Zwischenbilanz

Viele Regeln, wenig Sommer: So läuft die Saison in den Fürther Freibädern

17.8.2021, 14:20 Uhr
Im Fürther Scherbsgrabenbad mussten die Besucher und Besucherinnen nur an ganz wenigen Tagen Schlange stehen, um sich im Nichtschwimmerbecken abkühlen zu können.

Im Fürther Scherbsgrabenbad mussten die Besucher und Besucherinnen nur an ganz wenigen Tagen Schlange stehen, um sich im Nichtschwimmerbecken abkühlen zu können. © Foto: Hans-Joachim Winckler

An zwei, drei wirklich heiße Tage im Juni kann sich Horst Kiesel erinnern, an mehr aber nicht. Der Betreiber des Fürther Sommerbads bezeichnet den Verlauf der bisherigen Saison als "sehr verhalten". Das sei zwar auch in früheren Jahren immer wieder mal vorgekommen, "aber Corona hat uns diesmal richtig ausgebremst". Denn während man früher an Top-Tagen, wenn es wirklich heiß war und alle ins Bad strömten, richtig Umsatz machen konnte, dürfen momentan nur 2000 Besucherinnen und Besucher rein – statt der sonst üblichen 8000. Das sei ein Draufzahlgeschäft.

Wolfgang Greul, bei der Infra Fürth für den Bäderbetrieb zuständig, hofft deshalb auf ein paar richtig hitzige Tage in der zweiten Augusthälfte. Geplant sei, das Scherbsgrabenbad bis zum Ende der Sommerferien offen zu halten. "Außer, das Wetter wird gruselig."

Seit gut drei Wochen hat nebenan auch das Fürthermare wieder geöffnet, hier liegt die Kapazitätsgrenze aktuell bei 60 Prozent. Bewährt habe sich das Reservierungssystem, das vor allem Besuchern, die von weit her anreisen, die Sicherheit gebe, Einlass zu finden. "Die Leute fahren wirklich weit", so Kiesel, der immer wieder Autos aus Schweinfurt, Regensburg oder aus Schwaben entdeckt. Man spüre, dass viele Familien nicht in Urlaub fahren und deshalb im weiteren Umkreis Orte suchen, an denen sie sich und ihren Kinder einen schönen Tag bieten können.

Einsam seine Bahnen zu ziehen, wie hier im Zirndorfer Bibertbad – das war in der bislang sehr durchwachsenen Saison oft kein Problem.

Einsam seine Bahnen zu ziehen, wie hier im Zirndorfer Bibertbad – das war in der bislang sehr durchwachsenen Saison oft kein Problem. © Foto: Ron Hübner

4000 Besucher: Das klingt gut. So viele Menschen dürften ins Zirndorfer Bibertbad, wenn, ja wenn die Außenflächen die entscheidende Bezugsgröße wären. Das sind sie aber nicht, sondern die Wasserflächen. Jeweils 150 Gäste in der Morgen- und in der Abendschicht und 600 im Familien-Slot, rechnet Timo Schäfer vor. Besonders gut nachgefragt: früh oder eben spät, die Becken sind dann belegt. "Da schwimmen alle."

Bis zu den Sommerferien konnten die Besucher jeweils 500 Tickets online buchen, 100 gab es noch an der Kasse. Mit dem Schulende wurde das System umgestellt: 150 Karten via Internet und 450 Stück über die Kasse. Zum einen war das wegen der Kinder und Jugendlichen notwendig, die sich den Zirndorfer Ferienpass geholt hatten, zum anderen wollte man auch Barzahlern und weniger technikaffinen Besuchern entgegenkommen.

Wie im täglichen Leben

Was die Regeln des Hygienekonzepts angeht, verhielten sich die Besucher laut Schäfer "wie im täglichen Leben". Will heißen: Die einen achten peinlich genau auf Maske und Abstand, die anderen eher weniger. Und dann gibt es auch Besucher, die nach der Devise "Ich habe bezahlt und will jetzt schwimmen" unterwegs sind, hat der Werkleiter beobachtet. Die jeweils Verantwortlichen der einzelnen Schichten müssen deshalb immer ein Auge auf das Geschehen in den Becken haben. Ist dort das Getümmel zu groß, dann ist beim Einlass Schluss.

Und wie waren bisher die Nachfrage nach den Tickets und der Andrang? Genau wie das Wetter, Schäfer genügt ein Wort: "wechselhaft". Und ob der Sommer noch einmal mit Macht kommt – je nach Wetterlage bleibt das Bad bis Ende September offen: Timo Schäfer macht sich da mit Blick auf die Gesamtsituation keine großen Gedanken.

