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Umbaupläne wurden ausgebremst

Wolfsgrubermühle: Stadt erleidet vor dem Verwaltungsgericht eine Niederlage - 18.08.2009

Die Wolfsgrubermühle einst und jetzt: Die historische Aufnahme aus dem Besitz der Familie Wolfsgruber stammt aus dem Jahr 1903. Vom kleinen Fachwerkgebäude rechts ist nur noch eine Ruine übrig. Der mittlere Backsteinbau wurde nach einem Bombentreffer 1943 in neuer Form hochgezogen. Was das Ensemble auszeichnet, ist seine idyllische Lage an der Pegnitz. © Günter Distler, Repro FN


Kaum ein Grundstück hat in Fürth die Phantasie der Planer so angeregt wie die Wolfsgrubermühle. Multiplexkino mit Parkhaus, Seniorenheim, Thermalbad und Wohnanlage mit Tagungszentrum waren bereits im Gespräch. Die Stadt würde sogar einen Steg über den Fluss beisteuern, doch alle Projekte haben sich bisher zerschlagen.

Das Verwaltungsgericht Ansbach machte zuletzt dem Vorhaben der Wohnnutzung einen Strich durch die Rechnung. Nachbarn hatten gegen die geplante Aufstockung geklagt, weil sie dadurch zu einem Schattendasein gezwungen wären. Die Stadt, die dem Investor bereits grünes Licht gegeben hatte, erlitt eine Niederlage und muss die Prozesskosten tragen.

Für das Areal liegt ein Bebauungsplan vor, der regelt, was bei neuer Nutzung zulässig ist. Dazu gehört auch die Gebäudehöhe. In einem Vorbescheid hatte die Stadt dem Investor, der Immo-3 GmbH aus Freistadt, eine Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans erteilt. Der Eingabeplan des Bauunternehmens sah nämlich vor, das 18 Meter hohe Backsteingebäude um sieben bis acht Meter aufzustocken.

Keine Rücksicht

Zu hoch für die Nachbarn, die das kolossale Mühlengebäude auf der anderen Seite der nur 3,50 Meter breiten Straße ohnehin nicht besonders mögen. Das Projekt verstößt in ihren Augen eindeutig gegen das Gebot der Rücksichtnahme. Ihre Wohnungen würden dann kaum noch Licht bekommen – ganz abgesehen davon, dass die über 200 Jahre alten Wohnhäuser, die aufwändig renoviert worden sind, dann nicht mehr zur Geltung kämen.

Zu keinem Erfolg haben Versuche geführt, im Gespräch mit dem Bauträger zu einer Einigung zu kommen. Bei einer Zurücknahme der Gebäudehöhe würde sich das Projekt nicht mehr rechnen, erläutert Investor Ludwig Schick auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Ärgerlich ist die vom Verwaltungsgericht erzwungene Zurücknahme des Bauvorbescheides für ihn schon deshalb, weil seine Firma bereits drei Jahre in die Planung investiert hat. Und es ist nicht die erste Enttäuschung, die er mit dem Grundstück erlebt hat.

Zuvor schon hatte er auf dem Gelände zwischen Sozialrathaus und Mühle ein Seniorenheim geplant, doch die Stadt, die das Vorhaben anfangs unterstützte, zog zurück. Die Planung für die Wolfsgrubermühle ruht nach den Worten von Schick derzeit. Das Unternehmen sei anderweitig beschäftigt und auf eine rasche Nutzung nicht unbedingt angewiesen. Man werde die Zeit jedoch nutzen, um über alternative Nutzungen nachzudenken.

Für die Nachfahren der Müllerdynastie Wolfsgruber stellt das heute dominierende Backsteingebäude keinen herausragenden Wert dar. Schließlich handelt es sich um einen Bau aus der Nachkriegszeit. Der weit weniger hohe Vorgängerbau hat im August 1943 einen Bombentreffer abbekommen.

Schlichter Zweckbau

1948 wurde das Richtfest für den Wiederaufbau in neuer Gestalt gefeiert. Es handelt sich um einen reinen Gewerbebau ohne richtige Zwischenböden. Zuganker aus Eisen sorgen für die nötige Stabilität. Denn vom angrenzenden Turbinenhaus gehen ständig Erschütterungen aus. Flankiert wird der Backsteinbau von zwei älteren Mühlengebäuden. Der Richtung Stadtpark hin gelegene barocke Mühlenteil ist ein Baudenkmal besonderer Qualität. Das Fachwerkhaus Richtung Ludwigsbrücke ist dem Verfall preisgegeben. Die bereits erteilte Abbruchgenehmigung ist schon wieder verfallen.

Zu retten ist das Gebäude nach Einschätzung von Fachleuten jedoch nicht mehr. Das Gebälk ist morsch. Außerdem steckt Quecksilber im Mauerwerk. Der Stadt ist die Ruine im Weg, weil ausgerechnet an ihrer Stelle der Brückenschlag hinüber zum 2007 angelegten Jubiläumshain vorgesehen ist.

Für Stadtheimatpfleger Alexander Mayer ist die Wolfsgrubermühle ein Stück Fürther Industriegeschichte. Hier wurde nicht nur gemahlen, sondern auch geschliffen, geprägt und gehämmert. Mayer: «Es war früher ein dominierendes Fürther Gewerbezentrum.» Eine neue Nutzung, die wieder verstärkt den ursprünglichen Gebäudeproportionen Rechnung trägt, könnte er sich gut vorstellen. Lofts hält er für keine schlechte Idee, aber auch ein Kino am Fluss wäre denkbar.

Volker Dittmar

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