Donnerstag, 17.10.2019

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Vorhofflimmern: Manchmal stolpert das Herz ganz plötzlich

Vor Infoabend: Chefarzt Dr. Harald Rittger über Rhythmusstörungen - 13.11.2018 06:00 Uhr

Das Klinikum Fürth beteiligt sich an den Herzwochen. © Winckler


Herr Dr. Rittger, wie oft haben Sie und Ihre Kollegen mit Patienten zu tun, die unter Herzrhythmusstörungen leiden?

Rittger: Von den etwa 8000 Patienten, die wir pro Jahr in der Kardiologie behandeln, hat mehr als ein Drittel mit unterschiedlichen Formen von Herzrhythmusstörungen zu tun. Ich schätze, das sind annähernd 3000 Menschen im Jahr, und es werden mehr.

 

Woran liegt das?

Rittger: Zum einen verbessern sich die diagnostischen Möglichkeiten kontinuierlich, zum anderen werden sie von den Patienten zunehmend genutzt. Die Gesellschaft wird ja immer älter, und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vorhofflimmern auftritt, nimmt mit jedem Lebensjahrzehnt zu.

Woran erkennt man als Laie, dass das eigene Herz stolpert, ruckelt, rast?

Rittger: In der Regel spürt man sein Herz ja nicht schlagen, bei Unregelmäßigkeiten kann das aber sehr wohl der Fall sein. Manche Patienten klagen über Herzrasen, Brustschmerzen, Schwindel, Atemnot, andere wiederum merken gar nichts. Die häufigste Form der Herzrhythmusstörung ist übrigens das Vorhofflimmern.

 

Eine andere bekannte Form ist das Kammerflimmern . . .

Rittger: Genau. Wir unterscheiden zwischen Vorhof-Rhythmusstörungen und Herzkammer-Rhythmusstörungen. Normalerweise schlagen Herzvorhöfe und Herzkammern synchron. Beim Vorhofflimmern, eine der Hauptursachen für einen Schlaganfall, haben die Vorhöfe eine deutlich erhöhte Frequenz von 300 bis 400, das heißt sie zappeln regelrecht, während die Herzkammern normal schlagen. Und durch das Zappeln können sich Thromben bilden, also Blutgerinnsel. Rhythmusstörungen in den Herzkammern sind vielfach schwerwiegender und können akut lebensbedrohlich sein. Bei einem Herzstillstand infolge eines Kammerflimmerns zappeln die Muskelzellen in den Kammern, sie arbeiten also nicht mehr koordiniert. Eine sofortige Defibrillation sorgt dafür, dass das Herz wieder effektiv schlägt und pumpt. Wer überlebt, braucht ein Defibrillator-Implantat.

Dr. Harald Rittger. Foto: Horn


 

Kehren wir zurück zum Vorhofflimmern, dem beim Informationsabend mehrere Vorträge gewidmet sind. Wodurch wird es ausgelöst?

Rittger: Das können Veränderungen im Herzen sein, zum Beispiel nach einem Infarkt. Mögliche Auslöser sind auch Bluthochdruck oder Herzklappenfehler. Bei älteren Menschen, die sonst nie Probleme mit dem Herzen hatten, kann ein Vorhofflimmern aber auch ganz plötzlich auftreten.

 

Ist es lebensbedrohlich?

Rittger: Das ist es an sich nicht. Allerdings steigt das Schlaganfallrisiko, wenn das Vorhofflimmern unbehandelt bleibt.

 

Und wie wird behandelt?

Rittger: Man kann das Schlaganfallrisiko durch die Einnahme von Blutverdünnern senken. Und wir verordnen Betablocker, wenn das Vorhofflimmern ein Herzrasen zur Folge hat. Ansonsten versuchen wir, die Symptome zu lindern. Bei der so genannten Kardio-Version gibt man Elektroschocks, um die Synchronität der Herzschlagfolge momentan wiederherzustellen. Langfristig gibt es außerdem seit etwa 15 Jahren die Möglichkeit der Ablation. Dabei werden die Entstehungszentren des Flimmerns im Herzgewebe mit Hitze oder Kälte verödet. Früher war das nur mit einer hohen Belastung durch Röntgenstrahlen möglich. Unter der Leitung von Oberärztin Dr. Laura Vitali-Serdoz, die bei uns den Bereich Elektrophysiologie verantwortet, werden am Fürther Klinikum inzwischen aber immer mehr Patienten komplett strahlenfrei behandelt.

 

Kostenfreier Vortragsabend "Herz außer Takt": Mittwoch, 14. November, ab 17.30 Uhr mit Vorträgen zu Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen am Klinikum Fürth, Verwaltungsgebäude, Raum V. 0.07/0.08.

Interview: BIRGIT HEIDINGSFELDER

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