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VGN zieht Ticketpreise an: Widerstand aus Fürth

Wieder einmal muss eine Tariferhöhung für Bus und Bahn abgesegnet werden - 28.06.2017 06:00 Uhr

Ab Januar 2018 sollen die Preise für den öffentlichen Personennahverkehr wieder steigen – ein Automatismus, der immer mehr Kritikern gegen den Strich geht.

26.06.2017 © Foto: Berny Meyer


Zustimmen sollen die hiesigen Lokalpolitiker einer durchschnittlichen Anhebung der Ticketpreise um 3,03 Prozent (Vorjahr: 2,6) ab 1. Januar 2018. Das heißt konkret: In der Tarifstufe B etwa wird der Einzelfahrschein für ein Kind um zehn Cent teurer und kostet dann 1,30 Euro, die Preise des 4er-Tickets für Erwachsene und Kind steigen um 50 bzw. 30 Cent auf 9 bzw. 4,50 Euro.

Immerhin verharrt der Tarif für den Erwachsenen-Einzelfahrschein konstant bei 2,50 Euro. Und auch im Fürther Kurzstreckentarif bleibt bei den Einzeltickets alles beim Alten; lediglich die Vierertickets werden um 20 Cent bei Erwachsenen (auf 5,80 Euro) und zehn Cent bei Kindern (auf 2,90 Euro) verteuert.

Stadtrat wird murrend zustimmen

Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten: Die Fürther Stadtratsmehrheit wird erneut, wenn auch murrend und mit Bauchschmerzen, grünes Licht geben – denn es geht kaum anders. Nach dem Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen" nämlich funktioniert der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), in der Ausdehnung der größte seiner Art in Bayern und der zweitgrößte in Deutschland: Gibt es flächendeckende Preiserhöhungen, müssen alle 23 Städte und Landkreise des Zweckverbands mitziehen; wer ausschert, blutet finanziell dafür.

2015 hatte die für den Fürther ÖPNV zuständige infra einmal errechnet, dass eine Verweigerung für Fürth drastische Ausgleichszahlungen an den VGN zur Folge hätte. Den Widerstand gegen "Knebelung" und fortwährende Mehrbelastung der Kunden, der sich inzwischen selbst in den großen Parteien geregt hatte, dämpfte das merklich.

Ein Teufelskreis

Der VGN selbst begründet die alljährlichen Anhebungen mit eigenen steigenden Ausgaben: Ein Warenkorb, dessen Wert jedes Jahr neu berechnet wird, gibt vor, welche Kosten auf die Tickets umgelegt werden. In die Kalkulation fließen unter anderem die Ausgaben des Zweckverbands für Personal, Sprit, Material und Fahrzeuge ein. Zwingend nötig sei das, wolle man die Millionendefizite des öffentlichen Nahverkehrs nicht noch drastischer ausfallen lassen.

Ein "Teufelskreis", finden viele nach wie vor, den man durchbrechen müsse – doch den wütenden Worten folgten bislang keine Taten. Denn aus den vertraglichen Bindungen der sogenannten Atzelsberger Beschlüsse, benannt nach dem Schloss nahe Erlangen, wo sie einst gefasst wurden, können die Kommunen – siehe oben – nicht einfach aussteigen; auf ihnen basiert das Konstrukt VGN.

Die Preise sind "unsozial"

Deshalb bleibt die Rolle der Mahner, die eine Abwanderung von Kunden wegen zu hoher Preise befürchten, wohl auch diesmal den üblichen Verdächtigen überlassen: Naturschützern, Grünen, Linken — und dem Fürther Sozialforum, einem überparteilichen Bündnis, in dem Gruppierungen aus dem sozialen, dem linken politischen und dem kirchlichen Spektrum zusammenarbeiten. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister und Stadträte kündigt das Forum denn auch gemeinsam mit der Fürther Erwerbsloseninitiative Protest in der Ratssitzung an – auch das fast schon Ritual.

Die Preise seien "unsozial, weil sich viele Menschen in Fürth Bus und U-Bahn nicht mehr leisten können". Doch auch wirtschaftlich seien sie fragwürdig, weil Erhöhungen sinkende Fahrgastzahlen und Einnahmen zur Folge hätten, zudem "umweltfeindlich", weil mehr Menschen auf den Individualverkehr umsteigen würden. Ein einfaches "weiter so" verbiete sich deshalb "für eine verantwortungsvolle Politik".

Wolfgang Händel

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