Impfstoff fehlt wieder

Vierte Dosis für Heime? So läuft das Boostern in Fürth

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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15.1.2022, 11:00 Uhr
Im Sommer wäre Luft für mehr Impfungen gewesen. Das Impfzentrum wünscht sich für dieses Jahr einen etwas gleichmäßigeren Betrieb.

Im Sommer wäre Luft für mehr Impfungen gewesen. Das Impfzentrum wünscht sich für dieses Jahr einen etwas gleichmäßigeren Betrieb. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Was sich das Team im Impfzentrum für 2022 wünscht? Eine Art Normalbetrieb, sagen der Ärztliche Leiter Dr. Michael Hubmann und Klaus Meyer von der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth (AGNF), die das Zentrum betreibt. Normalbetrieb, das hieße, dass sich die Nachfrage nach Impfungen gleichmäßiger aufs ganze Jahr verteilt, man aus den Wellen rauskommt, in denen viele gleichzeitig versorgt werden müssen und wollen.

Den Höhepunkt einer solchen Welle hat man gerade erst erlebt: Von Mitte November bis Ende Dezember wurden enorm viele Impfungen geschafft, sagt Hubmann, in den Praxen ebenso wie an den verschiedenen Standorten des Impfzentrums. In der Spitze waren es rund 3000 am Tag. Der Ansturm war gewaltig, als klar war, dass der Schutz nach der zweiten Spritze rascher abnimmt als ursprünglich angenommen.

Inzwischen sind 42,2 Prozent der Menschen in Stadt und Landkreis Fürth dreifach geimpft. Zum Vergleich: Die zweite Dosis haben bislang knapp 68 Prozent bekommen.

Die Booster-Adventswochenenden in der Grünen Halle haben "extrem viel Druck" rausgenommen, so Hubmann. Auch dank der Hilfe von BRK und THW konnte man sehr viele Termine anbieten. Das sei so nicht permanent möglich. Momentan reichten die festen Standorte aber aus – zumal wieder viel weniger Impfstoff ankommt, als es sich das Team wünscht.

Schreiben aus dem Rathaus

Die Menschen, die den Booster am dringlichsten wollten, seien inzwischen versorgt. Die Nachfrage nach Dritt-Impfungen sei noch hoch, aber nicht mehr auf dem Niveau wie im Dezember, berichtet Meyer. Eine Angst vor der Omikron-Variante bemerkt man im Impfzentrum jedenfalls nicht. Auch die Zahl der Erstimpfungen sind zurückgegangen.

Der Fokus liege weiterhin klar auf dem Boostern, weil die dritte Impfung einen deutlichen Unterschied mache, so Hubmann. OB und Landrat haben daher nun auch alle Menschen über 60 Jahren angeschrieben, um diejenigen zu sensibilisieren, die noch keine dritte Dosis bekommen haben. "Die Qualität der Immunantwort ist eine andere", sagt der Mediziner. Mit hoher Wahrscheinlichkeit halte der Schutz auch länger. Grundsätzlich rate er jedem zum Booster. Auf einen an Omikron angepassten Impfstoff zu warten, mache dabei keinen Sinn: Er werde vorliegen, wenn die Omikron-Welle vorüber ist.

Erinnert fühlen sich die Verantwortlichen momentan an die Situation vor einem Jahr: Viele neue Informationen folgen rasch aufeinander. Und erneut steht ihnen weniger Impfstoff zur Verfügung, als geplant.

Im Dezember habe der Bund zeitweise gar kein Biontech geliefert, "aktuell bekommen wir ein Drittel von dem, was wir bestellt haben", sagt Meyer. Auch sei die Haltbarkeit sehr kurz. Eine Lieferung aus der vergangenen Woche musste schon bis zum Donnerstag aufgebraucht werden. Man müsse daher gut planen und bei Menschen über 30 Jahren intensiver Moderna einsetzen.

Das Ziel von Kanzler Olaf Scholz – bundesweit 30 Millionen weitere Impfungen im Januar – scheine vor diesem Hintergrund unerreichbar, sagt Hubmann. Für diesen Monat stünden nur 18,5 Millionen Dosen für die Länder in Aussicht.

Während in der früheren Tally-Weijl-Filiale weiterhin an zwei Tagen pro Woche Kinderimpfungen durchgeführt werden, beschäftigt sich das Team gedanklich bereits mit einer vierten Impfung für Heimbewohner, auch wenn es dazu noch keine Handlungsanweisung gibt. In den Heimen habe man im August mit dem Boostern begonnen, und der Schutz lasse bei älteren Menschen rascher nach.