Veitsbronn: Das neue Haus im Gotteshaus steht

22.5.2021, 21:00 Uhr
Der Gottesdienstraum ist verkleinert, der Altar näher an die Gemeinde gerückt, Stühle ersetzen die Kirchenbänke. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs wurden zwei Geschosse eingezogen. Dort ziehen Büro, Sakristei und andere Funktionsräume ein.

Der Gottesdienstraum ist verkleinert, der Altar näher an die Gemeinde gerückt, Stühle ersetzen die Kirchenbänke. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs wurden zwei Geschosse eingezogen. Dort ziehen Büro, Sakristei und andere Funktionsräume ein. © Foto: Ralf Jakob

"Wenn ich am Altar stehe und in den neugestalteten Kirchenraum schaue, fühle ich mich wie in einem Opernhaus." Pfarrvikar Andreas Müller äußert sich über die umgebaute Heilig-Geist-Kirche ebenso begeistert wie die meisten Kirchenbesucher. Zur Kirchengemeinde gehören neben den Katholiken aus Veitsbronn auch die Gläubigen aus den Nachbarorten Obermichelbach, Puschendorf und Tuchenbach – insgesamt 2760 Seelen.

Der bisherige Gottesdienstraum wurde seit Februar 2019 von ehemals 300 auf nun 140 Sitzplätze verkleinert. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs wurden in zwei Geschossen das Pfarrbüro, die Sakristei, die Jugend- und Funktionsräume - wie Küche und Toiletten - integriert. Die Innenwände und Böden bestehen aus Brettstapelholzwänden, die mit einem Kran durch eine Luke im Kirchendach ins Kircheninnere gelangten und dort montiert wurden.

Gemütlicheres Ambiente

Zum Kircheninneren hin wurden die Wände mit massiven Platten aus dem Holz der Weißtanne verkleidet, die dem Raum eine ganz besondere Atmosphäre verleihen. Die Gläubigen freuen sich nicht nur über eine bessere Akustik; durch die Holzeinbauten wirkt der Raum auch deutlich wärmer und gemütlicher als mit den kahlen Betonwänden zuvor.

Durch den Einbau von vier länglichen Kirchenfenstern an der südlichen Wand wirkt die Kirche heller und freundlicher. Im Altarraum wurde der ursprüngliche Altar etwas nach vorne gesetzt und mit der Entfernung der zwei bisherigen Altarstufen näher an die Gläubigen gerückt. Auch die langen hölzernen Kirchenbänke wurden entfernt und mit 140 einzelnen Stühlen in einem warmen Braunton mit Binsensitz und zuklappbarer Kniebank ersetzt. Das erlaubt mit wenigen Handgriffen, die Sitzordnung umzugestalten. Bei der Wiedereröffnung der Kirche an Weihnachten erwies sich das als Segen. Die Zusammenstellung der Kirchenstühle kann nun leicht an die Zahl der Anmeldungen der Kirchenbesucher angepasst werden. Für große Festgottesdienste sei es möglich, die Sitzkapazität auf dann annähernd 200 Plätze zu erhöhen, sagt Kirchenpfleger Peter Press.

Bausubstanz war marode

Ausgangspunkt für den aufwändigen Umbau war einerseits die kleiner werdende Gemeinde, andererseits die marode Bausubstanz des von 1962 bis 1964 errichteten Gotteshauses und seiner Nebengebäude. Das an die Kirche angebaute Pfarrhaus mit dem Pfarrbüro musste auf Geheiß des Bamberger Ordinariats abgerissen werden.


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Das Flachdach auf dem Kirchenschiff war undicht und hätte ohnehin kostenintensiv saniert werden müssen, genauso wie die mit roten Klinkersteinen verkleidete Außenwand. Sie zeigte deutliche Witterungsschäden. So entschied sich die Kirchenverwaltung mit dem inzwischen verstorbenen Pfarrer Markus Goller aus Fürth in Absprache mit dem erzbischöflichen Ordinariat und unter Mitwirkung des Nürnberger Architekten Stefan Mayer für die innovative Lösung.

Mit dem Einbau von Versammlungs- und Funktionsräumen in einen Sakralbau wurde diözesanweit Neuland betreten. Die Umbaukosten von 3,5 Millionen Euro können nur über den Verkauf eines Grundstücks und die Abtretung des 1982 errichteten Pfarrzentrums östlich der Kirche an die politische Gemeinde Veitsbronn finanziert werden.

Der Pfarrsaal wird in die unter dem großen Kirchenraum gelegene "Unterkirche" einziehen, um auch künftig größere Gemeindeversammlungen zu ermöglichen. Für den Wiedereinbau der 1977 errichteten Orgel, so der Kirchenpfleger, wird nochmals ein sechsstelliger Betrag aufzubringen sein. Bis dahin wird die kleine Behelfsorgel, die bereits im Ausweichquartier im alten Pfarrsaal wertvolle Dienste geleistet hat, weiter im Einsatz sein. Die Außenwand der Kirche, die einen Schiffsbug im wogenden Meer symbolisiert, wurde nun mit einem Verputz in einem warmen Erdton versehen und ist mit seinem nach wie vor rot verklinkerten Kirchturm weit über den Zenngrund hinaus zu sehen.

Am Pfingstmontag wird Erzbischof Ludwig Schick um 10.30 Uhr einen feierlichen Festgottesdienst in der neugestalteten Kirche feiern. Wegen der Infektionsschutzmaßnahmen erhalten nur geladene Gäste Zutritt. Für interessierte Gläubige besteht die Möglichkeit, den Gottesdienst via Livestream zu Hause mitzufeiern. Der Link dazu ist rechtzeitig vor Pfingsten auf der Webseite der Kirchengemeinde www.heilig-geist-veitsbronn.de zu finden.

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