VGN bremst Senioren auf dem Land aus

16.10.2018, 16:00 Uhr
Auch ältere Menschen wollen mobil bleiben: Doch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bietet keine Seniorenkarte an.

Auch ältere Menschen wollen mobil bleiben: Doch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bietet keine Seniorenkarte an. © Foto: Jens Büttner/dpa

Die preiswerte Seniorenkarte für Menschen ab 60 Jahren für 50 Euro im Monat wäre zugleich der Einstieg in eine echte Tarifreform, warb Hans Klinner in der Sitzung des Langenzenner Stadtrats für die Idee. Bisher allerdings hat der VGN das Ansinnen stets mit dem Hinweis abgelehnt, es gebe ja bereits die Mobicard, die auch von Senioren gut genutzt werde.

Der Seniorenrat, so berichtete dessen Vorsitzender Klinner, hat alle größeren deutschen Verkehrsverbünde unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nur der VGN als zweitgrößter Verbund hat keine solch verbilligte Seniorencard im Angebot. Berlin-Brandenburg offeriert eine Karte für monatlich 51 Euro, Rhein-Neckar für 42,10 Euro, der Münchner MVV für 54,50 Euro — die günstigste VGN-Karte dagegen kostet 90 Euro im Monat. Ergo: Die Landbevölkerung ist deutlich benachteiligt, wettert Klinner.

Verglichen wurden ferner zwei gleich lange Strecken innerstädtisch und im Zenngrund: von Fürth-Burgfarrnbach nach Langwasser und von Langenzenn zum Hauptbahnhof Nürnberg. Der Preisaufschlag im Zenngrund beträgt — je nach Fahrkarte — zwischen 30 bis 94 Prozent. Auch bei den Preiserhöhungen ist der VGN Spitzenreiter, kritisiert Klinner: binnen zehn Jahren um 62 Prozent.

Der Seniorenrat fordert, die Mobilität der älteren Bewohner auf dem Land zu verbessern und der Tarif-Benachteiligung entgegenzuwirken. Um die Finanzierung einer Seniorenkarte zu sichern, haben die Langenzenner an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben: Der Freistaat soll sich als Gesellschafter in den VGN mit einem Millionen-Betrag einbringen, um überkommene Strukturen aufzulösen, die komplizierten Entscheidungswege im VGN (Prinzip der Einstimmigkeit aller Gesellschafter und Partner) zu vereinfachen und gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land herbeizuführen.

Bekanntlich ist Bayern seit vielen Jahren am Münchner Verbund beteiligt; Söder hat dort gerade weitere 50 Millionen Euro zugesagt, allein 35 Millionen für eine Tarifreform.

Klinner ist bewusst, dass er ein dickes Brett bohren möchte: "Aber wir werden nicht locker lassen." Er und seine Langenzenner Mitstreiter haben alle Seniorenräte im VGN-Gebiet und zahlreiche Politiker um Unterstützung gebeten. Im Stadtrat der Zennstadt bekam er sie jedenfalls.

"Vielleicht ist das ein Anstoß, endlich Tarifgerechtigkeit und Gleichbehandlung der Landbevölkerung herbeizuführen", hoffte Bürgermeister Jürgen Habel (CSU), "denn wer zahlt, der bestellt."

Die volle Unterstützung der christsozialen Fraktion, auch für Sozial- und Kindertarife, bekundete Christoph Reuther. Bernhard Heeren von den Bündnisgrünen bescheinigte dem Seniorenrat "tolle Arbeit". Hans-Peter Krippner von den Freien Wählern versprach, man stehe dahinter.

Auf Nachfrage von Christian Sieber (SPD), wie denn die Reaktion Söders gewesen sei, legte Klinner offen: "Wir haben am 12. Juli an ihn geschrieben, aber es kam bisher null Reaktion."

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