Sonntag, 29.03.2020

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Unter einstiger Landebahn hält die U-Bahn

Am neuen U-Bahnhof Hardhöhe soll an den Fürther Industrieflughafen erinnert werden - 20.11.2007

Flughafenarchivar Winfried Roschmann mit Lufhansa-Mütze und dem Modell einer DC4 der Air France, die vor 55 Jahren rund sechs Meter oberhalb des neuen Bahnsteigs über die Industrieflughafenrollbahn donnerte. © Thomas Scherer


Während sechs Meter unter der Erde der neue U-Bahnhof mit seiner verspiegelten Wandmalerei auf Hochglanz gebracht wird, suchen der U-Bahn-Projektbeauftragte der infra, Leonhard Rückert, und der ehrenamtliche Fürther Flughafen-Archivar, Winfried Roschmann, oben im Eingangsbereich Ecke Soldner-/Komotauer Straße nach einem Standort für den Hinweis auf die Vergangenheit.

Der Industrieflughafen ist 1950 auf dem intakten Gelände der Flugzeugfabrik Bachmann, von Blumenthal & Co ausgebaut worden, weil der 1933 eröffnete Nürnberger Flugplatz am Marienberg im Krieg völlig zerbombt worden war. Er knüpfte an die Zeit zwischen 1926 und 1933 an, als noch der Flugplatz Atzenhof alleinige Drehscheibe des Luftverkehrs im Großraum war. Allerdings sollten seine Tage gezählt sein. Bereits 1951 wurde der (1954 in Angriff genommene) Bau des Großflughafens bei Kraftshof beschlossen.

So improvisiert das Fürther Tor zur Welt in der Nachkriegszeit auch war, es hatte alles, was ein internationaler Flughafen braucht: Eine richtige Zollstation mit neun Beamten, eine Passagierabfertigung und sogar eine Gaststätte mit Bar und Terrasse.

Zu den prominenten Fluggästen gehörten die englische Prinzessin Maria Viktoria, Heinz Rühmann, Max Schmeling, Hildegard Knef und «Schorschla», der Nürnberger Eisbär, der 1951 in einer Transportkiste nach Berlin verfrachtet wurde. Verglichen mit heutigen Verhältnissen (der Nürnberger Flughafen verbuchte 2006 knapp vier Millionen Fluggäste) nahm sich das Fürther Passagieraufkommen mit rund 30 000 Fluggästen im Jahr allerdings recht beschaulich aus.

An die denkwürdige Vergangenheit soll nun mit einem eingravierten historischen Flugplatz-Foto aus Roschmanns Fundus und einer Inschrift an einer Seitentür des U-Bahn-Eingangs erinnert werden. Der U-Bahn-Bau selbst liegt voll im Zeitplan. Nach Abschluss des Probebetriebs verkehren ab 21 Uhr schon die Züge bis zur neuen Endstation - freilich noch ohne Fahrgäste. Was Rückert freut: Der Kostenrahmen wurde deutlich unterschritten. Zur Einweihung am 8. Dezember gibt es ab 10 Uhr ein buntes Unterhaltungsprogramm und freie Fahrt auf der U 1 in Fürth.

Volker Dittmar

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