Donnerstag, 19.09.2019

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Vergewaltigung im Pegnitzgrund: Angeklagter legt Geständnis ab

38-Jähriger räumte Verbrechen über seinen Strafverteidiger ein - 16.08.2019 11:28 Uhr

Die Frau wurde in der Nähe des Quellenstegs von dem 38-Jährigen in ein Gebüsch gezogen und vergewaltigt. © Hans-Joachim Winckler


Über seinen Strafverteidiger Robert F. Reitzenstein gibt der Angeklagte das Verbrechen zu, weitere Fragen will er nicht beantworten. Über seinen Anwalt ließ er im Landgericht Nürnberg-Fürth auch eine Entschuldigung aussprechen, auch wenn ihm bewusst sei, dass Worte die Tat nicht ungeschehen machen können.

Deal mit 15 Gramm Crystal

Adem K. gibt an, dass ihn sein Drogenmissbrauch zum Täter machte. Die Anklage wirft ihm neben schwerer Vergewaltigung mit Körperverletzung auch einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor – er soll eine Minderjährige dazu gebracht haben, sich an einem Deal mit 15 Gramm Crystal zu beteiligen.

Weil die Verteidigung Zweifel an der korrekten Gerichtsbesetzung äußerte, gestaltete sich der Auftakt des Strafverfahrens zäh: Ein Schöffe schied plötzlich aus dem Dienst aus. Als Pilot einer Billigfluglinie fürchtete er, angesichts des von ihm falsch eingeschätzten Zeitaufwands des Ehrenamts, um seinen Job.

Moniert wurden auch Regelungslücken im Geschäftsverteilungsplan des Landgerichts: Aus Sicht der Verteidigung besteht die Gefahr, dass der feste Turnus, der gewährleisten soll, dass die Verfahren auf die unterschiedlichen Geschäftsstellen verteilt werden, willkürlich wird. Manche Verfahrensakten gehen bei der Poststelle, andere bei der Registratur ein, die Mitarbeiter haben zudem unterschiedliche Arbeitszeiten.

Verbrechen sorgte bundesweit für Aufsehen

Das Verbrechen sorgte bundesweit für Aufsehen, denn als ausländischer Straftäter hätte Adem K. längst Deutschland verlassen müssen. Dies hat er selbst verhindert und die Beschaffung seiner Papiere verzögert. Der Mann ist zwar in Fürth geboren, hat aber die türkische Staatsbürgerschaft behalten. Er ist massiv vorbestraft – wegen Betäubungsmitteln und Gewalttaten saß er zuletzt bis Juni 2018 hinter Gittern. Das Gericht hörte nun Zeugen aus Adem K.s Umfeld und befragte die Polizisten, die ihn nur wenige Tage nach der Tat in der Wohnung einer Bekannten in der Nürnberger Südstadt festgenommen haben: Welche Rolle spielten Drogen für ihn?

Sollte Adem K. einen Hang haben, Drogen im Übermaß zu sich zu nehmen und sollte das Verbrechen darauf zurückgehen, könnte er in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Um die Tat zu rekonstruieren, kalkuliert die 1. Strafkammer mit 18 Verhandlungstagen. 

Ulrike Löw

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