Dienstag, 19.01.2021

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Vorbild Fürth: Ohne Chemie gegen Eichenprozessionsspinner

Die Stadt Oberasbach sucht noch nach einer wirksamen Strategie - 07.01.2021 06:00 Uhr

Nur mit Schutzanzug: An Bäumen, die mit dem Hubsteiger zu erreichen sind, können die Nester des Eichenprozessionsspinners auch abgeflammt werden.

05.01.2021 © Foto: Roland Huber


Andreas Fleischmann, Stadtrat der Grünen und Grünflächenreferent, würde sich wünschen, dass Oberasbach dem Beispiel der Stadt Fürth folgt und auf Chemie verzichtet. Jüngst zählte der BN die Kleeblattstadt zu den 183 "vorbildlichen Kommunen" in Bayern. Doch nur auf diesen Weg will die zweitgrößte Kommune im Landkreis wohl nicht setzen.


Eichenprozessionsspinner: Fürth verzichtet auf die Chemiekeule


2020 war nicht nur in Oberasbach ein Eichenprozessionsspinner-Jahr. Massiv trat der Schädling auf, dessen Raupen mit ihren Brennhaaren bei Menschen schwere allergische Hautreaktionen, aber auch Atemnot verursachen können. Die Telefone im Rathaus liefen heiß, obwohl die Stadt ihre Anstrengungen bei der Bekämpfung nach oben gefahren hatte.

Über die dabei im Frühjahr und im Sommer gemachten Erfahrungen berichtete Hans-Jürgen Haumer vom Bauamt unlängst den Stadträten. Sein Fazit fiel ernüchternd aus: Die verschiedenen Maßnahmen, die insgesamt stolze 53.000 Euro kosteten, hätten nur zur Reduzierung, nicht aber zur Beseitigung des Spinners beitragen können.

Der Einsatz von Spritzmittel – ein biologisches Insektizid – war zwar durchaus wirksam, allerdings werden dabei auch viele andere Tiere gefährdeter Arten getötet. Außerdem müssen die befallenen Bäume gut zu erreichen sein.

Gleiches gilt, wenn Sauger zum Zuge kommen oder die Nester per Handsprühgerät mit einem Klebemittel auf Zuckerbasis behandelt werden. Beide Methoden seien sehr wirksam, sagt Haumer, aber mit "kostenintensivem und hohem Arbeitszeiteinsatz" verbunden. Zudem müssten die Bäume mit einem Hubsteiger gut anfahrbar sein.

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Das müssen Sie über den Eichenprozessionsspinner wissen

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, dessen Raupe kurze, für den Menschen gefährliche Brennhaare besitzt. Diese verursachen heftigen Juckreiz bis hin zu Bronchitis oder Asthma. Das bayerische Gesundheitsministerium empfiehlt daher diese Vorsichtsmaßnahmen.


Das Klebemittel verpappt Raupen und Nest fest am Baum und verhindert so, dass sich die Brennhaare mit dem Wind verteilen. Das Zuckergebilde übersteht Regengüsse und wird entweder von Hand entfernt oder fällt irgendwann zu Boden und kann dort verrotten. Als "Hoffnungsschimmer" bewertet Norbert Schikora (Grüne) diese Methode, denn klar sei: "Wir müssen den Eichenprozessionsspinner bekämpfen."

Lockstoff für die Falle

Hoffnungen setzt die Stadt auch auf sogenannte EPS-Fallen, die mit einem Lockstoff bestückt sind. Die wandernden Raupen fallen hier in einen Sammelbeutel, aus dem es für sie kein Zurück gibt. Coronabedingt wurden die Fallen jedoch im vergangenen Jahr erst verspätet ausgeliefert. Wie wirksam sie sind, kann man noch nicht sagen. Heuer sollen sie sich bewähren.


Zweiter Anlauf: Oberasbach kämpft gegen Eichenprozessionsspinner


Nach einem ersten Treffen von Bürgermeisterin Birgit Huber und dem Bauamt wurde ein Bekämpfungsmix festgelegt. Außerdem sollen Privatwälder beim Spritzeinsatz einbezogen werden – sofern die Eigentümer damit einverstanden sind und die Befahrbarkeit sicherstellen. Areale, die nicht mit dem Hubsteiger zugänglich sind, werden abgeriegelt.

Doch nun legte Andreas Fleischmann mit einer Stellungnahme im Bauausschuss nach: Er plädiert unter anderem dafür, die Bekämpfungsmethoden an einzelnen Bäumen zu dokumentieren, um so Erkenntnisse für künftige Maßnahmen zu gewinnen. Unter diesem Aspekt könnte sich der Grüne an besonders befallenen Stellen, bei denen mechanische Anstrengungen nicht ausreichen, auch den gezielten Einsatz von Spritzmitteln vorstellen, um Bewohner in der Nachbarschaft zu schützen.

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Die Bürgermeisterin will nun "eine Strategie erarbeiten" und dabei die beiden Grünflächenreferenten einbeziehen. Ob Oberasbach dann vielleicht doch auf den Weg der Stadt Fürth einschwenkt und, wie bereits 182 andere bayerische Kommunen, auf den Einsatz von Gift verzichtet, das muss sich zeigen.

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