Sonntag, 17.11.2019

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Verblüffender Vorstoß für die Fürther Freiheit

Das Baureferat überrascht mit Plänen für mehr Aufenthaltsqualität - 20.06.2018 11:00 Uhr

Problemfall Freiheit: Einer Aufwertung der tristen Fläche stehen die Großveranstaltungen im Weg. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Im Stadtplanungsamt hat man die Hoffnung auf einen zentralen Platz, der etwas hermacht und zum Verweilen einlädt, noch nicht aufgegeben. Das allein dürfte manche schon überraschen, schließlich gilt die Freiheit als eine Art unlösbares Problem. In den vergangenen 30 Jahren wurde immer wieder darüber diskutiert, wie man ihr Flair verleihen könnte. Stadtplaner und Bürger machten sich Gedanken, zu den Ideen gehörten zum Beispiel eine Markthalle (fest oder mobil) oder ein Gebäude auf Stelzen, das den Wochenmarkt und eine Galerie beherbergen sollte.

Am Ende aber kam man im Rathaus stets zur ernüchternden Erkenntnis: Die Michaelis-Kirchweih und andere Großveranstaltungen stehen einer Umgestaltung im Weg. Die Fläche werde spätestens zur Kärwa in Gänze gebraucht, erst fürs Rangieren von Sattelschleppern, die Fahrgeschäfte transportieren, dann für die Buden, Karussells, Flucht- und Rettungswege. Allenfalls ein Aufhübschen mit "mobilen" Elementen hielt man für denkbar.

"Mobiler Innenstadtpark"

Die Fürther FDP etwa schlug 2013 vor, einen "mobilen Innenstadtpark" zu schaffen: mit Pflanztrögen und Bänken, die rasch weggeschafft werden könnten. Damals hatte die Stadt die Zahl der Stellplätze auf der Freiheit gerade verdoppelt – zugleich weckte der Bau der Neuen Mitte den alten Wunsch, den Platz aufzuwerten. Mittel- bis langfristig stellten sich die Liberalen hier einen ebenerdigen Brunnen vor. Ihr Vorstoß versandete.

Jetzt kommen ähnliche Gedankenspiele aus dem Baureferat: Vorerst will man einen Teil der Freiheit zur Aufenthaltsfläche umgestalten. Mehr könnte folgen: Das Stadtplanungsamt plädiert dafür, "die Nutzung der heutigen großen Parkplatzfläche mittel- bis langfristig nochmals zu überdenken". Dies wäre aus städtebaulicher Sicht "sinnvoll und erforderlich".

Kommuniziert hat das Baureferat die Pläne jetzt quasi im Vorbeigehen: in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung – als Nebenaspekt der Radwege-Planung für den neuen Wochenmarkt. Die Unterlagen enthielten überraschend den Punkt "Fürther Freiheit".

Demnach sollen etwa 75 Stellplätzen zunächst erhalten bleiben und die Restfläche mit einer "variablen Möblierung" gestaltet werden. Eine Freizeitfläche, die den Wochenmarkt, den Spielplatz in der Adenaueranlage und den Paradiesbrunnen gut ergänzt, stellt sich Baureferentin Christine Lippert vor. Gerne würde sie hier Kindern etwas bieten, die aus dem Spielplatzalter schon heraus sind. Was das sein könnte? Noch klingt alles recht vage: Lippert will die "Aufenthaltsqualität" steigern, sie denkt an mobiles Grün, abbaubare Sitzgelegenheiten und ein neues, glattes Pflaster für diesen Teil der Freiheit, damit man hier "gut laufen" kann und Kinder mit dem Roller fahren können. Spielgeräte gebe es ja nebenan, umsetzen ließe sich eher etwas "Flächiges im Boden". Man sei ganz am Anfang, sagt Lippert auf Nachfrage. Das Wirtschaftsreferat hatte ebenfalls angedacht, einen Teil der Freiheit regelmäßig für Ergänzungen zum Wochenmarkt zu nutzen. Dies werde sich vereinbaren lassen, glaubt Lippert.

Der Grund für die kurzfristige Vorstellung der Pläne: Die Stadt will rasch Fördermittel beantragen, für die Radwege und die neue Freizeitfläche. So könne man beides "aus einem Guss" erarbeiten.

Die Freiheit wäre anschließend freilich optisch zweigeteilt: in einen Aufenthaltsbereich und den Großparkplatz mit dem bisherigen Kopfsteinpflaster. Geht es nach dem Stadtplanungsamt, soll letzterer irgendwann Geschichte sein: Der öffentliche Raum habe an Bedeutung gewonnen, immer häufiger sei Kritik an der bisherigen Nutzung zu hören, heißt es in der Ausschussvorlage. Die Freiheit als "einen der wichtigsten großen Plätze und Freiräume in der Innenstadt" vor allem als Parkraum zu reservieren, werde "der herausragenden Bedeutung des Stadtraums nicht gerecht". Die Kapazitäten der umliegenden Parkhäuser wären ausreichend, um die Autos aufzunehmen.

Claudia Ziob

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