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Überfall in Fürth: Lottogewinn lockte die Täter an

"Aktenzeichen XY" zeigte, welchen Albtraum zwei Frauen erleben mussten - 15.12.2017 12:00 Uhr

Diese Phantombilder von den Fürther Einbrechern (links) veröffentlichte die Polizei. Auch im Fall Heidi D. erhofft sich die Polizei Hinweise aus der ZDF-Sendung. © Polizei/Roland Fengler


Wenig war zuvor bekannt darüber, was eine 50-jährige Fürtherin und ihre 22-jährige Tochter an jenem 2. November 2016 am Finkenschlag erlitten. Die Polizei hatte über das Geschehene seinerzeit nur in knappen Sätzen informiert. Schon das aber löste Entsetzen in Fürth aus.

Von einem brutalen Überfall im Stadtteil Eigenen Heim sprachen die Beamten damals, bei dem zwei Frauen – das Alter war nicht zu erfahren, auch vom Lottogewinn war keine Rede – in ihrer Wohnung von zwei Männern überwältigt, gefesselt und eingesperrt wurden. Am Ende flüchteten die Räuber mit einem "größeren Geldbetrag", hieß es. Mit Phantombildern suchte die Kriminalpolizei nach den Tätern – bisher vergeblich. Nun haben sich die Ermittler entschlossen, mehr Details preiszugeben.

Für den Filmbeitrag, der am Mittwochabend in der Sendung "Aktenzeichen XY. . . ungelöst" ausgestrahlt wurde, haben Schauspieler das Verbrechen nachgestellt. Was den Frauen widerfahren sei, sei "der absolute Horror", sagte Moderator Rudi Cerne. Fast eine Stunde waren die Frauen in der Gewalt ihrer Peiniger.

Von dem Lottogewinn hatten Mutter und Tochter eigentlich niemandem erzählt, rund 50.000 Euro bewahrten sie zuhause in einem Safe auf. Irgendwie müssen die Ganoven davon erfahren haben. Gegen 16.50 Uhr klingelt es an dem Mittwoch an der Tür, die 50-Jährige öffnet, die beiden Männer geben sich als Polizisten aus. Als sich die Mutter die angeblichen Polizei-Ausweise näher ansehen will, wird sie zu Boden gestoßen. Beide Frauen werden mit Klebeband und Kabelbindern gefesselt und geknebelt, geschlagen, von einem Zimmer ins andere gezerrt. Mehrfach drohen die Täter, sie zu vergewaltigen, wenn sie nicht still seien.

Im Schrank finden sie den Tresor, lassen sich den Schlüssel aushändigen und nehmen das Geld an sich. Die Frauen hieven sie in die Badewanne und fesseln sie an die Armatur. Die meiste Zeit wirken die Täter skrupellos – allerdings bringen sie der Mutter ihr Asthmaspray, als sie darum bittet, und schließlich legen sie auch ein Messer auf den Rand der Badewanne: damit sich ihre Opfer befreien können, wenn sie weg sind.

Rätselhaftes Verhalten

Rätsel gibt der Polizei auf, warum die Männer noch einige Zeit in der Wohnung bleiben. Einen Schlüssel und ein schnurloses Telefon nehmen sie mit, als sie gegen 17.40 Uhr gehen.

Der Fürther Kriminalhauptkommissar Andreas Friedrich schildert in der Sendung, dass beide Frauen monatelang arbeitsunfähig waren, bis heute seien sie "fix und fertig".

Für Hinweise, die zur Aufklärung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt. Vermutet wird, dass die Täter zuvor schon einmal in dem Mehrfamilienhaus waren, möglicherweise um sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen.

Insgesamt rund 70 Hinweise

Hoffnung gibt es auch für die Angehörigen von Heidi D., deren Verschwinden ebenfalls Thema in der Sendung war: Die damals 49-jährige Postbotin aus Nürnberg wird seit 2013 vermisst. Rund 20 Anrufe gingen dazu nun bei der Kripo ein.

Mehr Reaktionen gab es auf den Fürther Fall: Rund 50 Hinweise bekamen die Beamten. Alle müssen nun abgearbeitet werden, so Polizeisprecher Bert Rauenbusch. Eine Anruferin etwa gab an, wenige Tage nach der Tat ein Gespräch gehört zu haben, bei dem es um einen Überfall und einen Tresor ging. Die Phantombilder könnten auch passen.

Zeugen können sich beim Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter Tel. (0911) 21 12 33 33 melden.

Beide Männer sollen etwa 25 Jahre und 1,70 Meter groß gewesen sein, sie sprachen gut Deutsch mit leichtem, unbekanntem Akzent.

Der „Wortführer“ wird als muskulös und kräftig gebaut beschrieben, er hatte kurze dunkle Haare und einen kurzen Bart. Bei der Tat trug er unter anderem eine beigefarbene Baseballkappe. Er soll von seinem Partner mit „Jusef“ oder „Jusuf“ angesprochen worden sein.

Der Komplize war etwas schlanker als der andere, hatte dunkle kurze Haare und einen Dreitagebart. Bekleidet war er mit einem roten Sweatshirt und einer beigefarbenen Cargohose mit Seitentaschen. Auffällig war: Er trug schwarze Turnschuhe im Krokodesign, ähnlich dem Modell Adidas „Superstar“.

Claudia Ziob

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