Denn: "Wirtschaftlich tut uns das einfach weh." Was er meint, verdeutlichen Zahlen: 2019, im letzten Vor-Corona-Jahr, kamen zwischen Mai und September etwas über 66.000 Besucher ins Zirndorfer Freibad, im vergangenen Pandemie-Jahr waren es von Juni bis September 30.000. Heuer haben seit dem 22. Mai immerhin schon über 28.000 Gäste ein Ticket gelöst.

Keine Kollisionen

Und alle schwimmen im Kreis: Im Veitsbad ist diese Richtungsvorgabe im Becken Teil des Hygienekonzepts. Und Veitsbronns Bürgermeister Marco Kistner hat sich sagen lassen, dass es Schwimmerinnen und Schwimmer gibt, "die das durchaus attraktiv finden und beibehalten möchten, weil es so keine Kollisionen gibt".

Das Veitsbad kommt auch in diesem Sommer gut an: 33.000 Tickets wurden seit der Öffnung am 29. Mai verkauft, in der Saison 2020 waren es nur 22 000. Allerdings sperrte die Gemeinde das Gelände im letzten Jahr erst am 20. Juni auf. "Und je länger wir geöffnet haben, desto größer ist das Defizit", sagt der Rathauschef. Im vergangenen Jahr waren es immerhin satte 300.000 Euro, auch deshalb wurden heuer auch die Preise erhöht.

Der Attraktivität hat das nicht geschadet. Über 17.000 Personen haben sich bis jetzt im Online-Anmeldeverfahren registriert, um in einer der drei Schichten – früh (8 bis 12 Uhr), mittags (12.30 bis 20 Uhr) oder abends (18 bis 20 Uhr) – zu schwimmen. Selbst wenn jeder der etwa 6700 Veitsbronner dabei wäre, zeigt das Kistner, dass die Zugkraft weit über die Gemeindegrenzen hinausgeht: "Unser Bad ist ein Magnet." 730 Menschen dürfen sich auf den Liegeflächen verteilen, zehn Mal wurde bereits "ausgebucht" gemeldet.

Ende August wird man im Veitsbronner Rathaus wieder genauer auf die Wetterprognosen schauen. In der Regel schließt das Bad mit den Sommerferien, 2020 durften die Sonnenanbeter sich über ein paar Tage Zugabe freuen. Schon jetzt macht sich die nächtliche Abkühlung bemerkbar, dann muss die Heizung hochgefahren werden. Und nicht nur deshalb ist klar, was auch der Bürgermeister auf dem Wunschzettel hat: "ein paar heiße Wochen für unser Bad."

Eine Ampel fürs Naturgartenbad in Großhabersdorf

Thomas Zehmeister muss kurz überlegen: "Acht bis zehn Mal, auf jeden Fall öfter als in den Jahren zuvor", sagt der Bürgermeister auf die Frage, wie oft er heuer bereits in die ungechlorten Fluten im Großhabersdorfer Naturbad eingetaucht ist.

Für 2020 wäre die Frage leichter zu beantworten gewesen. Da hatte die Freizeiteinrichtung nämlich komplett geschlossen, weil die Gemeinde kein Hygienekonzept umsetzen konnte. Ein Problem, das nun gelöst wurde.

Zehmeister hat eine große Erleichterung und viel Freude über die Öffnung des Bades im Dorf registriert. Freude, die auch das mit heißer Nadel gestrickte und deshalb etwas hakelige Online-Buchungssystem nicht trüben konnte. Drei Zeitblöcke gab es, in denen sich jeweils 200 Gäste vergnügen durften.

Seit Juli ist auch das Vergangenheit, seitdem genügt ein Blick auf der Homepage der Gemeinde. Hier signalisiert eine Ampel, wie stark der Andrang gerade ist – und dann darf man einfach kommen. 400 Menschen dürfen maximal auf den Liegeflächen und im Becken unterwegs sein. Bisher war das nicht der Fall, aber wenn es nun noch ein paar heiße Tage geben sollte, ist sich der Bürgermeister sicher: "Dann müssen wir bestimmt Leute heimschicken."

Immerhin ums Wirtschaftliche ist Zehmeister nicht bange. In normalen Jahren, sagt er, schaffe das Naturbad "eine schwarze Null". Die Mitarbeiter wechseln nach der Saison einfach wieder in den Bauhof der Gemeinde.

Und weil das Becken nur von der Sonne und nicht durch eine Heizung erwärmt wird, fallen die Energiekosten, ganz im Gegensatz zu normalen Bädern, kaum ins Gewicht. Trotzdem ist die Wassertemperatur heuer bisher nicht unter die 20-Grad-Marke gefallen.

Beste Voraussetzungen, dass er noch einmal richtig kommt – der Sommer.

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