Donnerstag, 21.11.2019

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Vom Husten zum Herzalarm: Sophies Leben hing am seidenen Faden

Erkältung eskalierte - Von der Krippe auf die Intensivstation - 30.08.2019 14:00 Uhr

Das ist nur ein kleiner Teil des großen Teams, das sich um Sophie, hier mit ihren Eltern, kümmerte, darunter die Kinderherzchirurgen Dr. Ariawan Purbojo (2. v. l.) und Dr. Robert Blumauer (3. v. l.), der leitende Kardiotechniker Frank Münch (3. v. r.) und zahlreiche Pflegefachkräfte. © Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen


Wenn Kathrin R. die vergangenen vier Monate rekapituliert, kann sie es immer noch nicht ganz fassen: Fast hätte sie ihre inzwischen zweijährige Tochter Sophie verloren.

"Alles begann mit einem scheinbar harmlosen Husten, den im Februar ja quasi alle hatten", erinnert sich die Mutter. "Plötzlich ging es dann aber ganz schnell." Anfang März kam Sophie ins Fürther Klinikum, dann ins Erlanger Uni-Klinikum – wenige Tage später musste ein Kunstherz sie am Leben erhalten.

"Ursache für Sophies akute Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels, war ein Adenovirus: ein Erreger, der quasi in jeder Schniefnase zu finden ist", erklärt Prof. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologie des Uni-Klinikums Erlangen. "Dass eine gewöhnliche Erkältung so eskaliert und ein junges Herz derartig angreift, kommt leider regelmäßig vor. Dass sich Sophies Herz so rasch und weitgehend erholt hat, ist allerdings die große Ausnahme. Einen vergleichbaren Fall hatte ich zuletzt im Jahr 2009."

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Im Frühjahr hatte Sophie den Husten aus der Krippe mitgebracht, berichtet ihre Mutter. "Leider halfen weder Hausmittel noch ein Antibiotikum. Eines Tages erhielt ich einen Anruf von den Erzieherinnen, dass ich meine Tochter abholen soll: Sie hatte blaue Lippen, röchelte, aß und trank nichts mehr."

Sofort machte sich die Familie auf den Weg ins Fürther Klinikum, wo schnell mit Infusionen, Ultraschalluntersuchungen und Röntgenaufnahmen der Lunge reagiert wurde. Ein Satz des Oberarztes blieb bei Kathrin R. hängen: "Da ist etwas auf den Bildern, das mir nicht gefällt."

Tatsächlich zeigte sich das Herz des Mädchens um ein Drittel vergrößert, der Herzmuskel arbeitete kaum noch. Unverzüglich setzten sich die Fürther Kollegen mit den Erlanger Kinderherzspezialisten in Verbindung. "Im Krankenwagen auf dem Weg zum Uni-Klinikum stand ich unter Schock", erinnert sich die Mutter. In Erlangen wird das 21 Monate alte Kind direkt auf die Intensivstation gebracht, doch Sophies Zustand verschlechtert sich zunehmend.

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Nachts um 3.14 Uhr ist klar: Sophie muss schnellstmöglich an eine Maschine angeschlossen werden, die die Funktion des Herzens übernimmt, den Körper mit Sauerstoff versorgt und so am Leben erhält. Binnen Minuten sei das ganze Team – zwei Kinderherzchirurgen, ein Anästhesist, zwei OP-Pflegefachkräfte und ein Kardiotechniker – vor Ort gewesen, so schildert es das Uni-Klinikum. Da stand Sophies Herz bereits still. "Der Eingriff war dramatisch, da wir das Kind die ganze Zeit reanimieren mussten", sagt Kinderherzchirurg Dr. Robert Blumauer, sogar als man am offenen Herzen operierte.

Manche brauchen ein Spenderherz

Nach der OP geht es Sophie vorerst besser. Aber die Pumpleistung des Herzens reicht auch drei Tage später nicht aus, um den kleinen Körper selbstständig zu versorgen. Die Erlanger Experten empfehlen den Einsatz eines Kunstherzens.

"Ein sogenanntes Berlin Heart sollte Sophies Herz langfristig unterstützen", erläutert Oberarzt Dr. Ariawan Purbojo. "Niemand kann sagen, wie lange ein Herz braucht, um sich zu erholen." Manche benötigen das Kunstherz zwei Monate, andere zwei Jahre, wieder andere müssen sogar auf ein Spenderherz hoffen.

Sophies Mutter lässt sich schulen, damit sie mit ihrer Tochter auch mal das Krankenhausgebäude verlassen kann. Als das Gerät einmal Probleme macht, setzt sie einen Notruf ab und pumpt manuell.

Sophie hat Glück: Nach drei Monaten kann das Gerät entfernt werden. Eine Woche später darf sie nach Hause. Eine Zeit lang muss sie noch Medikamente nehmen und zur Kontrolle kommen. Dass eine solche Geschichte dermaßen gut ausgeht, sei selten, sagen die Ärzte. Die Eltern sind dankbar: "Das Team der Kinderklinik ist für uns wie eine zweite Familie."

fn

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