Versöhnliche Töne in der Gustavstraße

31.3.2011, 09:00 Uhr
Die Anwohner, das hat deren Sprecher Matthias Bauer jetzt bekräftigt, haben nichts gegen Veranstaltungen wie das Fürth Festival (im Bild). Sie wünschen sich nur, dass danach Ruhe einkehrt.

Die Anwohner, das hat deren Sprecher Matthias Bauer jetzt bekräftigt, haben nichts gegen Veranstaltungen wie das Fürth Festival (im Bild). Sie wünschen sich nur, dass danach Ruhe einkehrt. © Hans-Joachim Winckler

Der Raum im ersten Stock der alten Freibank war brechend voll, selbst Stehplätze gab es nicht genug. Der Altstadtverein hatte an diesem Abend zu seiner Jahreshauptversammlung geladen, und zum ersten Mal sollte sich in diesem Rahmen die unter dem Dach des Vereins eben gegründete Interessengemeinschaft (IG) „Wohnqualität Altstadt“ einem Publikum präsentieren.

Zum verbalen Schlagabtausch kam es nicht. Der Vereinsvorstand gab Wirten und Anwohner zwar die Chance, ihre Argumente vorzubringen, doch verbat er sich zeitraubende Debatten, da diese die Veranstaltung sprengen würden. Die Anhänger der IG — rund 20 Personen waren dem Verein kurz vor Versammlungsbeginn beigetreten — nahmen das zunächst mit Unmut zur Kenntnis, beruhigten sich aber, als es hieß, man könne das Thema in Kürze bei einer gesonderten Versammlung diskutieren.

Aktuell, so viel steht fest, sind von allen Seiten eher versöhnliche Töne zu hören. „Wir wollen kein Fest verhindern“, sagt IG-Sprecher Matthias Bauer mit Blick auf jährlich zwei Grafflmärkte plus Wein- und Stadtfest sowie Fürth Festival. „Wir Anwohner möchten nur, dass danach möglichst rasch Ruhe einkehrt.“ Dasselbe gelte für den täglichen Kneipenbetrieb. Von Mitte Mai bis Mitte September darf während der Woche bis 23.30 Uhr und an Freitagen und Samstagen bis 24 Uhr draußen ausgeschenkt werden. Danach aber, meint Bauer, „muss es ruhiger werden, auch wenn ich damit natürlich nicht mucksmäuschenstill meine.“



Die Gastwirte von Grünem Baum, Kaffeebohne, Bar und Gelbem Löwen gehen sogar einen Schritt weiter. Sie haben eine Erklärung abgegeben, derzufolge sie an der Wochenendsperrzeit (24 Uhr) festhalten, aber bereit sind, die Sperrzeit für Freischankflächen von Montag bis Donnerstag um eine halbe Stunde „auf 23 Uhr vorverlegen zu lassen“. Bar-Betreiber Bernd Hausner nennt das eine „letzte Möglichkeit“, die er und die anderen drei Gastronomen neben bereits angekündigten Zugeständnissen bei Festen und Veranstaltungen (unverstärkte Musik, frühere Schlusszeiten) sehen, um im Dauerzwist um Lärm und Ruhe in der Gustavstraße „die Luft a weng rauszunehmen“. Eine Tafel mit der Bitte an die Gäste, sich bei Raucherpausen und beim Verlassen der Altstadt ruhig zu verhalten, wollte Hausner noch gestern Abend in seiner Kneipe aufhängen.

Klares Ergebnis bei Online-Abstimmung

Matthias Bauer begrüßt das Entgegenkommen und versichert: „Mit mir wird es keine starren Fronten geben.“ Das Ansinnen der Wirte, strittige Fragen künftig an einem runden Tisch unter Leitung des städtischen Ordnungsamtes zu klären, findet Bauers volle Zustimmung.

Ebenso lebhaft wie kontrovers diskutiert wurde der Krach um die Kneipenmeile zuletzt auf der Internetseite der Fürther Nachrichten. Auch hier klangen versöhnliche Töne durch, wurde an den guten Willen aller Beteiligten appelliert. Ganz eindeutig fiel unsere — nicht repräsentative — Online-Umfrage zum Thema aus: Auf die Frage „Glauben Sie, die Bewohner der Fürther Altstadt sind durch Lärm zu stark belastet?“ antworteten bis Dienstagabend 68 Prozent der Teilnehmer (309 Personen): „Nein, wer in der Altstadt wohnt, muss mit der Lärmbelastung leben können.“ Die restlichen 32 Prozent meinten: „Ja, der Bogen ist wegen der Vielzahl der Veranstaltungen überspannt.“

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