Verkehrslärm: Wie wird Fürth ruhiger?

16.10.2016, 06:00 Uhr
Um Feste und Kneipen geht es diesmal nicht: Beim Aktionsplan hat die Stadt allein den Verkehrslärm im Blick und hält fest, mit welchen Maßnahmen sich der Anwohnerschutz verbessern ließe.

© Foto: Hans-Joachim Winckler Um Feste und Kneipen geht es diesmal nicht: Beim Aktionsplan hat die Stadt allein den Verkehrslärm im Blick und hält fest, mit welchen Maßnahmen sich der Anwohnerschutz verbessern ließe.

Das Vorhaben hat inzwischen eine lange Vorgeschichte: Bereits 2002 reagierte die EU auf die Erkenntnis, dass Lärm krank machen kann. Mit der „Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ wollte sie speziell den Verkehrslärm reduzieren und vor allem das Bewusstsein dafür schärfen, dass ein Großteil der Stadtbevölkerung mit einer belastenden Geräuschkulisse lebt – und das oft rund um die Uhr.

Städte waren aufgefordert, für Hauptverkehrsadern, die pro Jahr mehr als drei Millionen Fahrzeuge passieren, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. Das Ziel: Die Kommunen sollten sie sich mit ihren problematischen Straßen auseinandersetzen und sich überlegen, wie man Anwohner entlasten könnte. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Tempobeschränkungen und verbesserte Ampelschaltungen („grüne Welle“) über Kreisverkehre bis zu Schutzwänden, -fenstern oder Flüsterasphalt.

Die Aktionspläne allerdings ließen vielerorts auf sich warten. Fürth hinkte besonders hinterher. Zum einen, weil die nötigen Lärmkarten des Landesamts für Umwelt erst im Frühjahr 2013 zur Verfügung standen. Zum anderen weil die Stadtverwaltung intensiv mit einer ganz anderen Art von Lärm beschäftigt war: Die juristische Auseinandersetzung um die Kneipen und die Feste in der Altstadt hat in den vergangenen Jahren viel Arbeitszeit verschlungen. Umweltingenieurin Gudrun Lohfink, Expertin für Immissionsschutz und Schallmessungen im Umweltamt, musste sich mehr mit dem Lärm feiernder, plaudernder und rauchender Menschen beschäftigen als mit dem auf Fürths Straßen.

Schließlich holte man ein Fachbüro aus Dresden zur Hilfe. Nun liegt das Ergebnis vor, das die Situation in Fürth analysiert und Maßnahmen vorschlägt. Im Blick hatte man vor allem Straßenabschnitte, auf denen viel Verkehr fließt und an denen viele Menschen wohnen.

Wichtig: Zu große Erwartungen dürfen Bürger nicht haben. Im Plan sind zwar Ideen festgehalten, wie sich die Belastung – beispielsweise in der Vacher Straße oder in der Schwabacher Straße – verringern ließe. Doch es gibt keine Verpflichtung, diese Maßnahmen durchzuführen. „Kein Bürger hat einen Anspruch auf Lärmminderung vor seiner Wohnung“, sagte Lohfink einmal im Gespräch mit den FN. Welche Ideen die Stadt Fürth umsetzt und wann, muss am Ende der Stadtrat mit Blick auf die städtischen Finanzen entscheiden. Die Bürger aber können Druck machen: Sie sollen ausdrücklich beteiligt werden. Im Umweltamt hofft man, dass möglichst viele Fürther Anregungen einbringen, schließlich handle es sich um ein Thema, das entscheidend für die Lebensqualität in einer mobilen Welt sei. Folgende Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten sind vorgesehen:

*Am Donnerstag, 27. Oktober, 18 Uhr, findet im großen Sitzungssaal des Rathauses (Zimmer 203) eine Infoveranstaltung statt, bei der die im Entwurf geplanten Maßnahmen erklärt und Fragen beantwortet werden.

*Unter www.fuerth.de/laermaktionsplan steht der Entwurf des Lärmaktionsplans zum Download zur Verfügung, daneben gibt es hier Informationen und ein Umfrageformular, auf dem die Bürger sich äußern können.

*Bis Mittwoch, 11. November, liegt der Entwurf des Lärmaktionsplans in Zimmer 331 des Amts für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz in der Schwabacher Straße 170 aus und kann eingesehen werden (Anmeldung unter Tel. 974 14 93 ist erforderlich). Anregungen und Einwendungen können schriftlich bis 23. November ans Amt für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz, Schwabacher Straße 170, 90763 Fürth oder per E-Mail an laermaktionsplan@fuerth.de gerichtet werden.

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