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Montag, 10.08.2020

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Umstrittene Bahnstrecke auf dem Prüfstand

Endlich ist der Weg frei für ein neues Gutachten zum heftig kritisierten Schwenk durch das Knoblauchsland - 10.09.2009

Der in Stadeln gelegene Bahnhof Vach wäre bei einem Schwenk aufgelassen worden. Jetzt wird auch dieses im Fürther Rathaus kritisch bewertete Vorhaben einer erneuten Untersuchung unterzogen.

© Hans-Joachim Winckler


Volker Käfer, Vorstand der Bahn–Netz AG, hat Oberbürgermeister Thomas Jung ein neues Gutachten über das Projekt versprochen. Jung wertet das jedoch lediglich als einen Teilerfolg und warnt zugleich vor allzu großen Erwartungen. Schließlich könnte eine alternative Trassenführung auch die Kosten für den zwischen Doos und Kronach geplanten Güterzugtunnel in die Höhe treiben.

Wie berichtet, hatte Käfer dem Fürther OB erst kürzlich in Aussicht gestellt, dass das 396-Millionen-Euro-Projekt im Jahre 2013 in Angriff genommen wird. Derzeit werde das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Die Entflechtung des Schienenverkehrs ist Voraussetzung für weitreichende Verbesserungen - auch was den Lärmschutz betrifft.

Längst überholt

Der von Naturschützern heftig kritisierte S–Bahn–Schwenk durch das Knoblauchsland war mit Rücksicht auf den längst wieder verworfenen Plan eines gemeinsamen Gewerbeparks der Nachbarstädte konzipiert worden. Auch mit der weiterhin verfolgten Neubauplanung des Möbelhauses Höffner mit eigenem Autobahnanschluss bei Steinach war der Bogen abgestimmt.

Schon seit elf Jahren drängt die Kommune die Bahn zu einer Neubewertung der veränderten Situation. Dies auch im Hinblick auf den Vacher Bahnhof, der im Gegenzug einer neuen Station auf der Stadelner Hard aufgelassen werden soll. Von dem nun zugesagten Gutachten erhofft sich der OB auch eine neue Bewertung der Haltepunkte. Die Nähe zum Wohnort spricht für den alten Bahnhof.

Mit besonderem Nachdruck hat sich in der Vergangenheit der Bund Naturschutz gegen den Schwenk ausgesprochen. Die Zerstörung des Fürther Gemüsegartens wurde wiederholt als Frevel besonderer Art angeprangert. Für unsinnig hatte auch der Verkehrsclub Deutschland den weiten Bogen erachtet. Schließlich bekamen die kritischen Fürther auch noch Unterstützung aus Erlangen. Die Bahn hat all das bislang wenig gekümmert. Ob die Kosten des Bogens nun zum Umdenken geführt haben, will Jung nicht beschwören.

Wohl aber habe es eine Rolle gespielt, dass die Stadt eine Klage nicht ausschloss. Jung: «Die vom Gericht dann vermutlich angeordnete Prüfung der veränderten Verhältnisse wäre für die Bahn zweifellos riskant geworden.» Als «spät, aber hoffentlich nicht zu spät» bezeichnet OB Jung die Tatsache, dass der Freistaat Bayern und die Bahn nun doch reagieren. Jung rechnet damit, dass das Gutachten noch heuer ausgearbeitet und im nächsten Frühjahr vorgelegt wird.

Die Kommune hat sich allerdings auch intensiv bemüht, der Bahn eine alternative Trassenführung entlang der Stammstrecke schmackhaft zu machen. Zu den in die Waagschale geworfenen Argumenten gehören bei einem Verzicht auf den Schwenk die deutliche Verkürzung der Fahrzeit bei den S-Bahn-Zügen. Das wiederum trägt zur Senkung der Betriebs- und Energiekosten bei. Von Vorteil ist schließlich auch das Bündeln der Lärmquellen und das Reduzieren der verkehrsbedingten Verunreinigung. Außerdem können die Fahrgäste die Züge besser erreichen und die S-Bahn lässt sich auf der bisherigen Schienentrasse leichter mit dem ÖPNV-Netz verknüpfen.

Volker Dittmar

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