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Wandel in der Südstadt

Volkswohl-Komplex aus den 50er Jahren verschwindet - 11.07.2013 22:00 Uhr

Ein großer Teil des markanten Volkswohl-Komplexes, dessen Fassade an der Ecke Amalien-/Ludwigstraße in einem Bogen verlief, ist bereits abgerissen.

23.10.2012 © Hans-Joachim Winckler


Seit Montag können die Nachbarn beobachten, wie schnell so ein Abbruch vonstatten geht. 78 Mietwohnungen, die größtenteils bis zum Herbst noch bewohnt waren, werden hier dem Erdboden gleichgemacht. Unerbittlich nehmen sich die Abbruchbagger ein Haus nach dem anderen vor – und machen auch vor einem Mosaik an der Fassade nicht Halt, das der Fürther Künstler Johann Helmut Schmidt-Rednitz gestaltet hat.

Wie berichtet, hat sich die Volkswohl gegen eine Modernisierung des Ensembles entschieden – und für einen Neubau. Nachvollziehen kann das nicht jeder in der Nachbarschaft. Die Wohnungen waren doch noch intakt, wundern sich manche. Einzelne Apartments hätten sogar noch vor nicht allzu langer Zeit ein neues Bad bekommen oder neue Böden. Zudem waren hier viele ältere Menschen fast ihr ganzes Leben lang zu Hause, schreibt eine Leserin den FN. Warum dieser radikale Schritt? Warum wird nicht einfach saniert?

Diese Möglichkeit habe man sorgfältig überprüft, versicherte Johann Zweier, Geschäftsführer der Volkswohl, bereits im Herbst auf FN-Nachfrage. Ausschlaggebend waren wirtschaftliche Gründe, sagt er auch jetzt: Zweier zufolge wären bei einer Sanierung die Baukosten, heruntergerechnet auf einen Quadratmeter Wohnfläche, höher gewesen als bei dem jetzt geplanten Neubau.

Gleichzeitig hätte man mit Einschränkungen leben müssen: Die Bausubstanz aus den 50er Jahren sei nicht besonders gut. Die Zuschnitte der Wohnungen entsprächen nicht den heutigen Bedürfnissen – viele waren nur 50 bis 55 Quadratmeter groß. Und barrierefrei waren die Häuser auch nicht, nicht einmal Aufzüge gab es. Am Ende eines Abwägungsprozesses hieß es: „Wir reißen ab.“ Bis Dezember, so Zweier, fanden mit Unterstützung der Volkswohl alle Mietparteien ein neues Zuhause.

Rund 16 Millionen Euro steckt die Baugenossenschaft in das Vorhaben. 79 barrierefreie Mietwohnungen – Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen – entstehen hier, außerdem eine Tiefgarage mit 80 Stellplätzen. Der neue Gebäudekomplex wird laut Zweier an derselben Stelle wie der alte errichtet, allerdings wird er etwas höher ausfallen. Ein oder zwei Stockwerke werden wohl hinzukommen, oben sind Dachterrassenwohnungen geplant. Endgültige Entwürfe gebe es aber noch nicht. Die Wohnfläche soll sich von etwa 4000 Quadratmetern auf 6000 Quadratmeter vergrößern.

Zweier rechnet damit, dass im September mit dem Bau begonnen wird. Im Sommer 2015 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Vor kurzem hat die Baugenossenschaft in einem Schreiben die Anwohner über den Zeitplan informiert. Darauf hatte manch einer schon ungeduldig gewartet. Ohne Beeinträchtigungen bleiben die Abrissarbeiten nämlich nicht: Bis auf Weiteres sind die Amalienstraße einseitig und die Ludwigstraße komplett für den Verkehr gesperrt.

Folgen werden die Bauarbeiten auch für den Innenhof haben. Der sei „eine der wenigen in diesem Areal verbliebenen parkähnlichen Grünflächen mit Baumbestand“, schrieb eine besorgte Anwohnerin jüngst dem Oberbürgermeister. Wie Volkswohl-Chef Zweier erklärt, könne die Anlage wegen des Baus der Tiefgarage nicht erhalten bleiben. Allerdings sei es das Ziel, den Bereich später wieder „intensiv zu begrünen“. Ob hier – über der Tiefgarage – hohe Bäume wachsen können, werde derzeit geprüft.

Claudia Ziob

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