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Weiherhof: Unruhe im Naturidyll

Für ein geplantes Bauprojekt muss ein Weiher teils zugeschüttet werden - 25.06.2020 14:58 Uhr

Ein Idyll, das dem heutigen Zirndorfer Ortsteil Weiherhof seinen Namen gab. Die große Wasserfläche wurde in den 1970er Jahren zugeschüttet und bebaut. Heute sind nur noch drei kleinere Weiher übrig. © Foto: Stadtarchiv Zirndorf


Nicht ohne Grund trägt der Zirndorfer Ortsteil Weiherhof seinen Namen. Noch gibt es dort mehrere Weiher. Der größte davon, der einst sogar als See bezeichnet wurde und ein beliebtes Ausflugsziel war, wurde jedoch in den 1970er Jahren zugeschüttet. Eine der heute noch existierenden Wasserflächen ist in Privatbesitz und liegt zwischen Weiherhofer Hauptstraße, Frühlingsstraße und Herbststraße. Das schmale Grundstück rundherum ist dicht von Bäumen und Hecken bewachsen, ein öffentlicher Zugang existiert nicht.

Dieser Weiher ist nun in Gefahr, denn das östliche Ufer soll bebaut werden. Vier Doppelhaushälften mit acht Garagen und Carports will die Sparda Immobilienwelt GmbH dort erstellen und hat dazu eine Bauvoranfrage bei der Stadt Zirndorf eingereicht. Zwei Geschosse plus ein drittes, leicht zurückversetztes, sind geplant. Außerdem wird, von der Weiherhofer Hauptstraße kommend, eine Zufahrt angelegt. Zirka 1500 Quadratmeter Grund müssen dafür versiegelt werden.

Wer sich das Weihergrundstück etwas detaillierter ansehen will, muss im Nachbargarten auf eine hohe Leiter steigen und kann dann einen Blick auf den östlichen Uferstreifen werfen. Dabei zeigt sich, dass schon einige Fakten geschaffen wurden. Ein Teil der Wasserfläche ist bereits mit Kies zugeschüttet. Wohl um Baugrund zu schaffen, denn die Fläche am Wasser ist eigentlich zu schmal für Wohngebäude.

Doch der Investor versichert, dass die Wasserfläche nicht dezimiert werde. Aus den aktuell 2414 sollen nach dem Bau sogar 2440 Quadratmeter werden. Die Stellen, die zugeschüttet werden müssen, sollen andernorts neu geschaffen werden, so dass man insgesamt auf eine leicht größere Fläche komme.

Eingriffe sind nötig, um die Zufahrt zu gestalten und Platz zu schaffen. Fünf nach der städtischen Baumschutzverordnung geschützte Bäume sollen dafür gefällt werden. Zwar sind Ersatzpflanzungen auf der Fläche zugesagt, wo dafür Platz ist, ist aber ungeklärt.

Vogelwelt, Amphibien, aber auch Fledermäuse haben auf dem kaum von Menschen betretenen Areal einen Rückzugsraum gefunden. Die unmittelbaren Nachbarn können dies tagtäglich beobachten. Doch welche Arten dort vorkommen, wurde bislang nicht überprüft. Auch dem Zirndorfer Bund Naturschutz liegen dazu keine Informationen vor. Unklar ist, ob in den Bäumen, die der Kettensäge zum Opfer fallen sollen, Fledermaushöhlen sind.

Sowohl eine wasserrechtliche Prüfung, als auch eine naturschutzfachliche Prüfung, die das Landratsamt veranlassen muss, stehen noch aus. Denn die Behörde greift erst ein, wenn die Stadt den Bauantrag genehmigt.

Aktiv sind bereits einige Weiherhofer Bürger, die in kurzer Zeit zirka 50 Unterschriften gegen das Bauvorhaben sammelten. Sie werden im Bürgermeisterbüro übergeben, mit der Bitte an den Rathauschef, sie den Stadträten zur Kenntnis vorzulegen.

Beate Dietz

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