Verein mit Sorgen: Naturfreunde verkaufen Haus in Veilbronn

30.3.2017, 06:00 Uhr
Das Haus der Naturfreunde in Veilbronn ist über dem Leinleitertal weithin sichtbar. Es ist jetzt nicht mehr Eigentum des Vereins.

Das Haus der Naturfreunde in Veilbronn ist über dem Leinleitertal weithin sichtbar. Es ist jetzt nicht mehr Eigentum des Vereins. © Braun

Dass die Ortsgruppe Fürth mit dem Problem der Überalterung nicht alleine ist, tröstet Walter Frank nicht. Auf der Jahresversammlung präsentierte er die traurigen Zahlen: Einem neu gewonnenen Mitglied standen 2016 acht Austritte gegenüber. Neun Naturfreunde sind verstorben. Damit hat der Verein insgesamt 215 Mitglieder, von denen 58 zur Hauptversammlung gekommen waren.

"Wenn ich hier heute so in die Runde schaue, bin ich sehr besorgt. Wo sind die Jungen?", fragte der 78-Jährige. Er versuche "wirklich alles, um die Jugend zu gewinnen" – aber es sei unendlich schwer. Das Freizeitangebot sei mittlerweile gewaltig und niemand müsse mehr in einem Verein sein, um etwas unternehmen zu können. Zudem lege die nachkommende Generation offensichtlich keinen Wert mehr auf die im Verein gepflegte Gemeinschaft und Geselligkeit. "Die Jugend will frei sein und das tun, was sie gerade will", sagte Frank. Außerdem würden viele nur noch in ihre Smartphones starren. "Wo soll das noch hinführen?" So prognostizierte der Vorsitzende, dass die Gruppe in nicht allzu ferner Zukunft vor dem Aus stehen könnte, sollte die Trendwende nicht gelingen.

Auch ein neuer Vorsitzender muss in absehbarer Zeit gefunden werden: Frank will sein Amt in spätestens zwei Jahren zur Verfügung stellen, wie er nach seiner einstimmigen Wiederwahl ankündigte. Er möchte dann einfach nur noch Naturfreund sein, ohne Verantwortung tragen zu müssen. Die könne nämlich mitunter zu einer enormen Last werden. Seit Monaten sei er nur noch für den Verein da. "Helft mir oder es geht nicht mehr so weiter", appellierte Frank an die Naturfreunde.

In der Vergangenheit habe er viele Entscheidungen allein treffen müssen, weil Unterstützung seitens der Mitglieder gefehlt habe. Zwar habe er stets auf der richtigen Seite gelegen. Trotzdem hätte ein spürbarer Rückhalt so manches Mal geholfen und es leichter gemacht. "Wir sind doch eine große Familie."

Viel Geld verschlungen

Einen schwierigen Schritt hat der Verein gerade hinter sich: Das Haus in der Fränkischen Schweiz, das 1924/1925 unter schwierigsten Bedingungen errichtet wurde – das Gelände war von keiner Straße erschlossen, jedes Wochenende kamen die Fürther damals mit dem Zug nach Veilbronn, das Baumaterial wurde vom Bahnhof mit Kuhgespannen bis zur Baustelle gebracht – , ist nicht länger im eigenen Besitz. Die finanzielle Belastung könne der Verein nicht mehr stemmen, sagt Frank. Seit 2007 habe man bereits 183 000 Euro in den Erhalt des Hauses investiert, doch für die nötigen Sanierungsarbeiten hätten noch einmal mindestens 150 000 Euro ausgegeben werden müssen. So müssen unter anderem Strom- und Wasserleitungen erneuert werden.

"Es war keine leichte Entscheidung, das Haus zu verkaufen, das so lange unseres gewesen ist", sagte Frank. Alle seien daran gehangen. Doch Zuschüsse habe es nicht gegeben, Sponsoren habe man nicht gefunden. Immerhin: Eine glückliche Lösung tat sich auf. Der neue Besitzer ist einer von ihnen, Naturfreund Christian Donner. Die Ortsgruppe werde das Haus daher wie bisher nutzen können.

Weil der Verein das Geld aus dem Verkauf nicht auf dem Konto liegen lassen durfte, um seine Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden, ist es nun neu investiert worden: in den Kauf der "Stadtwaldschänke" an der Paul-Keller-Straße, das man bisher als Fürther Vereinsheim nur von der Stadt gepachtet hatte. Auch dort bleibt alles wie gewohnt.

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