Vernetzte Fürsorge hilft in der Not

8.2.2016, 21:00 Uhr
Alltag im Hospiz: Im gemütlichen Wohn- und Essbereich des Nürnberger Caritas-Hauses Xenia können Bewohner und Mitarbeiter gemeinsam am Tisch sitzen.

Alltag im Hospiz: Im gemütlichen Wohn- und Essbereich des Nürnberger Caritas-Hauses Xenia können Bewohner und Mitarbeiter gemeinsam am Tisch sitzen. © Foto: Eduard Weigert

Im vergangenen November beschloss der Bundestag ein neues Hospizgesetz, das unter anderem eine bessere Koordination und Beratung von palliativmedizinischen Maßnahmen vorsieht. Die nun in Stadt und Landkreis Fürth getroffene Vereinbarung setze genau das um, was der Gesetzgeber fordert.

„Sie waren in gewisser Weise visionär, weil sie das erste Netzwerk auf Basis des neuen Gesetzes sind“, lobte Erich Rösch, der Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbands (BHPV), die HPVN-Gründungsmitglieder. Zu diesen zählen neben BHPV, Stadt und Landkreis Fürth auch der Hospizverein Fürth sowie das Palliativ-Care Team Fürth.

Das Netzwerk wolle einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten Versorgungsstruktur für schwerstkranke und sterbende Menschen in der Region liefern. Dabei sollen sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche in einem integrativen Ansatz zusammenarbeiten. Koordiniert wird diese Arbeit durch eine Netzwerkmoderatorin. Die Personalkosten für die kommenden drei Jahre übernimmt das bayerische Gesundheitsministerium.

Die Wahl der Gründungsmitglieder fiel dabei auf Gisela Schiller. Die im Hauptberuf als Redakteurin tätige Fürtherin engagiert sich seit einigen Jahren ehrenamtlich als Hospizbegleiterin und im Vorstand des Hospizvereins. Das Angebot für Sterbende, Angehörige und Betreuer sei zwar schon gut, doch gebe es immer noch Verbesserungsbedarf. „Viele Anbieter wissen nichts voneinander. Bei der Weiterbildung werden oft ähnliche Inhalte vermittelt. Hier sind also durchaus Synergieeffekte möglich“, findet Schiller.

Eine Bestandsaufnahme

Eines ihrer ersten Vorhaben sei es, eine Bestandsaufnahme aller im Hospiz- und Palliativwesen Agierenden zu machen und eine gemeinsame Kommunikationsplattform zu schaffen. Darüber hinaus möchte Schiller die Öffentlichkeitsarbeit stärken, um die Hospiz-Idee in die Bevölkerung zu tragen, „denn wir wollen mehr Ehrenamtliche gewinnen und entsprechend schulen“.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit wird auf der Koordination von Weiterbildungen für Ärzte, Pflegende und Ehrenamtliche liegen. Das hospizlich-palliative Leistungsangebot in den hiesigen Alten- und Pflegeeinrichtungen soll nachhaltig ausgestaltet werden.

Allein der Hospizverein Fürth hat im Jahr 2014 über 500 Menschen an ihren letzten Lebenstagen begleitet, wie der Vorsitzende des Vereins, Roland Hanke, erläuterte. „Dabei ist die verlängerte Lebensqualität und nicht die Lebenszeit entscheidend.“ Außerdem richte sich das Augenmerk der Haupt- und Ehrenamtlichen an die Angehörigen und reiche über die Zeit des Ablebens hinaus: „Wir möchten Depressionen oder finanziellen Engpässen bei den Trauernden vorbauen und organisieren deshalb auch die Zeit nach dem Tod.“

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