Mittwoch, 01.04.2020

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Wechselt Rundfunkmuseum in die Innenstadt?

Centralgarage in der Mathildenstraße soll ab 2011 neuer Standort werden - Ausschüsse beraten heute - 11.03.2009

Leerstand: Die Centralgarage aus dem Jahr 1928 ist seit 2003 außer Betrieb. Die Stadt will nun dem Eigentümer P & P die Immobilie abkaufen, sie umbauen und dort in zwei Jahren das Rundfunkmuseum unterbringen. © Hans-J. Winckler


Von einer «Chance, die wir jetzt ergreifen müssen», spricht Oberbürgermeister Thomas Jung im Vorfeld der heutigen gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Bau- und des Kulturausschusses. Gerd Walther, Leiter des Rundfunkmuseums, lässt hingegen an seiner Haltung zu dem Projekt keinen Zweifel aufkommen: «Ich bin überhaupt nicht begeistert», so Walther gestern gegenüber den FN.

2001 war das Rundfunkmuseum - es startete 1993 im Marstall des Burgfarrnbacher Schlosses - in das ehemalige Grundig-Direktionsgebäude auf dem Gelände der Uferstadt gezogen. Im Mai 2011 läuft der Mietvertrag zwischen der Stadt und dem englischen Investor Doughty Hanson aus. Noch zwei Mal, so sieht es der Vertrag vor, könnte die Kommune um je fünf Jahre verlängern; spätestens 2021 also müsste das Museum endgültig weichen. Die Miet- und Unterhaltskosten betragen aktuell rund 165 000 Euro im Jahr. Jung: «Unsere Bitte, wenigstens ab 2011 die Miete zu senken, hat bei den Engländern nur Erschütterung ausgelöst». Ein Entgegenkommen scheint aussichtslos.

Mit dem Kauf der Centralgarage böte sich, so Jung, die Chance, einer leer stehenden Innenstadt-Immobilie wieder Leben einzuhauchen. Darüber hinaus wolle er eine Bestandssicherung des Museums über 2021 hinaus. Die Nutzfläche, rund 1500 Quadratmeter auf drei Etagen, sei «noch etwas großzügiger» als am jetzigen Museumsstandort in der Kurgartenstraße. Der OB: «Kein Radio muss wegen des Umzugs in den Keller gestellt werden.» Und: «Überall in Europa werden Museen nicht mehr peripher gebaut, sondern in die Stadtmitte gesetzt.» In Anbetracht der schon jetzt nur noch raren Freiflächen in der Innenstadt müsse die Stadt zugreifen, «denn in zehn Jahren wird es sehr schlecht ausschauen».

Die Centralgarage war bis 2003 in Betrieb. Der Bau aus dem Jahr 1928 gilt als ältestes Parkhaus Bayerns. Vor zwei Jahren kaufte die Fürther P & P-Wohnbau das Haus. Nachdem zunächst Pläne für einen Mix aus Geschäften, Büros und Wohnungen kursierten, sind die Eigentümer - in Fürth sanierten sie unter anderem das Stadtpalais vis-à-vis, Sitz des im September startenden Stadtmuseums in der Ottostraße, sowie den Carrera-Bau in der Flößaustraße - Jung zufolge in Sachen Verkauf «sehr entgegenkommend». Mit dem Umbau der Centralgarage ist das Nürnberger Architekturbüro Loebermann & Partner betraut. Alle drei beteiligten Referate der Stadt - Finanzen, Bau und Kultur - haben außerdem «in seltener Einmütigkeit», so Jung, ihre Zustimmung zum Projekt gegeben.

Die Finanzierung des Centralgaragen-Umbaus - 60 Prozent der Investitionssumme kommen aus Mitteln des «Soziale Stadt»-Förderprogramms - amortisiert sich laut Konzept mittelfristig durch die eingesparten Mietkosten. Auf kurze Sicht muss jedoch ein anderer Kulturschauplatz zurückstecken: Bau und Eröffnung des neuen Anbaus am Jüdischen Museum Franken in der Königstraße (wir berichteten) verschieben sich von 2011 auf 2013. Museumsleiterin Daniela Eisenstein habe dem zugestimmt - unter Verweis auf Jungs Versprechen, den Anbau noch in der laufenden Legislaturperiode zu realisieren.

Äußerst skeptisch ist unterdessen Rundfunkmuseums-Chef Walther. Ein erneuter Umzug sei mit immensem Aufwand verbunden. «Wir sind ein Museum, kein Wanderzirkus.» Seit dem Wechsel in die Uferstadt 2001 habe es die Stadt versäumt, den Fortbestand des Museums an Ort und Stelle zu sichern. Die Centralgarage sei zwar «ein interessantes, aber x-beliebiges Gebäude», der thematische Bezug zu Grundig gehe verloren.

Matthias Boll

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