Montag, 19.04.2021

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Veitsbronn: Die Trauerweide am Dorfplatz ist weg

Ausschuss rückte von seiner Entscheidung der Fällung nicht mehr ab. - 26.02.2021 19:24 Uhr

Die markante Weide nach der Fällung.

27.02.2021 © privat


Viele Veitsbronner dürften am Freitag ihren Augen nicht getraut haben, als der ortsbildprägende Baum plötzlich verschwunden war. Einer, der wusste, was kommen würde, vom Tempo der Maßnahme aber total überrascht wurde, ist Wolf Dieter Hauck. "Das ist ein Hammer", sagt der Gemeinderat der WBH.

Eigentlich stand im Ausschuss nur das Thema "Ersatzpflanzung" auf der Tagesordnung, da sich die Gemeinderäte im vergangenen November in dieser Frage nicht einigen konnten. Die Weide sollte durch einen neuen Baum ersetzt werden.

Hauck hatte allerdings in der Sitzung vorgeschlagen, die Weide nicht zu fällen, sondern sie lediglich stark zurückzuschneiden  und außerdem drei weitere Bäume gepflanzt werden.

Doch im Gremium sei diese Alternative nicht mehr behandelt worden, schrieb Hauck der Redaktion. Und zwar nachdem mit 5:3 beschlossen wurde,  die Weide durch eine Silberlinde zu ersetzen. Dafür waren Bürgermeister Marco Kistner, der mehrmals auf den bereits getroffenen Fällungs-Beschluss hinwies, Andreas Röschlein, Richard Redlingshöfer und Thomas Batari (alle CSU) sowie Herbert Ammon (SPD). Hauck hatte, wie er berichtet, mit seinem Fraktionskollegen Kai Wiesemann und Jörg Lehnberger (SPD) dagegen gestimmt.

Der Beschluss für die Fällung sei im November mit 6:2-Stimmen gefallen, sagte Marco Kistner auf Anfrage der FN. Alle Vorbereitungen waren deshalb getroffen, der Hubsteiger bestellt. Eine Alternative dazu sah der Bürgermeister nicht. Denn sowohl 2018 als auch im vergangenen Jahr habe es Astbrüche gegeben, einmal seien die Trümmer sogar auf die Sitzgelegenheiten unter dem Baum gestürzt. "Wir hatten riesiges Glück, dass dabei niemand verletzt wurde", sagte Kistner mit Blick auf die benachbarte Eisdiele. Der Dorfplatz war deshalb auch seit August 2020 gesperrt gewesen. Man habe mit der Fällung so lange gewartet, damit die Ersatzpflanzung schnell vorgenommen werden könne und um die "baumlose Zeit" auf dem Platz möglichst kurz zu halten.

 Alternativvorschläge abgeschmettert

Was WBH-Gemeinderat Hauck ärgert: Die Möglichkeit, den Baum auf zwei oder drei Meter zu kappen, damit er dann neu austreiben könnte, wurde "vom Tisch gewischt". Eine Silberlinde, für die Gemeinde kostengünstig, weil vom Lions-Club Cadolzburg mitfinanziert, soll den alten Schattenspender ersetzen. Zu wenig sei das, so Hauck, mit Blick auf Mikroklima und Klimaschutz.

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Für den Bürgermeister stellte aber auch der Vorschlag, den Baum zu kappen, keine echte Alterantive dar. Eine "Kopfweide", so Kistner, sorge ebenfalls nicht für einen ausreichenden Schattenwurf. In Sachen Weide habe die Gemeinde bereits alles Mögliche unternommen: starker Rückschnitt, Erhöhung der Inspektionsintervalle. Aber letztlich, so Kistners Einschätzung, könne niemand "das Risiko guten Gewissens tragen".

Doch was kommt nun? Beschlossen wurde, einen Baum als Ersatz zu pflanzen. Experten, wie etwa Kreisgartenfachberater Lars Frenzke, hätten aber drei Linden empfohlen, sagte Hauck.

  Auf Antrag von Jörg Lehnberger soll sich nun der Gemeinderat noch einmal mit der Ersatzpflanzung befassen. Die Mehrheitsverhältnisse dort könnten andere sein.

In der ersten Version des Artikels wurde der Beschluss vom November 2020 nicht erwähnt. Der Text wurde am Samstagvormittag aktualisiert.

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