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Dienstag, 23.07.2019

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Vincenzenbronn: Frosch sagt Nein zur Naturzerstörung

Der Bund Naturschutz Bayern kaufte eine der Arbeiten von Jürgen Kaspars kämpferischen Skulpturen - 29.09.2018 14:00 Uhr

In Jürgen Kaspars (li.) Skulptur „Straßenbau vernichtet Lebensräume“ stemmt sich ein stilisierter Frosch tapfer gegen einen Autoreifen. Eine Arbeit mit hohem Symbolcharakter, wie Richard Mergner und Sabine Lindner vom BN finden. © Foto: Fiedler


Es ist eine kleine Feier, eine Art Vernissage, denn Jürgen Kaspar hat nicht nur die symbolträchtige Skulptur "Straßenbau vernichtet Lebensräume" mitgebracht, sondern noch weitere seiner Arbeiten. Sehr oft ist der Held der in Eisen und Blech geformten Geschichten ein Frosch.

Geschichten will Jürgen Kaspar mit seinen Werken erzählen. Da ist die Kralle des Staatlichen Bauamts, die nach dem Frosch greift, der längst seine Koffer gepackt hat. Oder der Teichbewohner, der mit erhobenem Mittelfinger eindeutig gegen naturfeindliche Politik Stellung bezieht. Stilisierte Betonköpfe haben an einem Tisch Platz genommen – ein Symbol für die Halsstarrigkeit der Politiker, die mit ihren Entscheidungen allzu oft an überkommenen Konzepten festhalten würden.

Kaspar sagt: "Wenn man etwas erzählt, ist es schnell vergessen. Wenn man immer wieder etwas vor Augen hat, bleibt man wachsam." Der Vincenzenbronner Landwirt macht sich viele Gedanken um die Geschehnisse der Welt. Die drohende Überbauung des Bibertgrundes mit einer Straße hat ihn in den vergangenen Jahren umgetrieben.

Aktuell beschäftigt ihn das Thema Flucht. So wie die Natur vor der zerstörerischen Kraft des Menschen fliehe oder an ihr zugrunde gehe, so fliehen auch Menschen oder gehen zugrunde, meint er. Kaspar lässt anklingen, dass er sich schon Gedanken bezüglich der Umsetzung zu dieser Frage gemacht hat.

Richard Mergner, bayerischer Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz, betont den hohen Symbolcharakter der erworbenen Skulptur. Im Mittelpunkt auch hier der Frosch, der sich gegen einen Autoreifen stemmt. Libellen und Ameisen machen ihre Verzweiflung auf einem Transparent deutlich: "An uns denkt kein Schwein!"

Zwischen all den von Rost beflogenen Figuren ein Farbklecks. Die blaue Blüte symbolisiert die feine Vernetzung der Natur. Denn der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein zarter kleiner Schmetterling, gehört zu den stark bedrohten Arten. Sein Lebensraum ist auf den Wiesenknopf beschränkt. Eine Pflanze, die Kunstdünger und intensive Bewirtschaftung nicht verträgt.

Mergner plädiert in Vincenzenbronn für eine neue Form des Straßenbaus. Nicht weitere Umfahrungsstraßen seien die Lösung der Zukunft, sondern ein eindeutig verbesserter und attraktiver Nahverkehr auf dem Land und der Umbau von Ortsdurchfahrtsstraßen. Anhand deren Gestaltung müssten Pkw- und Lkw-Fahrer erkennen können, dass die Straße auch Lebensraum für Fußgänger und Radfahrer ist.

Modellhafte Ortsdurchfahrt

Den Vincenzenbronnern gibt er an diesem Vormittag einen Tipp. Der Bund Naturschutz plant mit dem Bayerischen Bau- und Verkehrsministerium erste Modellprojekte in Durchgangsorten.

"Ein Projekt ist die Ortsdurchfahrt von Unterrödel", erzählt Mergner. Es lohne sich, mit den Bürgern im Landkreis Roth zu reden. Dort soll die Durchfahrtsstraße, die bislang das Dorf zerschneidet, umgestaltet werden. In einer Art und Weise, die neuen Lebensraum für die Menschen schafft. Das könnte durchaus ein Vorbild für Vincenzenbronn sein, wie Mergner findet.

Immer wieder kämpfen der Bund Naturschutz und viele Bürger in Bayern gegen Straßenbauprojekte. "Die Skulptur von Jürgen Kaspar soll ihnen Ansporn sein, sich gegen zweifelhafte Projekte zu stemmen", hofft Jürgen Mergner. 

Petra Fiedler

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