Montag, 30.03.2020

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Upcycling in der Roßtaler Kirche

Eine Wohltäterin macht Grußkarten aus einem Altartuch - 30.11.2019 21:00 Uhr

Hannelore Ulscht und ihre Karten: Das Stück verkauft sie für drei Euro, der Erlös geht an das Fürther Partnerschaftsdekanat in Tansania. © Foto: Isabel Pogner


"Da muss man was tun", habe sie sich gedacht, als sie vor zwölf Jahren in Tansania stand, erzählt Hannelore Ulscht. Dort, in einer Siedlung südlich des Kilimandscharo, fand sich Ulscht mit ihrem Mann vor einer Hütte mit Wellblechdach und einem Bretterverschlag als Tür wieder. Darin lag der Kreißsaal des Fürther Partnerdekanats Siha, den Ulscht mit einer Pfarrdelegation besuchte. Die medizinische Innenausstattung habe aus einem Plastikeimer bestanden. Ein Umbau war dringend nötig. Und genau dafür setzt sich die Seniorin seit ihrer Rückkehr ein – indem sie einfach das tut, was sie am besten kann: Sticken.

Das evangelische Dekanat Fürth pflegt seit 58 Jahren eine Partnerschaft mit den kirchlichen Einrichtungen in Siha und unterstützt den Ausbau einer Krankenstation, in der sich Mediziner vor allem um Geburten kümmern. Inzwischen gibt es dort ein Ultraschallgerät und festangestelltes Personal. Einmal im Jahr sammelt der Roßtaler Missionskreis der St.-Laurentius-Kirche, geleitet von Ulscht, bei einem Adventsbasar Geld. Hierfür werkelt, kocht und strickt der Kreis das ganze Jahr über.

Ulscht selbst gestaltet bunte Karten, indem sie alte Leintücher bestickt. Teddybären, Rotkehlchen, Blumenkränze: Die emsige Bastlerin hat für jeden Geschmack etwas im Repertoire. Ulscht hat schon knapp 6000 Karten bestickt und verkauft. Für eine braucht sie bis zu drei Stunden.

In diesem Jahr hat sie etwas Ungewöhnliches produziert: Motive, gestickt auf einem ausrangierten Altartuch. Gebracht hatte ihr das Stück die Roßtaler Mesnerin. Sie hatte das über 60 Jahre alte, drei Meter lange Tuch in der Sakristei gefunden und fragte, ob die Seniorin den Stoff für ihre Stickereien haben wolle.

"Ich kann alles brauchen", sagte Ulscht, schnitt das Leinen in 150 Teile und begann mit der Arbeit. Ihre Kunstwerke hat Ulscht schon das ganze Jahr über verkauft. Zusammen mit Karten aus anderen Stoffen hat sie 2019 über 600 Exemplare verteilt – zum Stückpreis von drei Euro.

Übrigens: Ulscht verwendet ausschließlich gebrauchte Stoffe. Damit liegt sie im Trend der Upcycling-Bewegung, die bestrebt ist, etwas Altes zu etwas Neuem, Schöneren umzufunktionieren. Ein Stoff, den sie bestickt hat, ist jedoch nagelneu: Hannelore Ulschts Stickmuster ziehen sich auch über das aktuelle Altartuch in der St.-Laurentius-Kirche.

Das alte Tuch, vielmehr dessen Teile, wurden vermutlich um die ganze Welt geschickt, denn es sind nur noch elf Karten übrig. Die stehen beim Basar am ersten Advent zum Verkauf. "Ich hätte nie gedacht, dass das so einschlägt", sagt Ulscht.

Den Erfolg kann der Missionskreis gut gebrauchen: Denn vor zwei Jahren erfuhr das Dekanat, dass die afrikanischen Partner einen Operationssaal brauchen, andernfalls müssten sie aufgrund gesetzlicher Vorgaben schließen. Kosten: über 70 000 Euro. 20 000 Euro hat das Dekanat bereits aufgebracht.

Die Roßtaler sammeln fleißig, denn ihnen ist das Projekt besonders wichtig, sagt Pfarrer Jörn Künne. Zum einen, weil schon viele Gemeindemitglieder selbst vor Ort waren und so einige Freundschaften entstanden sind. "Außerdem ist jede Geburt, die durch die medizinische Hilfe ein Stück weit sicherer wird, ein Geschenk", sagt Künne.

Adventsbasar diesen Sonntag, 10 bis 17 Uhr, und Café ab 13.30 Uhr im Gemeindehaus in der Rathausgasse 8 in Roßtal.

Isabel Pogner

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