20°

Dienstag, 02.06.2020

|

zum Thema

Wadn afn Fausd

Das Mimen-Duo Martin Mottier und Michael Nowak wagt sich an Goethe - 23.05.2020 18:31 Uhr

Gustaf Gründgens als Mephisto in einer Szene von Goethes Faust II im Jahr 1959: Michael Nowak und Martin Mottier verfilmen jetzt den "Urfaust" auf Fränkisch.

© Gerd Herold (dpa)


Zwei Herren zwischen Schrankwand, Bierkasten und Beistelltisch, die im Fürther Dialekt in die Kamera raunzen: So hatte man Samuel Becketts Theaterklassiker "Warten auf Godot" noch nicht gesehen. Drei Jahre lang hatten Martin Mottier und Michael Nowak, bekannt als Schauspieler aus der hiesigen freien Szene, an ihrer fränkischen Version gebosselt. Als sie das fertige Werk "Wadn afn Godot" im vergangenen Mai im Babylon-Kino zeigten (wir berichteten), wurde es ein unerwarteter Publikumserfolg. Nach ausverkauften Vorstellungen zogen die Herren sogar ins Cinecittà nach Nürnberg um.

"Die Resonanz war überwältigend", sagt Nowak, "das hat uns dazu gebracht, mit vollem Elan das nächste Projekt anzugreifen!" Und das ist eines der legendärsten Stücke der deutschen Theatergeschichte: Johann Wolfgang von Goethes "Urfaust", entstanden 1772 bis 1775. "Das Stück hat mich schon immer fasziniert, weil es diese Roheit der Gefühle hat", meint Mottier. "Goethe war ja erst 23, als er anfing, sich mit dem Stoff zu beschäftigen."

Dieser junge, wilde Goethe ist es, der die beiden fasziniert – und selbstredend werden sie auch dieses Stück wieder ins heimatliche fränkische Idiom übertragen.

"Es wird allerdings kein Klamauk", betont Nowak. "Natürlich gibt es Stellen, an denen durch die Übertragung in den Dialekt witzige Momente entstehen. Aber es ist uns wichtig, die Seele des Stückes zu erhalten." Der Film wird sich daher enger an den Text halten als ihr "Godot". "Aber wir werden etwas kürzen. Zum Beispiel die Studenten-Szenen in Auerbachs Keller, da die mit nur zwei Leuten zu aufwendig sind. Dadurch wird das Stück auch leichter verständlich."

Auch filmisch wollen Nowak und Mottier sich weiterentwickeln: "Es wird diesmal Schnitte und Kamerabewegungen geben", erzählen sie. "Dafür bekommen wir Unterstützung von Gabriele Plattner, die für Kamera und Ausstattung zuständig ist." Auch vor der Kamera wird das Team verstärkt: Das Nürnberger Model Ramona Rieger wird das Gretchen spielen. "Das wäre dann doch zu albern geworden, wenn wir das selbst dargestellt hätten. Mehr als zwei Leute im Drehteam zu haben ist eine wirkliche Bereicherung."

Auch die Schrankwand ist Geschichte. In der Fürther Paulskirche und der Gostenhofer Dreieinigkeitskirche wurden im Februar die ersten beiden Szenen gedreht. Dann kam Corona. "Jetzt können wir nur warten. Aber wir hoffen, dass die Arbeit an dem Film trotzdem nicht wieder drei Jahre dauern wird", erzählen die beiden. Angepeilter Premieren-Termin für den "Urfausd" ist aktuell Januar 2021.

Peter Romir

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth