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Vacher Barockpracht zwischen Donnergrollen und Sommerruh’

Matthäusnacht: Organist Gerald Fink und Geigerin Birka Falter spielten ein kontrastreiches Vivaldi-Programm - 13.09.2016 17:40 Uhr

Unterwegs in Antonio Vivaldis Klangwelten: Birka Falter und Gerald Fink zeigten sich nicht nur im Angesicht der „Vier Jahreszeiten“ wetter- und sattelfest. © Foto: Marcus Weier


Antonio Vivaldi hat so manches komponiert, aber keine Orgelwerke. So standen nun in Vach vier seiner dreisätzigen Concerti in Bearbeitungen für Orgel auf dem (leider nicht vorhandenen) Programm — vier von insgesamt kaum vorstellbaren 447 Concerti.

Eines seiner bekanntesten Werke sind selbstredend „Die vier Jahreszeiten“ für Solovioline und Streichorchester, das in diesem Fall durch Gerald Fink an der Orgel ersetzt wurde. Vorgänge aus der Natur werden mit vorangestellten Texten beschrieben, was einerseits naiv anmutet, gleichwohl aber tiefen musikalischen Gehalt hat und ein weltweiter Ohrwurm bis heute ist.

Im „Sommer“ etwa sind Vogelstimmen zu hören, Windesbrausen, des Hirten Sommerruh’, Donnergrollen und ein Unwetter im Presto-Finale. Geigerin Birka Falter, einst Mitglied der Jungen Fürther Streichhölzer, spielte das mit blitzsauberer Intonation, einem vollen und warmen Ton, dynamischen Akzenten und technischer Brillanz; Vivaldis vielschichtige Programmatik leuchtete sie in präzisem Wechselspiel mit der Orgel intensiv aus. Auch im Concerto a-Moll beeindruckte Falter mit beseeltem Ausdruck im Largo und einem temperamentvollen Presto. Auch ließ sich nicht von dem Punkt 20 Uhr einsetzenden Glockengeläut und der darauf folgenden kleinen Zwangspause aus dem Konzept bringen.

Eröffnet wurde diese Matthäusnacht mit Vivaldis Concerto d-Moll in einer Bearbeitung für Orgel von Johann Sebastian Bach. Auf ein feierlich-getragenes Grave und eine feingliedrig musizierte Fuge folgte ein Siciliano mit einer silbrigen Oberstimme über der akkordischen Begleitung. Und im Allegro waren die Gegenüberstellungen von Tutti und Concertinogruppe, verteilt auf die beiden Manuale in differenzierter Lautstärke, anschaulich zu hören.

Auch im abschließenden Concerto h-Moll in einer Bearbeitung Johann Gottfried Walthers gelang es dem Organisten mit ausgewogener Registrierung und virtuosem Spiel, die Klangwelt des Italieners lebendig werden zu lassen.

Nicht von Antonio Vivaldi, aber merklich von diesem beeinflusst, ist das Concerto in G-Dur von Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar, das Johann Sebastian Bach für die Orgel bearbeitete. Im Allegro konkurrieren die perlenden Sechzehntelnoten immer wieder mit den fließenden Triolen, das Grave ist von punktierten Notenwerten in fließender Melodik geprägt, und im Allegro-Finale ist die Klangwelt Vivaldis wieder deutlich herauszuhören.

Das einzige Originalwerk für Orgel war die Dorische Toccata und Fuge von Johann Sebastian Bach — ein markanter Kontrast zu Vivaldi. Gerald Fink gelang mit der kraftvoll vorwärtsdrängend gespielten Toccata dank rasanter Pedalläufe und der zunächst ruhig fließenden Fuge in abwechslungsreicher Registrierung mit einer Steigerung bis hin zum strahlenden Dur-Schluss eine überzeugende Wiedergabe.

Als Zugabe servierte das Herzogenauracher Duo ein Vivaldi-Presto, verspielt und virtuos. 

GÜNTER GREB

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