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Volksbücherei Fürth will bald E-Books anbieten

Einrichtung wäre gerne schneller als die Nürnberger Stadtbibliothek - 31.10.2012 09:00 Uhr

Neuerdings passt das Bücherregal in die Handtasche: Wer sich kein spezielles Lesegerät (wie im Bild) anschaffen möchte, kann dank iPad oder Smartphone ebenfalls überall bequem auf seine E-Books zugreifen. © Berthold Stadler/dapd


Viele Städte haben schon erste Erfahrungen gesammelt, Erlangen und Bamberg zum Beispiel: Ihre Bibliotheken bieten den Kunden bereits seit Anfang des Jahres die Möglichkeit, Bücher auch in digitaler Form auszuleihen. Nürnberg und Fürth, weiß Gerlinde Gleinig, Mitarbeiterin der Fürther Volksbücherei, sind „ein bisschen spät dran“.

Jetzt aber sei es höchste Zeit, aufzuholen: „Der E-Book-Markt boomt“, sagt Gleinig. Seit die Lesegeräte bezahlbar geworden seien, seit sich immer mehr Menschen Smartphones und Tablet-PCs zulegen, sei die Nachfrage nach elektronischem Lesestoff gestiegen. Auch im Kopf vieler Menschen hat sich etwas geändert: Waren sie früher überzeugt davon, einen Roman nur dann mit Genuss lesen zu können, wenn sie ihn in Händen halten, sehen sie nun Vorzüge darin, ihr Bücherregal jederzeit parat zu haben: in der U-Bahn, im Flugzeug oder im Urlaub — ohne schweres Gepäck. Auch für ältere Menschen haben E-Books einen Vorteil: Die Schrift lässt sich mühelos vergrößern.

Mehrere Anfragen pro Woche bekommt die Fürther Volksbücherei laut Gleinig von Menschen, die wissen wollen, ab wann sie hier auch digitale Bücher ausleihen können. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. „Wenn alles gut geht, können wir Anfang Februar loslegen.“

Damit wäre Fürth immerhin einen Monat früher dran als Nürnberg. Dort plant die Stadtbibliothek, ihre Kunden ab März mit E-Books bedienen zu können — als eine der letzten Großstädte deutschlandweit, wie Mitarbeiter Christoph von Schwerin, zuständig für den Bereich Digitale Angebote, offen zugibt. Abstriche am Etat haben ihm zufolge dazu geführt, dass nicht früher in E-Books investiert wurde; gedruckte Bücher hatten in Nürnberg — wie in Fürth — Vorrang. 

Teurer Einstieg

Vor allem der Einstieg in die Ausleihe von E-Books ist mit stattlichen Kosten verbunden. Gleinig hofft, dass die Fürther Stadträte bei den Haushaltsberatungen im Dezember dennoch Ja sagen zu dem Schritt.

Wie berichtet, würde die Volksbücherei die Ausleihe gerne im Verbund mit anderen Bibliotheken organisieren. Ursprünglich wollte man in den Verbund „Franken Onleihe“ einsteigen, dem 16 Städte, darunter Erlangen und Bamberg, angehören. Doch bei den zusammengeschlossenen Bibliotheken ist die Nachfrage nach E-Books so sehr angewachsen, dass sich der Verbund entschieden hat, keine Mitglieder mehr aufzunehmen. Zusammen mit Bibliotheken aus zehn weiteren Städten, darunter Würzburg, hat die Fürther Volksbücherei nun einen neuen Verbund mit dem Namen „e-medien-franken“ gegründet. Fürth würde sich im Verbund um die Beschaffung von Belletristik kümmern, sagt Gleinig.

Doch bevor es losgehen kann, muss der Stadtrat Grünes Licht geben. Rund 32000 Euro wären im ersten Jahr fällig, ein Teil fließt in die nötige Software, der andere in einen Topf, aus dem Lizenzen für elektronische Titel gekauft werden. In der Folgezeit würden sich die Kosten auf 8000 Euro pro Jahr belaufen. Gleinig glaubt, dass es sich lohnen würde, schneller zu sein als Nürnberg: Schon jetzt locke die Stadtbibliothek mit einer größeren Auswahl an Büchern, zudem soll dort die Jahresgebühr wegfallen. Die Volksbücherei könnte Kunden verlieren: „Es wäre gut, etwas anzubieten, das Nürnberg noch nicht hat. Das könnte helfen, Kunden zu binden.“

Die ersten Erfahrungen aus anderen Bibliotheken zeigten zudem, dass sich mit dem neuen Service auch die Ausleihzahlen der gedruckten Titel erhöht habe. Und auch Teenager aus so genannten bildungsfernen Familien, die sich sonst nicht in der Bücherei blicken lassen, hofft Gleinig, bald zu erreichen: „Bücher sind out, Smartphones sind in.“

CLAUDIA ZIOB

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