in Cadolzburg. Zuhause spürt er bei seinen Kindern großes Interesse an Politik. Lorenz hatte selbst beschlossen, dass er zur U 18-Wahl will.

Das Ergebnis

Als das Wahllokal um 16 Uhr schließt, stecken 145 Stimmzettel in der Urne, 141 davon sind gültig. Mehrere Schulklassen waren da. Das Ergebnis ist: interessant! Die CSU und die Grünen sind mit je 34 Stimmen vorne, gefolgt von der SPD mit 26 Stimmen – und der AfD mit 12 Anhängern. Die Linke bekam 8 Stimmen, die FDP 4. Für eine große Koalition also reicht es nicht. Auch Schwarz-Grün hat in Fürth knapp keine Mehrheit. Eine Jamaika-Koalition allerdings wäre möglich – oder auch Schwarz-Grün plus Tierschutzpartei (7).

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