Waldheim Sonnenland: Montessori-Schule bleibt im Rennen

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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10.12.2020, 09:00 Uhr
Als „selbstherrlich und undemokratisch“ kritisieren Gegner die verfrühten Werbeaktionen der WBG-Tochter Wohnfürth für die künftige Nutzung der einstigen Awo-Erholungsstätte Waldheim Sonnenland.

Als „selbstherrlich und undemokratisch“ kritisieren Gegner die verfrühten Werbeaktionen der WBG-Tochter Wohnfürth für die künftige Nutzung der einstigen Awo-Erholungsstätte Waldheim Sonnenland. © FOTO: Hans-Joachim Winckler

Im Raum steht die Frage, was aus dem abgelegenen Areal an der Heilstättenstraße werden soll: das von der Wohnfürth, einer Tochter der städtischen Wohnbaugesellschaft WBG, schon beworbene Projekt "Stadtwaldjuwel" mit 22 Eigentumswohnungen? Oder ein besonderer Platz für die Montessori-Schule, die heuer im provisorischen Quartier am Schießanger an den Start ging?


Eine Schule mitten im Fürther Stadtwald?


Die Verwaltung hatte beide Konzepte geprüft und letztlich der "wohnbaulichen Nachnutzung" den Vorzug gegeben. Denn, so Baureferentin Christine Lippert: Der Eingriff in den Naturraum wäre weniger gravierend. Gegen die Schule spreche insbesondere das erhöhte Verkehrsaufkommen zum Unterrichtsbeginn- und ende, also der Hol- und Bringverkehr.

Dass der Ausschuss dann doch keine Entscheidung traf, lag an den höchst unterschiedlichen Stadien der Konzepte: Das eine war bereits sehr ausgereift (Wohnen), das andere musste die Schule unter Zeitdruck nachreichen.

Man vergleiche hier Äpfel mit Birnen, monierte daher Grünen-Fraktionschef Kamran Salimi. Mit dem Verweis, man dürfe eine so zukunftsträchtige Entscheidung zu Planungen für die "hochsensible Lage" mitten im Stadtwald nicht voreilig und auf der Basis zahlreicher Vermutungen treffen, pochte seine Fraktion auf eine Vertagung.

Maurice Schönleben (SPD) wandte ein, dass die Stadt vor drei Jahren entschieden habe, das Grundstück der WBG zu geben. "Zu dem Beschluss steht die SPD." Im Falle einer Rückabwicklung müsse die Kommune der WBG ihre Aufwendungen ersetzen, mahnte er, für Kaufpreis und Planungskosten seien das rund zwei Millionen Euro.

Die Schule bekommt mehr Zeit

Die Stadt bekäme allerdings das Grundstück zurück, entgegnete CSU-Fraktionschef Maximilian Ammon. Sein Parteikollege Joachim Schmidt zeigte sich "völlig ergebnisoffen" und befand: "Die Schule soll die Chance bekommen, auf den heutigen Planungsstand zu reagieren."

Das Gremium entschied sich schließlich, die Angelegenheit zu vertagen. Im Januar hat dann der Stadtrat das Wort. Bis dahin haben die Verantwortlichen der Montessori-Schule Gelegenheit, sich zu überlegen, ob sie – auch finanziell – bereit sind, noch tiefer und detaillierter in die Planung einzusteigen.

Kundgebung vor dem Rathaus

Noch immer sind also keine Beschlüsse gefasst. Dass die Wohnfürth ihr "Stadtwaldjuwel" dennoch "munter weiter im Internet und auf Werbetafeln" anpreist, stößt Vertretern von Bund Naturschutz und Fürther Sozialforum sauer auf.

Gegner einer Wohnbebauung auf dem Gelände des Waldheims Sonnenland machten vor dem Rathaus mobil.

Gegner einer Wohnbebauung auf dem Gelände des Waldheims Sonnenland machten vor dem Rathaus mobil. © Foto: Birgit Heidingsfelder

Bei einer Kundgebung vor dem Rathaus prangerten sie dieses Vorgehen als "selbstherrlich und undemokratisch" an und erklärten, Fürth habe "ganz andere Probleme als einen Mangel an Luxuswohnungen". So sei etwa der Bestand an geförderten Wohnungen vom Jahr 2011 an um über 400 auf 2169 (2019) gesunken.

Der Wohnfürth werfen die Kritiker eine "Privatisierung öffentlichen Eigentums durch die Hintertür" vor. Der BN macht sich stark für eine "verträgliche Nutzung" des Waldheims Sonnenland und will das Wohnprojekt verhindern.


Naturschützer fürchten Dammbruch im Fürther Stadtwald


Weit über 500 Unterschriften habe man zusammen, sagte Vorsitzender Reinhard Scheuerlein. Mit dem Projekt "Stadtwaldjuwel" ginge die Stadtentwicklung in eine "völlig falsche Richtung" zu Lasten des Waldes, gegen die man auch rechtlich vorgehen würde.

Das Rathaus solle auch anderweitige Nutzungen wie die als Umweltstation und/oder als Waldkindergarten prüfen und auch einen vollständigen Rückbau nicht ausschließen. Die CSU hatte mit einer Jugendherberge oder einem Schullandheim geliebäugelt. Doch was auch immer aus der früheren Awo-Erholungsstätte wird: Der Flächennutzungsplan wird, das betonte die Baureferentin, definitiv geändert. Aktuell erlaubt er nur "Gebäude und Einrichtungen", die sozialen Zwecken dienen.

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