Viele Millionen fließen ins Fürther Abwasser

3.7.2015, 21:00 Uhr
Die neuen Nachklärbecken haben einen Durchmesser von 53 Metern. Links ist die Wohnbebauung zu erkennen, an der Böschung unterhalb der Häuser soll noch eine Photovoltaikanlage entstehen.

© Foto: Horst Linke Die neuen Nachklärbecken haben einen Durchmesser von 53 Metern. Links ist die Wohnbebauung zu erkennen, an der Böschung unterhalb der Häuser soll noch eine Photovoltaikanlage entstehen.

Es riecht fast nicht, nicht einmal bei über 30 Grad im Schatten und prallem Sonnenschein, der auf die Becken knallt.

Das liegt zum einen daran, dass die erste Reinigungsstufe der Kläranlage zuvor schon ganze Arbeit geleistet hat, um das zu säubern, was aus Toiletten und anderen anrüchigen Orten angespült wurde. Das Wasser in den Nachklärbecken ist also bereits vergleichsweise rein, von dort aus läuft es in den Fluss.

Zum anderen hat der Stadtentwässerungsbetrieb STEF das Augenmerk darauf gerichtet, dass von den Neubauten möglichst wenig Geruch und Lärm ausgeht. Kein Wunder bei dieser Vorgeschichte: Weil neue Vorschriften und die wachsende Bevölkerung dazu zwingen, wollte die Stadt bereits Anfang des Jahrtausends bauen, doch die Einsprüche von Anwohnern verzögerten den Beginn bis 2012. Für die Becken hatten Schrebergärten der angrenzenden Kolonie „Land in Sonne“ weichen müssen, die Kläranlage rückte bedrohlich nahe an die Wohnbebauung.

Seit vier Wochen nun sind die drei Nachklärbecken mit einem Durchmesser von 53 Metern in Betrieb. Sie sind nicht nur größer, sondern mit fünf Metern auch tiefer als ihre Vorgänger – und mit moderner Technik ausgestattet. Das bereits mechanisch und dann biologisch gereinigte Wasser trennen sie abschließend von Schlamm und Schwebstoffen. Außerdem helfen Eisensalze dabei, Phosphat zu binden, das andernfalls die Flüsse überdüngen würde.

„Sehen Sie“, sagt Betriebsleiter Herbert Belian und zeigt auf die ruhige Oberfläche, „wir haben drei Meter Sichttiefe.“ Durch diese klare Schicht, sagt er, dringe kein Geruch nach oben. Am Boden des Beckens liegt der Schlamm, der unterirdisch abgesaugt wird. 18 Millionen Euro hat STEF für die drei Becken bezahlt, das Geld stammt aus den Abwassergebühren der Fürther, aber auch der Zirndorfer, Obermichelbacher und Cadolzburger, deren Kanäle ebenfalls an der großen Kläranlage hängen. Insgesamt sind das rund 155 000 Einwohner, dazu kommen etliche Industriebetriebe, die hochgerechnet den Schmutz von weiteren 100 000 Menschen verursachen.

Die drei alten Klärbecken sind jetzt außer Betrieb und werden wohl in den kommenden Jahren abgerissen, um Neuem Raum zu geben. Herbert Belian und Baureferent Joachim Krauße gehen davon aus, dass der Gesetzgeber künftig weitere Richtlinien erlässt, etwa um Arzneimittelrückstände oder kleinste Plastikteile aus dem Abwasser zu filtern. „Dann müssen wir reagieren und brauchen Platz für neue Einrichtungen“, sagt Krauße.

Wie berichtet, rollen schon jetzt auf dem Gelände an der Erlanger Straße die Bagger. Das neue Betriebsgebäude kostet 20 Millionen Euro. Um die mechanische Abwasserreinigung zu verbessern, nimmt STEF 33 Millionen Euro in die Hand. An einer Böschung neben den Nachklärbecken sollen in nicht allzu ferner Zukunft Solarzellen Strom erzeugen. Schon jetzt deckt die Kläranlage 75 Prozent ihres Strombedarfs, in dem man das Gas verbrennt, das in den Faultürmen entsteht. Belian und Krauße sind sich aber einig: „Wir wollen 100 Prozent.“

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