Überraschende Wendung: Fürth will das Badeverbot an der Rednitz kippen

18.3.2021, 16:00 Uhr
„Von der Realität eingeholt“: Faktisch ist das Badevergnügen an der Fürther Uferpromenade trotz der städtischen Regelung längst die Regel.

„Von der Realität eingeholt“: Faktisch ist das Badevergnügen an der Fürther Uferpromenade trotz der städtischen Regelung längst die Regel.

Wer an Sommertagen mit offenen Augen an der Uferpromenade unterwegs war, dem konnte die Absurdität nicht entgehen: In Scharen gingen Fürtherinnen und Fürther, Junge und Alte in der Rednitz baden – vielleicht, weil sie einfach nicht wussten, dass es die Stadt wegen der Keimbelastung eigentlich untersagt. Vielleicht aber auch, weil es ihnen schlichtweg egal war.

Im rot umrandeten Bereich – auf Höhe des Waldmannsweihers und bis zur breiten Treppe oben – könnte das Baden nach den Vorstellungen der Stadt erlaubt werden.

Im rot umrandeten Bereich – auf Höhe des Waldmannsweihers und bis zur breiten Treppe oben – könnte das Baden nach den Vorstellungen der Stadt erlaubt werden. © Quelle: Stadt Fürth

Und weil sie sich sicher sein durften: Konsequenzen hat die Missachtung nicht, bei der Stadt drückte man beide Augen zu, fast wortwörtlich, wie Jürgen Tölk gesteht: "Wenn ich auf dem Heimweg da entlanggeradelt bin, habe ich schon gar nicht mehr gewusst, wo ich hinschauen soll", gesteht er im Gespräch mit den FN.

Tölks Dilemma: Er ist Chef des Umwelt- und Ordnungsamts – der Behörde also, die das Verbot verhängt. Ihn brachte das in eine missliche Lage, denn Tölk musste sich eingestehen: "Die Realität, das Faktische hat uns eingeholt."

Nun will sich die Kommune am Faktischen, dem ungenierten Drang hinein in den Fluss, orientieren: Das Verbot, so sieht es ein Entwurf vor, über den der Umweltausschuss beraten muss, fällt, das Baden wäre dann "auf eigene Gefahr" möglich.

Schildern soll das künftig so zu entnehmen sein. Um sich haftungsrechtlich im Fall von möglichen gesundheitlichen Folgen abzusichern, hat die Behörde eigens eine Rechtsanwaltskanzlei mit einer Expertise beauftragt. Deren Erkenntnis: Neben entsprechend klaren Hinweisen wäre Voraussetzung, dass auch das Gesundheitsamt grünes Licht gibt; darauf warte man noch, sagt Jürgen Tölk.

Doch wie soll das gehen – hatte die Stadt doch stets auf die erhöhte Konzentration von Fäkalbakterien verwiesen, die ihre Messungen ergaben? An diesem Punkt, das muss auch der Ordnungsamtschef einräumen, wird es ein wenig schwammig.

Kein Badegewässer

Zum einen, erklärt Tölk, habe sich Fürth bisher an den strengen Grenzwerten der Bayerischen Badegewässerverordnung orientiert. Gebe man die Rednitz nun frei – und das ist durchaus spitzfindig – werde sie dadurch aber nicht zum Badegewässer gemäß der Verordnung.

Im Klartext: "Wir verbieten das Baden nicht, wir raten nur davon ab." Es bleibe mithin jedem und jeder Einzelnen überlassen, ob das Risiko in Kauf genommen wird. So, wie bisher schon im Faktischen.

Was Tölk allerdings Hoffnung macht, das Risiko könnte am Ende gar nicht so hoch sein: Eine der Fürther Messungen, die letzte im Jahr 2019, war unter den Grenzwerten geblieben. 2020 nun habe eine Untersuchung flussaufwärts, in Nürnberg, ebenfalls ermutigende Ergebnisse erbracht. Man gehe deshalb davon aus, "dass sich die Wasserqualität der Rednitz verbessert hat".

Eine weitere Messung in Fürth, die das untermauern könnte, plant die Stadt für das Frühjahr – entgegen ihrer ursprünglichen Weigerung, von der sie nach der Berichterstattung in den FN und politischem Druck wieder abrückte.

Fallen die Laborwerte nicht allzu negativ aus und stimmen die Gesundheitsexperten zu, könnte das Badevergnügen also in diesem Sommer legalisiert werden. Was Tölk zupass käme: Der zulässige Bereich an der Uferpromenade könnte bei dieser Gelegenheit eingegrenzt werden – weit genug weg vom Badsteg, wo Jugendliche vom Geländer abspringen, und weit genug weg vom Wehr flussabwärts, wo Lebensgefahr bestehe.

So weit zum Thema Rednitz – doch wie sieht es mit dem "Pegnitzstrand" nahe der Uferstadt aus, wo sich das sommerliche Bad ebenfalls großer Beliebtheit erfreut? Dort müsse die Stadt beim Verbot bleiben, beharrt Tölk, denn: Die gemessene Bakterienkonzentration sei hier weit höher als in der Rednitz.

Ursache, das ist kein Geheimnis, sind die Einleitungen der Nürnberger Kläranlage gleich hinter der Stadtgrenze. Dort wird Abwasser zwar nach den geltenden Vorschriften gereinigt – dennoch sind anschließend noch reichlich Keime übrig.

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