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Vom segensreichen Wirken Fürther Stiftungen

Das Stiften hat in der Kleeblattstadt eine lange Tradition und ist drauf und dran, in der heutigen Zeit eine Renaissance zu erleben - 29.11.2008

Jeden Tag entstehen in Deutschland drei neue Stiftungen - ein Boom in unsicheren Zeiten. Auch in Fürth setzen sich etliche Stiftungen für die unterschiedlichsten Zwecke ein. In der Kleeblattstadt hat Stiften Tradition. Das Geld großzügiger Gönner hat im Stadtbild Spuren hinterlassen...


Gegen Ende des 19. Jahrhunderts starb in Fürth fast jeder dritte Säugling in den ersten Wochen nach der Geburt. Die hygienischen Zustände, besonders bei Hausgeburten, waren untragbar. Die Sterblichkeitsrate lag mit 28 Prozent weit über dem Reichsdurchschnitt (19 Prozent). Eine Tatsache, die der Rechtsanwalt Louis Alfred Nathan nicht hinnehmen wollte. Der Sohn eines Bankiers schenkte zum Gedenken an seine verstorbenen Eltern der Stadt Fürth 300 000 Goldmark für den Bau und Unterhalt eines Wöchnerinnen- und Säuglingsheims.

1909 nahm das Nathanstift in der Tannenstraße seine segensreiche Arbeit auf - die Säuglingssterblichkeit sank rapide. Ein Jahr später richtete Alfred Nathan einen fast millionenschweren Nebenfonds mit Wertpapieren ein, dessen Erträge den laufenden Betrieb unterhalten sollten. Doch diese Mittel gingen in der Weltwirtschaftskrise, dem Krieg und der Währungsreform verloren.

Nathan ist nur ein Beispiel aus der großen Fürther Stiftertradition. Wie er bewiesen in der damaligen Zeit viele jüdische Bürger der Stadt Gemeinsinn. Heinrich Berolzheimer ist das Volksbildungsheim zu verdanken, das sich der «Fortbildung der Einwohnerschaft Fürths» verschrieb, und zwar «ohne Rücksicht auf politische, religiöse oder wirtschaftliche Parteiung». Jüdische Mitbürger stifteten den Centauren-Brunnen am heutigen Bahnhofsplatz, die Krautheimerkrippe und gaben sogar für den Bau christlicher Kirchen Geld. Als um die Jahrhundertwende das Stadttheater entstand, erbrachte eine Sammlung innerhalb weniger Tage 288 000 Goldmark, über die Hälfte des Betrags kam von Juden.

Sportplatz vom Brauereibesitzer

Natürlich zeigten sich aber nicht nur jüdische Fürther spendabel. Der Fabrikant Johann Wilhelm Engelhardt zeichnete für die Engelhardt-Anlage verantwortlich, den Vorläufer des heutigen Stadtparks. Der gebürtige Fürther Hans Lohnert, der als Gastronom in Berlin sein Glück gemacht hatte, stiftete in den 1920er Jahren den Lohnert-Sportplatz - und erhielt im Gegenzug die Ehrenbürgerwürde. Der Brauereibesitzer Hans Humbser rief 1903 eine Stiftung ins Leben, aus der nicht nur der Humbsersportplatz hervorgegangen ist, sondern deren Erlöse heute noch die Pflege des Platzes und die Anschaffung von Sportgeräten finanzieren.

Auch heute wären Stadt und Landkreis Fürth ohne das wohltätige Wirken zahlreicher Stiftungen um einiges ärmer. Rund fünf Dutzend gibt es in der Gegend. Dank ihrer Arbeit kommt erst so manches Kulturprojekt auf die Beine, können das neue Fahrzeug für den Behindertentransport angeschafft oder die Musikinstrumente für den Hauptschulchor werden.

Das Prinzip einer Stiftung ist einfach: Sie verfügt über einen Kapitalstock - je höher, desto besser, denn das Kapital wird angelegt. Die erzielten Erlöse fließen zu einem Teil in den Grundstock, damit dieser stetig wächst, der andere Teil wird ausgeschüttet und - je nach Zweck der Stiftung - verwendet.

Die Stadt Fürth verwaltet derzeit rund ein Dutzend Stiftungen. Viele sind schon jahrzehntealt, wie Norbert Reichardt, Leiter der Stadtkämmerei, sagt. Die bereits erwähnte Humbser-Stiftung zählt eher zu den kleineren. Ein anderes Kaliber ist die «Altenheim 1846 Gedächtnisstiftung», die mit ihrem Vermögen den Betrieb des städtischen Altenheims mit rund 100 Plätzen und 80 Mitarbeitern garantiert. Millionenschwer ist auch die «König-Ludwig-III und Königin-Marie-Therese-Goldene-Hochzeit-Stiftung», einst von Alfred Nathan nach dem Ersten Weltkrieg gegründet. Sie ist in Besitz hunderter Wohnungen, die über 2000 Fürthern preisgünstigen Wohnraum bieten.

Schirmherrin Merkel

Auch die Deutsche Stiftungstreuhand mit Sitz in Fürth (siehe Interview unten) wacht über etliche Stiftungen. Zu ihnen zählt zum Beispiel die «Deutsche Stiftung Querschnittlähmung - Allianz der Hoffnung» - im Übrigen die einzige Stiftung in ganz Deutschland, für die Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Schirmherrschaft übernommen hat. Auch die Kulturstiftung Fürth, die unter anderem den Bau des Kulturforums gestemmt hat, wird von der Stiftungstreuhand verwaltet.

Daneben unterhalten auch Kirchen und Wohlfahrtsverbände Stiftungen. Und auch Stiftungen großer Unternehmer fehlen nicht in Fürth: Unter anderem sind nach Rainer Winter (Uvex), Max Grundig sowie Paul und Helene Metz Stiftungen benannt, die ganz unterschiedliche Zwecke verfolgen. Die Madeleine-Schickedanz-Kinderkrebshilfe ist nicht zuletzt durch ein jährliches Benefiz-Fußballspiel - 2008 trat die SpVgg gegen den VfL Wolfsburg an - bekannt, das jedes Mal rund 100 000 Euro erbringt. Noch ganz jung ist die Bürgerstiftung Fürth, die 2007 aus der Taufe gehoben wurde. Ihr Ziel ist es, das Gemeinwesen in der Stadt zu stärken und Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht.

Oft erfährt die Öffentlichkeit nur selten etwas über die Stiftungen. Viele wirken lieber im Stillen. Nur wenn Jahr für Jahr die Erlöse ausgeschüttet werden und etwa der Umbau eines Altenheims gefördert wird, tritt zum Beispiel der Stiftungsvorstand in Erscheinung. 

Johannes Alles

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