Nichts geht mehr

Verflixte Baustelle: In Puschendorf kocht die Volksseele

17.6.2021, 11:00 Uhr
Egal, ob von Osten oder Westen kommend: Irgendwann geht für Autofahrer in Puschendorf nichts mehr. Denn ein 300 Meter langer Abschnitt der Neustädter Straße ist zwischen der Dorfeiche und der Kreuzung beim Gasthaus „Roter Ochse“ (re.) gesperrt.

Egal, ob von Osten oder Westen kommend: Irgendwann geht für Autofahrer in Puschendorf nichts mehr. Denn ein 300 Meter langer Abschnitt der Neustädter Straße ist zwischen der Dorfeiche und der Kreuzung beim Gasthaus „Roter Ochse“ (re.) gesperrt. © Foto: Ralf Jakob

In den sozialen Netzwerken häufen sich zornige, sarkastische, aber auch witzige Anmerkungen. Und damit nicht genug: Anwohner auf den stark frequentierten Ausweichrouten stellen Mülltonnen auf die Straße, um den durchflutenden Verkehr auszubremsen. In der Metzgerei verlangen auswärtige Kunden nicht nur Wurst und Fleisch, sondern auch vermehrt Tipps, wie man den Ort in Richtung Westen wieder auf schnellstem Weg verlassen kann, um weitere Irrfahrten zu vermeiden.


Baustellen im Großraum Nürnberg


Dringend notwendige Arbeiten an der Wasserleitung, dazu der Einbau von neuen Abwasserrohren und eines größeren Stauraumkanals, machen es notwendig, dass die Hauptverkehrsstraße zwischen der Dorfeiche und der Kreuzung beim Gasthaus "Roter Ochse" für insgesamt sieben Monate komplett gesperrt wird. "Jetzt merkt man, dass dieser Streckenabschnitt nahezu eine Lebensader unserer Gemeinde darstellt", sagt Bürgermeisterin Erika Hütten.

Seit Tagen werden sie und ihre Mitarbeiter in der Verwaltung von allen Seiten mit Anfragen und Beschwerden bombardiert: Die Anwohner der Neustädter Straße sorgen sich ebenso wie die Apotheke, das Friseurgeschäft, die Zahnärztin und der Pizzaservice um ihre Erreichbarkeit. Der Gemüsehändler, der donnerstags seinen rollenden Verkaufsstand direkt neben dem Rathaus aufgestellt hat, kann wenigstens auf einen neuen Standort am Dorfplatz ausweichen. Alle Verkehrsteilnehmer aber, die unvermittelt – und gefühlt völlig ohne Vorwarnung – vor einem Durchfahrtsverbotsschild stehen, sind der Verzweiflung nahe. Sie fragen sich: Wohin?

Keine Umleitung im Ort

Das für die Kreisstraßen zuständige Landratsamt Fürth hat, anders als noch im April angedacht und verkündet, auf eine ausgeschilderte Umleitungsstrecke im Ort verzichtet. Das führt dazu, dass Fremde direkt vor der Absperrung schlichtweg nicht weiter wissen. Die Behörde setzt auf eine großräumige Umleitungsstrecke ab Veitsbronn über Tuchenbach, Höfen, Münchaurach, Oberniederndorf, Mausdorf bis nach Pirkach im Westen von Puschendorf, das bereits zum angrenzenden Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gehört. Diese Route wird auf den Umleitungsschildern "Puschendorf-West" genannt, die Gegenrichtung mit "Puschendorf-Ost" bezeichnet.

Den Einheimischen vorbehalten bleiben die beiden innerörtlichen Ausweichmöglichkeiten über die schmale Dorfstraße, die nicht einmal über richtige Gehsteige verfügt, und über die nördlich gelegene Vogelstraße. Zusätzlich angebrachte Verbotsschilder für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen sollen den Schwerlastverkehr hier fernhalten.

Denn dafür sind diese Straßen absolut nicht geeignet, sagt die Bürgermeisterin. Sie baut auf einen "Erziehungseffekt", hofft also, "dass sich alles in wenigen Wochen einspielt". Die Bürger wie auch die direkt betroffenen Anwohner bittet sie um Verständnis. Leider müssten für einige Monate von fast allen viele Nachteile in Kauf genommen werden, sagt Hütten.

Das Rathaus und die Feuerwehr sind besonders betroffen. Denn: Die Verwaltung sollte erreichbar sein, und die Feuerwehr muss zu jeder Zeit ausrücken können. Der Rathausvorplatz wird deshalb die ganze Zeit freigehalten, damit die Feuerwehrautos notfalls rangieren können, falls die Ausfahrt sich verengt.

Regelung nicht möglich

Insbesondere bittet Hütten darum, dass die Autofahrer die stets freigehaltene Straßenhälfte nicht zur Durchfahrt benutzen und so die Bauarbeiter bei ihrem Tun behindern. "Es ist nicht möglich, dass das Bauunternehmen Mitarbeiter freistellt, damit der Verkehr auf der freien Straßenseite geregelt wird", betont Hütten eindringlich. Gehbehinderte Personen müssten sich vor der Einfahrt in die gesperrte Straße mit dem Vorarbeiter der Baufirma verständigen, ob und wie es möglich ist, zum Rathaus oder zu den Geschäften in der Neustädter Straße zu gelangen.

Die von Süd nach Nord verlaufende Straße zwischen Kirchfembach und Höfen ist von der Sperrung nicht betroffen und frei befahrbar. "Wenn alles gut läuft, ist es durchaus möglich, dass die Sperrung früher als zum genannten Endtermin kurz vor Weihnachten aufgehoben werden kann", sagt die Bürgermeisterin. Die Hoffnung, sie stirbt auch in Puschendorf zuletzt.

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