Eröffnung am Freitag

Vom City-Center zum Flair: Fürths Einkaufstempel wird wachgeküsst

16.9.2021, 07:00 Uhr
Viel auffälliger als früher im City-Center wurden die Eingänge des

Viel auffälliger als früher im City-Center wurden die Eingänge des "Flair" gestaltet. © Wolfgang Händel

Wenn das "Flair" mit der vom Investor versprochenen, schillernden "Shopping-Welt" loslegt, sind damit große Erwartungen für die Fürther Innenstadt verbunden. Das war auch so, als das City-Center im September 1985 mit 100 Geschäften eröffnet wurde.

Doch das Center litt von Beginn an unter der damaligen Geburtskonstruktion: 351 Eigentümer gab es, was Beschlüsse über die für Einkaufszentren unabdingbaren Modernisierungen erschwerte, oft blockierte. Der auch nach außen sichtbare Niedergang des zunehmend veralteten Komplexes beschleunigte sich zu Beginn der 2000er Jahre, immer mehr Ladenbetreiber kapitulierten.

Seit Wochen wird mit Hochdruck für die Fertigstellung geackert, bis zu 1000 Menschen sind damit beschäftigt. „Wir arbeiten mit durchgetretenem Gaspedal“, sagte Projektleiter Marcus Gergele gestern auf FN-Anfrage, überall werde letzte Hand angelegt.

Seit Wochen wird mit Hochdruck für die Fertigstellung geackert, bis zu 1000 Menschen sind damit beschäftigt. „Wir arbeiten mit durchgetretenem Gaspedal“, sagte Projektleiter Marcus Gergele gestern auf FN-Anfrage, überall werde letzte Hand angelegt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Niederschmetternde Tristesse verströmte das City-Center in seinen letzten Zügen, hier ein Bild von 2017. Nach zähem Rechtsstreit hatten in den Jahren zuvor zunehmend Leerstände und ein basarähnliches Szenario das Erscheinungsbild geprägt.

Niederschmetternde Tristesse verströmte das City-Center in seinen letzten Zügen, hier ein Bild von 2017. Nach zähem Rechtsstreit hatten in den Jahren zuvor zunehmend Leerstände und ein basarähnliches Szenario das Erscheinungsbild geprägt. © Foto: Tim Händel

Erstmals dachte die Eigentümergemeinschaft über einen Verkauf nach, der sich wegen der Vielstimmigkeit aber erneut diffizil gestaltete. 2009 klopfte zunächst der zuvor bereits am Projekt "Neue Mitte" gescheiterte Investor Sonae Sierra an, zog sich aber im Mai 2010 mir nichts, dir nichts wieder zurück.

Im Dezember des gleichen Jahres trat mit TKN aus München-Grünwald ein weiterer Interessent auf den Plan. Die Firma kündigte an, den Kaufpreis von 20 Millionen Euro zu bezahlen und 50 Millionen in den Umbau zu stecken. Die Finanzierung indes kam nie zustande, dennoch hatte TKN vielen Geschäften des Centers bereits gekündigt – ein Fiasko.

Es folgten Jahre des zähen Rechtsstreits mit TKN, der jede weitere Entwicklung vereitelte; das City-Center nahm unter diesen ungeklärten Umständen basarähnliche Züge an. Leerstände rissen hässliche Lücken, niederschmetternde Tristesse dominierte im einst so wuseligen Einkaufszentrum.

Ein Bild aus Zeiten, in denen noch etwas los war im Center: Regelmäßig trafen sich hier zur Faschingszeit einschlägige Gesellschaften aus der Region und bemühten sich, Frohsinn zu verbreiten.

Ein Bild aus Zeiten, in denen noch etwas los war im Center: Regelmäßig trafen sich hier zur Faschingszeit einschlägige Gesellschaften aus der Region und bemühten sich, Frohsinn zu verbreiten. © Foto: Günter Distler

2016 schließlich gelang dem Fürther Immobilienentwickler P & P, woran zu diesem Zeitpunkt kaum noch jemand glauben mochte: Das Unternehmen brachte sämtliche Flächen in seinen Besitz und konnte fortan ungehindert in die Immobilie investieren – denn alles befand sich ja diesmal in einer Hand.

2019 begannen die Abrissbagger, an den Fassaden zu nagen – und sorgten für den Durchblick zum charakteristischen Dach.

2019 begannen die Abrissbagger, an den Fassaden zu nagen – und sorgten für den Durchblick zum charakteristischen Dach. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Anfang 2018 begannen die aufwendigen Entkernungs- und Umbauarbeiten, rund 60 Millionen Euro flossen nach Angaben von P & P in das Projekt, das, so die Marketing-Strategie, Wohnzimmer-Wohlfühl-Atmosphäre verströmen soll – inklusive Spielbereichen, Kletterwand und Riesenaquarium. "Entertainment" lautet das Stichwort, ein Konzept, das seit Jahren vor allem in den USA Publikum weg von der Internet-Konkurrenz und hinein in die stationären Shopping-Malls locken soll.

Weitere markante Maßnahme unter diesem Aspekt: Der Zugangskomplex an der Hallstraße, früher Heimat von C & A, wird zum "Food-Court" mit Gastro-Einheiten, die im neuen Teil der Fußgängerzone davor auch Außenflächen erhalten.

Massive Veränderung: So sieht der sehr auffällige Zugang zum Einkaufszentrum in der Schwabacher Straße nach dem Umbau aus . . .

Massive Veränderung: So sieht der sehr auffällige Zugang zum Einkaufszentrum in der Schwabacher Straße nach dem Umbau aus . . . © Foto: Wolfgang Händel

. . . und so sah er davor aus: dezent eingebettet und nach Ansicht der neuen Eigentümer ungeeignet, um Publikum anzuziehen.

. . . und so sah er davor aus: dezent eingebettet und nach Ansicht der neuen Eigentümer ungeeignet, um Publikum anzuziehen.

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