Donnerstag, 21.01.2021

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Verliert Langenzenn die Realschule?

Steigende Schülerzahlen könnten den Umbau der Bildungslandschaft notwendig machen - 26.11.2020 06:00 Uhr

Der Landkreis Fürth muss seine Schullandschaft für die Zukunft fit machen: Viel kommt dabei auf den Prüfstand, auch ein Standorttausch zwischen der Dillenbergschule in Cadolzburg und der Realschule in Langenzenn wird untersucht.

17.11.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Diese Frage muss der Landkreis Fürth mit Blick auf seine Gymnasien und Realschulen beantworten. Landrat Matthias Dießl hat deshalb in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt, mit Vertretern der Städte Nürnberg und Fürth, den jeweiligen Ministerialbeauftragten, den betroffenen Landkreis-Bürgermeistern und den Schulleitern.

Was an den Standorten der bestehenden Schulen möglich ist, das hat die Landkreisverwaltung unter anderem geprüft. Verdichtet haben sich nun jene Varianten, die kürzlich im Schulausschuss vorgestellt wurden.

Die Gymnasien

Braucht der Landkreis ein viertes Gymnasium? Diese zentrale Frage wird nun "vertieft" untersucht, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Interessant sei das nur dann, sagte der Landrat, wenn man dadurch "Investitionen im Bestand" vermeiden würde. Soll heißen, wenn der Landkreis nicht darüber hinaus noch Geld in die Hand nehmen müsste, um an den vorhandenen Gymnasien mehr Platz zu schaffen.

Allerdings werden beide Möglichkeiten genau beleuchtet. Erweiterungsmöglichkeiten bestünden sowohl in Oberasbach als auch in Stein und Langenzenn. Dabei taucht aber ein Problem auf: Die Schülerzahl an allen drei Einrichtungen würde ansteigen – besonders davon betroffen wäre das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach. Über 1500 Schüler wären hier zu erwarten. "Eine Riesenschule", so der Landrat. Eine Perspektive, die den zuständigen Ministerialbeauftragten abwinken lässt. Nach Möglichkeit sollte ein Gymnasium auf Dauer nicht mehr als 1400 Schüler haben, auf keinen Fall aber über 1500.

Roßtal oder Cadolzburg

Wenn es um den Standort für ein viertes Gymnasium geht, ist Zirndorf nicht mit Boot. Der Grund: die Nähe zu Oberasbach. In Frage kämen dagegen Roßtal und Cadolzburg.

Wie sich eine neue Schule dort auf die bestehenden Gymnasien, etwa in Nürnberg oder Fürth auswirken würde, wird ebenfalls untersucht. Auch umgekehrt gibt es diese Beziehung: Nürnberg plant einen Neubau im Tiefen Feld, nahe der Landkreisgrenze, fast in Sichtweite von Oberasbach. Die U-Bahnlinie 3 wird durch das künftige Siedlungsgebiet bis zum Endhalt Fürth Süd führen.

Genug eigene Schüler

In Nürnberg gehe man davon aus, genügend eigenes Schülerpotenzial zu haben, um die Einrichtung zu füllen, sagte Dießl im Ausschuss. Das Gymnasium Stein, das viele Kinder und Jugendliche aus der großen Nachbarstadt besuchen, müsste aber wohl dennoch entsprechende Folgen befürchten, zum Teil auch Oberasbach. Der Freistaat genehmigt und bezuschusst Neubauten jedoch nur, wenn sie keine bestehenden Schulen gefährden.


Viertes Gymnasium: Im Fürther Rathaus hat man umgedacht


Die Frage, welche inhaltliche Ausrichtung ein mögliches viertes Landkreis-Gymnasium haben sollte, wurde kurz angerissen. Zum mathematisch-naturwissenschaftlichen könnte ein sozialwissenschaftlicher Zweig kommen, meinte der Landrat. Denn: Ein solches Angebot gebe es im Landkreis noch nicht.

Die Realschulen

Nein, eine dritte Realschule braucht es im Fürther Land nicht. Die Variante einer Gründung wird nicht weiter verfolgt. Denn das geben die Schülerzahlen langfristig nicht her. In Zirndorf und Langenzenn ist freilich jeweils "eine bedarfsgerechte Erweiterung" notwendig. In der Bibertstadt soll das, nach Ansicht der Landkreisverwaltung, erst langfristig erforderlich sein. Zunächst soll das Mehr an Kindern über "schulorganisatorische Maßnahmen" abgefangen werden. Das bedeutet beispielsweise, dass Klassen im Schulgebäude wandern müssen oder gleich komplett ausgelagert werden.

Ganz anders in Langenzenn. Am Klaushofer Weg drängeln sich Real-, Mittel- und Grundschule. Schon heute geht es eng zu. Mehr Platz benötigen aber mit Blick auf die Zukunft alle drei. "Sehr schwierig umsetzbar", urteilt die Verwaltung. Erst 2013 wurde die Realschule hier eröffnet. Zuvor waren auch Veitsbronn und Cadolzburg als Standort im Gespräch gewesen. Langenzenn setzte sich schließlich durch, was seinerzeit im Kreistag umstritten war. 11,7 Millionen Euro hatte die neue Schule vor sieben Jahren gekostet – und was kommt jetzt?

Umzug neben das Gymnasium?

Mehrere Szenarien werden, abgestimmt mit der Kommune, geprüft. Eine Variante: Der Auszug einer der drei Schulen. Wäre dies die Realschule, stünden deren Räume dann beispielsweise der von der Zennstadt vor wenigen Jahren mit einem zweistelligen Millionenbetrag generalsanierten Mittelschule zur Verfügung. Die Realschule könnte innerhalb von Langenzenn umziehen – ein Antrag der FDP brachte dafür städtische Flächen an der Gauchsmühle ins Gespräch, gleich neben dem Wolfgang-Borchert-Gymnasium, wo auch das neue Hallenbad entstehen soll.

Oder die Schule kehrt Langenzenn ganz den Rücken. Untersucht wird dazu: Die Dillenbergschule, das Förderzentrum des Landkreises in Cadolzburg, und die Realschule Langenzenn tauschen ihre Standorte. Umgebaut werden müssten dann jedoch beide Gebäude. Allerdings besitzt der Landkreis in Cadolzburg, darauf wies Dießl hin, noch eigene Flächen. Eine Erweiterung der Realschule wäre hier also möglich. Kommt der Schritt nicht, braucht auch das Förderzentrum mehr Raum.

Probleme mit dem Platz

Ob denn nicht auch das vierte Gymnasium auf dem Areal der Dillenbergschule eine Option wäre? Das fragte Langenzenns Bürgermeister Jürgen Habel. Da reiche der Platz wohl nicht aus, erwiderte der Landrat.

Um all die Themenkomplexe abzuarbeiten, soll die Verwaltung Planungskosten in den Haushalt 2021 aufnehmen. Erste Entscheidungen könnten dann bereits im nächsten Jahr fallen.

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