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Wegen Corona: Gärtnereien müssen umdenken

Die Corona-Krise macht den Betrieben das Geschäft kaputt. Doch es gibt Lösungen - 23.03.2020 21:00 Uhr

In einem der Dauchenbeck-Gewächshäuser blickt Gärtnermeister Bernd Hubert mit sorgenvoller Miene auf die jungen Geranien-Pflanzen, die schon bald mehr Platz brauchen werden. © Hans-Joachim Winckler


"Bei uns war am Freitag noch einmal die Hölle los", sagt Gärtnermeisterin Jessica Haubner, die bei der Fürther Gartenwelt Dauchenbeck in der Abteilung Beet und Balkon für die Saisonpflanzen zuständig ist.

Zahllose Kunden schoben sich noch einmal vorbei an Primeln, vorgezogenen Tulpen und Narzissen sowie Stiefmütterchen und Gänseblümchen. Jene Frühlingsblüher also, die gerade Hochsaison haben – ebenso wie alle Gärtnereien, die ihr Hauptgeschäft von jetzt bis etwa Mitte Mai machen. Die bunte Pracht wird nun zum Ladenhüter, denn ihre Verkaufszeit ist relativ kurz. Bis Ostern, weiß Haubner, bringen die Menschen traditionell ihre Balkone, Gärten und Gräber auf Vordermann und schmücken sie mit den farbenfrohen Blumen, die das Wintergrau etwas vertreiben sollen. Was nach Ostern noch übrigbleibt, findet meist keinen Absatz mehr. Dann nämlich drängen andere Pflanzen in Beete und Kästen.

Bei Dauchenbeck soll ein Lieferservice nun die Frühlingspflanzen davor bewahren, auf dem Kompost zu enden. Sieben verschiedene Pflanzpakete sollen deshalb demnächst zusammengestellt werden, damit Frühjahrsblüher, Stauden, Gemüsepflanzen und Kräuter möglichst rasch ihren Platz im Gewächshaus gegen ein neues Zuhause im Garten oder auf dem Balkon eintauschen. Denn: Der Platz, den die Gewächse jetzt belegen, wird bald von den Sommerblumen gebraucht, die bereits vorgezogen sind.

Die Lieferung soll kontaktlos erfolgen. Das bedeutet: Die Ware wird inklusive Rechnung geliefert und vor der Haustür abgestellt. Außer den Pflanzpaketen können auch andere Gewächse wie Gehölze oder Obstbäume bestellt werden.

 

"Das hätte ich nicht gedacht"

 

So ähnlich will auch die Baumschule Popp in Puschendorf der Krise ein wenig trotzen. Dort drängen zwar keine Frühlingsblumen in den Verkauf, doch warten zum Saisonstart jede Menge Stauden, Gehölze, Bäume und Rosen auf Abnehmer. "Bei uns konnte man schon immer Pflanzen liefern lassen", sagt Geschäftsführer Reinhold Popp. Nun soll das Feld weiter ausgebaut werden, auch wenn es noch keinen Online-Shop gibt. Dafür ein Telefon, das weiterhin besetzt ist. Dort kann man sich beraten lassen, wenn es darum geht, die passende Pflanze für einen bestimmten Standort zu finden. Auch von Puschendorf aus will man bis vor die Haustür und auf Rechnung ausliefern, um Kontakte zu vermeiden. Beliefern darf Popp auch noch den Großhandel, wobei dieser Geschäftszweig auch stark schrumpfen dürfte, sowie Landschaftsgärtner, die zumindest jetzt noch Gärten anlegen dürfen.

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Corona-Krise: Leere Straßen und Plätze in Fürth

Die seit Samstag geltenden Ausgangsbeschränkungen sorgen auch in Fürth für sehr leere Straßen und Plätze. Auch auf dem Fürther Markt herrschte große Stille.


Für Rainer Goldmann, der in Kreben (Wilhermsdorf) eine Staudengärtnerei betreibt, kam die Anordnung, alle Gärtnereien zu schließen, überraschend. "Dass es so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht." Auch bei ihm herrschte in der vergangenen Woche noch Hochbetrieb; viele Kunden kamen mit ihren Kindern auf die große Freifläche, wo 1500 verschiedene Arten und Sorten von Stauden wachsen. Goldmann verkauft nicht nur an Privatkunden, sondern beliefert auch Großhändler sowie Garten- und Landschaftsbauer. Das Geschäft mit Letzteren ist aktuell das einträglichste – vorerst. Aber auch Goldmann möchte seine Kunden im Frühling, wenn es alle in den Garten drängt, nicht ohne Ware sitzenlassen. Er nimmt Bestellungen per Telefon oder Mail entgegen und verschickt dann per Post oder liefert in der näheren Umgebung aus.

Allen, die nun bei der Gartenarbeit durch die Corona-Pandemie ausgebremst werden, rät er, sich jetzt schon Gedanken über Umgestaltungen und Neupflanzungen zu machen und die Vorfreude auf die Umsetzung in besseren Zeiten zu genießen. Bis dahin gelte es, viel Zeit im Garten zu verbringen. "Das ist momentan eine der sinnvollsten Sachen, die noch bleiben", sagt Goldmann. Schließlich sei man dort an der frischen Luft, bleibe physisch und psychisch gesund und im Gegensatz zu manchen Mitmenschen seien die Pflanzen auch nicht ansteckend.

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Gwendolyn Kuhn

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