Bundestagswahl

Wahlkreis Fürth: Katerstimmung bei der Linken

26.9.2021, 22:21 Uhr
Blicke, die Bände sprechen: Das Ergebnis war für Fürths Linke und ihren Direktkandidaten Hermann Ruttmann (li.) ernüchternd.

Blicke, die Bände sprechen: Das Ergebnis war für Fürths Linke und ihren Direktkandidaten Hermann Ruttmann (li.) ernüchternd. © Foto: Armin Leberzammer

Um die ersten Hochrechnungen einigermaßen verdauen zu können, benötigte bei den Linken die eine oder der andere Hochprozentiges. Denn zu enttäuschend waren die Aussichten im Bund. Einzig der Direktkandidat verbreitete unverdrossen Optimismus.

"Wenn wir morgen auf das Ergebnis schauen werden, bin ich mir sicher, dass wir im Bundestag drin sind", gab sich Hermann Ruttmann im gut gefüllten Nebenraum des Lokals "Zu den sieben Schwaben" zuversichtlich. Und auch die Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung wollte der 57-Jährige noch lange nicht beerdigen: "Für Rot-Rot-Grün könnte es reichen."

Das Zutrauen des evangelischen Theologen speiste sich dabei weniger aus einem vermeintlich kurzen Draht zu himmlischen Mächten, sondern aus ganz konkreten eigenen Erfahrungen: 1983 engagierte sich Ruttmann erstmals in einem Bundestagswahlkampf, damals für die Grünen. Die kratzten am Wahlabend ebenfalls lange an der Fünf-Prozent-Marke und zogen schließlich doch erstmals ins Parlament ein. "Ich gehe davon aus, dass das heute für uns auch wieder klappt", so Ruttmann.

Andreas Selz, als einer von zwei Kreisvorsitzenden noch ganz neu im Amt, klang da gedämpfter: "Jetzt bleibt nur zu hoffen, noch sind ja viele Stimmen auszuzählen. Klar ist, dass das Ergebnis nicht so eindeutig ist, wie wir es erhofft haben." Für seine erste "Amtshandlung" habe er sich etwas anderes gewünscht.

Der unsicheren Perspektive zum Trotz wagte Ruttmann indes schon eine erste Analyse des schlechten bundesweiten Abschneidens: "Die Polarisierung zuletzt zwischen Union und SPD hat uns bestimmt nicht geholfen."

An Appetit dürfte es den Liberalen auf ihrer Wahlparty im Hotel Reubel in Zirndorf nicht gefehlt haben – und das nicht nur, weil der Seniorchef selbst den Kochlöffel geschwungen hatte: Rinderrahmgulasch mit Nudeln, Gnocchi mit Cherrytomaten und anderes kredenzte Paul Reubel – aber der Appetizer schlechthin war natürlich das gute Ergebnis der FDP auf Bundesebene: Von einem "sensationellen Erfolg, der mich begeistert" sprach Direktkandidat Daniel Bayer bereits kurz nach 18 Uhr, als die Prognosen seiner Partei sogar noch 12 Prozent verhießen.

Dass es, wie von ihm erhofft, im Laufe des Abends nicht noch mehr nach oben ging, sondern leicht bröckelte – geschenkt. Schließlich gab es da noch sein persönliches Abschneiden im Wahlkreis Fürth zu feiern: Auf Anhieb über sechs im Kampf um das Direktmandat – da sprudelt die Freude nur so aus dem Telefonhörer.

Zu wem aber soll die FDP nun ins Boot steigen? Für Daniel Bayer steht fest: "Eine Ampel-Koalition ist klar das spannendere Experiment." Allerdings: "Jamaika wäre für die Verhandlungen aus FDP-Sicht eventuell insgesamt leichter, weil es mit der Union, etwa beim Thema Steuern und Finanzen, schon größere Schnittmengen gibt."

Elf Prozent oder doch nur zehn? Knapp zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale waren sich ARD und ZDF in ihren Hochrechnungen für die AfD nicht einig: Thomas Klaukien zeigte sich aber bereits zu diesem Zeitpunkt trotz der Verluste im Bund im Vergleich zu 2017 (12,5 Prozent) zufrieden. "Für uns als immer noch junge Partei ist das eine stabile Basis, auf der wir in den nächsten Jahren aufbauen können."

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