Deutliche Kritik

Unzureichend: Fürther Naturschützer fordern mehr Maßnahmen gegen Hochwasser

22.7.2021, 06:00 Uhr
Das jüngste Hochwasser, hier an der Siebenbogenbrücke, ging in Fürth vergleichsweise glimpflich ab. Doch es kann auch anders kommen, warnen Kritiker.

Das jüngste Hochwasser, hier an der Siebenbogenbrücke, ging in Fürth vergleichsweise glimpflich ab. Doch es kann auch anders kommen, warnen Kritiker. © Wolfgang Händel

Bereits in der jüngsten Zusammenkunft des städtischen Bauausschusses, in der das Konzept fürs Reichsbodenfeld vorgestellt wurde, hatte es entsprechende Kritik aus den Reihen der Kommunalpolitik gegeben. Der Bebauungsplan soll am Donnerstag nächster Woche in der letzten Sitzung des Stadtrats vor der Sommerpause beschlossen werden – "und dies, obwohl er keine ausreichenden Festlegungen zur Wasserrückhaltung und zu einer sicheren Entwässerung enthält", wie der Fürther BN-Vorsitzende Reinhard Scheuerlein moniert.

Das in Auftrag gegebene Überflutungsgutachten beziehe sich nur auf einen Starkregen, wie er bisher im Durchschnitt alle 20 Jahre aufgetreten ist. Angesichts der fortschreitenden Klimakrise sei dies für einen im Jahr 2021 erstellten Bebauungsplan untauglich; denn klar sei, dass auch mit deutlich heftigeren Niederschlägen gerechnet werden müsse.


Hochwasserschutz in und um Fürth "Es darf kein Weiter-so geben"


Es dauere viel zu lange, bis diese Erkenntnis in das allgemeine Bewusstsein sickert. So habe der BN bereits am 19. März anlässlich des Weltwassertags auf Probleme durch die hohe Flächenversiegelung im Stadtgebiet und deren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt hingewiesen und einen grundsätzlich anderen Umgang mit Regenwasser in Fürth angemahnt. Bis heute habe man jedoch "noch keine substanzielle Antwort der Stadt bekommen", so Scheuerlein. Seiner Ansicht nach zeigt das, "dass es auf diesem Gebiet offenbar keine ausreichenden Kapazitäten bzw. Kompetenzen in der Stadtverwaltung gibt".

Bislang sieht der BN die Mehrheit der politisch Verantwortlichen in Fürth "von einem wirklichen Umdenken leider noch weit entfernt". Trotz anderslautender Ankündigungen laufen die tatsächlichen Entscheidungen von Stadtrat und Verwaltung "noch viel zu häufig in die entgegengesetzte Richtung", kritisieren die Naturschützer.

In Fürth sei es jetzt verstärkt nötig, multifunktionale Flächen zur dezentralen Wasserrückhaltung vorzusehen. Gleichzeitig hält es der BN für wichtig, die Überschwemmungsräume in allen Fürther Talauen freizuhalten und dort "keine hochwertigen Nutzungen anzusiedeln".

Noch im Jahr 2012 habe die Stadt mit einem Wohnhaus am Hardsteg und dem Ärztehaus an der Flutbrücke zwei Gebäude genehmigt, die ins damals ausgewiesene Überschwemmungsgebiet ragten. Auch derzeit seien wieder kritisch zu betrachtende Wohnprojekte in Überschwemmungsgebieten in der Diskussion – etwa am Ulmenweg nahe der Ludwigbrücke und im Gebäude der Flexdorfer Mühle.


Angst vor einem Extrem-Hochwasser


Bereits vor etlichen Jahren habe der Bund Naturschutz zudem darauf hingewiesen, dass auch der neue Standort der Fürther Feuerwehr am Schießanger im Hochwasser-Risikogebiet liegt, ebenso der geplante Neubau des Schliemann-Gymnasiums. In den Konzepten sei dies aber "weitgehend folgenlos" geblieben. Man bitte die Stadtverwaltung nun, "konkrete Schlüsse" aus den Hochwasserkatastrophen zu ziehen.

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